Zahlen von Iqvia

Ärzte verordnen vor allem Candesartan statt Valsartan

Stuttgart - 10.10.2018, 17:45 Uhr

Viele Valsartan-Patienten bekamen in den vergangenen Wochen neue ärztliche Verordnungen. (s / Foto: contrastwerkstatt / stock.adobe.com)

Viele Valsartan-Patienten bekamen in den vergangenen Wochen neue ärztliche Verordnungen. (s / Foto: contrastwerkstatt / stock.adobe.com)


Anfang Juli mussten zahlreiche Hersteller ihre valsartanhaltigen Arzneimittel zurückrufen. Hintergrund waren Verunreinigungen im Wirkstoff des chinesischen Produzenten Zhejiang Huahai Pharmaceutical. Patienten wurden auf die verbleibenden Valsartan-Präparate oder andere Sartane umgestellt – Zahlen von Iqvia (vormals IMS) zufolge vor allem auf Candesartan.  

Wie hat sich der Skandal um verunreinigtes Valsartan auf die Abgabezahlen ausgewirkt? Das Marktforschungsunternehmen Iqvia hat dazu die Zahlen aus zwölf Monaten, also September 2017 bis August 2018, ausgewertet. Die Daten umfassen die Abgaben zulasten der GKV, Privatrezepte und Barverkäufe. Die Daten für den GKV-Markt basieren auf von den Apothekenrechenzentren getätigten Abrechnungen. Der Anteil der Privatrezepte und Abgaben ohne Rezept werden auf Basis einer Stichprobe von rund 4.000 Apotheken erhoben.

Demnach hat der Valsartan-Skandal der Gruppe der Sartane als Ganzes überhaupt nicht geschadet. Mit 2,598 Millionen Packungen lag der Absatz im August 2018 in etwa auf dem Niveau vom Juni 2018, also vor dem Bekanntwerden der Verunreinigung, als 2,593 Millionen Packungen abgegeben wurden. Im Juli 2018 lag der Absatz sogar noch höher, nämlich bei 2,935 Millionen Packungen. Eine mögliche Erklärung für diesen Peak ist, dass viele Patienten aufgrund des Rückrufs „außer der Reihe“ eine neue Packung brauchten.

Weniger Valsartan

Und wie sieht es bei den einzelnen Wirkstoffen aus? Hier hat – wenig überraschend – Valsartan Markanteile verloren. Fielen noch im Juni 35,8 Prozent aller verordneten Sartane auf den Wirkstoff, waren es im Juli nur noch 33,8 Prozent und im August dann 27,7 Prozent. Umstellungen, weil Valsartan kaum lieferbar war, aber vermutlich auch weil Patienten und Ärzte den verbliebenen „saubereren“ Präparaten nicht mehr trauten, erfolgten laut den Iqvia-Zahlen vor allem auf Candesartan. So war der Wirkstoff bereits vor dem „Valsartan-Skandal“ das am meisten verordnete Sartan, es konnte aber noch einmal kräftig zulegen: Der Marktanteil stieg von etwa 40 Prozent auf zuletzt über 48 Prozent. In Packungen waren das 1,246 Millionen im August 2018 und damit 200.000 Packungen mehr als noch im Juni. Telmisartan, Losartan und Olmesartan konnten ebenfalls Markanteile gewinnen, allerdings in einem Ausmaß, das fast noch im Bereich der „normalen“ Schwankungen des vergangenen Jahres liegt. Losartan von 6,9 (Juni 2018) auf 7,2 Prozent (August 2018), Olmesartan von 6,2 auf 6,3 Prozent und Telmisartan von 6,0 auf 6,2 Prozent.

Welche Wirkstoffe prüft die EMA?

Das Risikobewertungsverfahren der EMA, das vor kurzem von Valsartan auf andere Sartane ausgeweitet wurde, umfasst die Wirkstoffe Losartan, Irbesartan, Candesartan und Olmesartan. Sie verfügen ebenso wie Valsartan über einen Tetrazol-Ring, dessen Synthese unter bestimmten Bedingungen zu der Bildung der kanzerogenen Verunreinigungen NDMA beziehungsweise NDEA führen kann. Weitere Sartane, wie Eprosartan und Telmisartan, die dieses Ringsystem nicht haben, sind laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte von dem Risikobewertungsverfahren nicht betroffen


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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