Deutscher Apothekertag

ABDA: Apotheker und Spahn dürfen diskutieren

Berlin - 08.10.2018, 17:40 Uhr

Nun also doch: Die ABDA teilte zunächst mit, dass für eine Diskussion mit Minister Jens Spahn keine Zeit sei. Nun heißt es aber, dass man Wortmeldungen zulassen werde. (s / Foto: Schelbert)

Nun also doch: Die ABDA teilte zunächst mit, dass für eine Diskussion mit Minister Jens Spahn keine Zeit sei. Nun heißt es aber, dass man Wortmeldungen zulassen werde. (s / Foto: Schelbert)


Kann Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf dem Deutschen Apothekertag mit den Apothekern über seine Pläne diskutieren? Das Bundesgesundheitsministerium hatte früh signalisiert, dass der Minister offen für eine Debatte wäre. Die ABDA erklärte gegenüber DAZ.online zunächst, für eine Diskussion sei kein Raum, zog dies dann aber in einem Brief an ihre Mitglieder zurück. Nun stellt die ABDA klar: Es gibt eine Vereinbarung mit dem Ministerium, nach Spahns Rede wird diskutiert.

Reden von Bundesgesundheitsministern/-innen auf dem Deutschen Apothekertag (DAT) sind immer etwas Besonderes. Im vergangenen Jahr herrschte bei der Rede von Hermann Gröhe (CDU) beispielsweise eine sehr einvernehmliche Stimmung – schließlich hatte Gröhe den Apothekern auf dem DAT nochmals zugesichert, dass er für die Rx-Preisbindung kämpfen werde. Die Rede vom amtierenden Gesundheitsminister Jens Spahn wird aber mit besonders großer Spannung erwartet. Das liegt gar nicht so sehr an Spahns vergleichsweise liberaler Haltung zum Apothekenmarkt, sondern vielmehr daran, dass immer noch völlig unklar ist, wie Spahn den Versandhandelskonflikt lösen will.

Mehrfach hat Spahn in den vergangenen Monaten darauf verwiesen, dass er auf dem DAT seine Lösung präsentieren will. Mit dieser sollten Rx-Rabatte verboten werden. Das Rx-Versandverbot sei aus juristischen Gründen aber nur schwer umsetzbar. Apotheker Gunnar Müller aus Nordrhein-Westfalen hatte sich schon vor einiger Zeit an Spahns Büro gewendet und darum gebeten, dass die Hauptversammlung im Anschluss an Spahns Rede noch diskutieren könne – Müllers Aussage zufolge soll das Ministerbüro sofort zugesagt haben.

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Doch so einfach ist die Angelegenheit nicht: Schließlich ist die ABDA-Tochter Avoxa die Veranstalterin der Expopharm, offiziell hieß es aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) daher immer, dass die ABDA das entscheiden müsse. DAZ.online fragte daher bei der ABDA nach und erhielt diese Antwort: „Das Programm ist damit zeitlich recht ambitioniert und wird voraussichtlich kaum Raum für spontane zusätzliche Diskussionen lassen.“ Nur einen Tag später informierte die ABDA alle Kammern und Verbände dann aber darüber, dass dies eine Falschmeldung sei, schließlich stehe man in Gesprächen mit dem BMG über eine mögliche Diskussion.

ABDA: Wortmeldungen aus dem Publikum

Wie ist die Geschichte also ausgegangen? Nun steht fest: ABDA und BMG haben sich auf ein Diskussionsformat geeinigt. ABDA-Sprecher Reiner Kern erklärte am heutigen Montag gegenüber DAZ.online: „Ja, es gibt eine Vereinbarung. Dem beiderseitigen Wunsch nach Austausch wird Rechnung getragen. Es wird nach dem Statement des Ministers und vor Beginn der Hauptversammlung Gelegenheit für Wortmeldungen aus dem Publikum geben.“ Wie genau diese Diskussion ausgetragen wird, wollte Kern nicht verraten. „Einzelheiten zum Ablauf gibt es dann vor Ort“, so der ABDA-Sprecher.


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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Hoffen und Bangen vor dem Apothekertag

7 Kommentare

Ärztezeitung

von gabriela aures am 09.10.2018 um 8:24 Uhr

Hier der Artikel :

NEU-ISENBURG. Vor zwei Jahren, fast auf den Tag genau, entschied der Europäische Gerichtshof, ausländische Versandapotheken, die nach Deutschland liefern, seien nicht an die hiesige Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel gebunden. Ein mittleres Erdbeben in der Apothekerschaft war die Folge.

Standesvertreter beschworen dammbruchartig einsetzenden Preiswettbewerb im Rezeptgeschäft; auf lange Sicht sei die Versorgung in Regionen mit geringerer Apothekendichte gefährdet.

Schnell waren sich die Apothekerverbände mit dem CDU-geführten Gesundheitsministerium einig: Nur ein Verbot des seit 2004 erlaubten Rx-Versands würde die Preisbindung retten.

Und was ist seither passiert? Mehr oder weniger gar nichts. Eine Apothekerin aus dem Hessischen verteilte Gutscheine an Rezept-Kunden über "2 Wasserweck oder 1 Ofenkrusti", die in einer benachbarten Bäckerei eingelöst werden konnten. Ein Berliner Apotheker gab 1-Euro-Einkaufsgutscheine aus.

Grünes Licht vom Bundesgerichtshof

Weitere Verstöße gegen die Rx-Preisbindung sind nicht bekannt. Beides Beispiele für die kleine Kundenbindung über die Straße hinweg – von systemrelevanten Ausmaßen keine Spur.

Zwar stichelte zwischenzeitlich der Versandapothekenverband BVDVA, vom derzeitigen Packungsfixhonorar (8,35 Euro) könnten 2,35 Euro für Rezept-Boni eingesetzt werden, hielt aber die Füße still.

Dabei hatten in der Vergangenheit gerade auch die deutschen Versender lauthals betont, wie sehr sie sich ein Höchstpreissystem wünschten, um Kassen und Kunden Preisnachlass zu gewähren. Um Tierarzneimittel versenden zu dürfen, zog der heutige BVDVA-Vorsitzende vor Jahren durch sämtliche Instanzen.

Erst der Bundesgerichtshof gab grünes Licht. Vor allem war der umtriebige Apotheker am lukrativen Fipronil-Handel interessiert, einem Flohmittel zum Wohl unserer vierbeinigen Freunde.

So sehr scheint sich die Branche Rx-Rabatte dann wieder nicht zu wünschen, dass deswegen einer der ihren bisher Lust verspürt hätte, vor den Gerichten auf Inländerdiskriminierung zu plädieren.

ABDA: E-Rezept für alle!

Und wozu auch Geld für ein Geschäft ausgeben, an dem man gerade mal roundabout ein mageres Prozent Marktanteil hält? Zumal das elektronische Rezept in den Startlöchern steht, ein enormer Katalysator für den Rx-Versand.

Die "Generation Kopf unten" wird sich die Möglichkeit nicht nehmen lassen, mit einem Klick zu bestellen und dazu gleich einen Lieferauftrag auszulösen. In Baden-Württemberg wird das E-Rezept schon getestet.

Und ausgerechnet der Apothekerdachverband ABDA überraschte Anfang Juli mit der Ankündigung, bis zum Apothekertag – der am Mittwoch, 10. Oktober, in München beginnt – einen eigenen technischen Vorschlag zum elektronischen Rezept ausarbeiten zu wollen.

Ziel: "dass alle Apotheken in Deutschland am Verkehr mit E-Rezepten teilnehmen können", wie ABDA-Präsident Friedemann Schmidt erklärte.

Doch nachdem die ABDA in Sachen digitaler Verordnung offenkundig nicht länger auf der Bremse stehen will, manövriert sie mit der beharrlich vorgetragenen Forderung nach Verbot des Rx-Versands geradewegs ins Abseits.

Ein E-Rezept ohne Lieferdienst grenzt ans Lächerliche. Einfach nur in der Apotheke was vorbestellen lässt sich schon seit Erfindung des Telefons. Und um Medikationspläne zu digitalisieren, reicht ein Scanner.

Zugleich dürfte das ersehnte Versandhandelsverbot in Luxemburg und Brüssel – wenn überhaupt – nun noch schwerer durchzuboxen sein.

Der EuGH hatte das von der Bundesregierung bereits angeführte Argument als unbewiesen verworfen, Rezept-Boni gefährdeten die flächendeckende Arzneimittelversorgung. Im Licht der bevorstehenden Einführung des E-Rezepts jedoch erscheint das Versandverbot wie der Versuch, einem jetzt erst zu ernsthafter Rx-Konkurrenz auflaufenden Absatzkanal ungeniert das Wasser abzugraben. Das werden sich die Brüsseler Wettbewerbshüter nicht bieten lassen.

Pistole auf der Brust?

Gerüchten zufolge hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zwei Pläne in der Schublade. Der eine sieht vor, erneut Anlauf zu nehmen, das Versandverbot wie in der vorangegangenen Legislatur formuliert und im Koalitionsvertrag bekräftigt umzusetzen – mit allen bekannten verfassungs- und europarechtlichen Risiken. Plan B würde Rx-Boni in begrenztem Umfang zulassen und dafür die Apotheken mit Honorar-Zugeständnissen entschädigen.

Wie die "Deutsche Apothekerzeitung" berichtet, soll Spahn "dem Vernehmen nach die Apotheker schlichtweg vor die Wahl gestellt" haben. Vielleicht offenbart der Minister seine Ideen ja beim Apothekertag in München.

Am Donnerstag traf sich der ABDA-Gesamtvorstand zu einer Strategiesitzung, die ungewöhnlich lange gedauert haben soll. In einer knappen Meldung ließ der Verband abschließend wissen, dass man "ein Versandverbot für verschreibungspflichtige Medikamente nach wie vor als das geeignete Mittel betrachtet, einheitliche Abgabepreise zu garantieren".

Doch kategorisch darauf festlegen will er sich nicht mehr. Die Geschäftsführung habe "das Mandat", heißt es, mögliche alternative Vorschläge zu prüfen". Solche Alternativen wären der Mitgliederversammlung bis 5. Dezember zur Beschlussfassung vorzulegen.

Nanu, ein Termin? Hat Spahn den Apothekern die Pistole auf die Brust gesetzt? Bislang dominierte der Eindruck, die Standesvertretung habe sich alternativlos in das Versandverbot verbissen. Setzt sie jetzt an zum großen Sprung über den eigenen Schatten? Sie wäre gut beraten.

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AerzteZeitung 08.10.2018 >> fatale Spahn-ApothekenPläne ??? Link mailen!!

von Dr. Susanne Rueck am 08.10.2018 um 20:11 Uhr

Wenn solche Spahn-Pläne tatsächlich existieren, dann gefriert einem das Blut in den Adern!!
Habe den angeführten Artilkel aber leider nicht im Original in der ÄZ von heute gefunden: bitte den Link schicken, DANKE!!

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Spahn

von Conny am 08.10.2018 um 18:04 Uhr

Um wieviel Uhr hält Spahn unsere Untergangsrede ? Weiss dies jemand ? Danke

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AW: Spahn Uhrzeit

von Dr Schweikert-Wehner am 08.10.2018 um 18:18 Uhr

Das Ende der deutschen freien Apotheken wird am Mittwoch um etwa 14:30 Uhr verkündet.

AerzteZeitung

von Dr Schweikert-Wehner am 08.10.2018 um 17:49 Uhr

Nach ÄZ von heute plant Spahn nicht nur das Ende des RX Versandverbotes, sondern auch die Freigabe der RX-Boni. Das dürfte der Turbo sein, der 50% der Apotheken das Ende einläutet.

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AW: AerzteZeitung

von Karl Friedrich Müller am 08.10.2018 um 18:14 Uhr

wenn das stimmt, wäre höchste Zeit für einen Streik, incl Notdienst.

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