An Apotheken

Betrugsverdacht: Fax der „Datenschutzauskunft-Zentrale (DAZ)“ 

Stuttgart - 01.10.2018, 14:30 Uhr

Dieses Fax landet derzeit unter anderem in Apotheken (Foto: DAZ.online)

Dieses Fax landet derzeit unter anderem in Apotheken (Foto: DAZ.online)


Zahlreiche Apotheken und auch andere Betriebe erhielten am heutigen Montag ein Fax einer angeblichen Datenschutzauskunft-Zentrale, kurz DAZ. In dem Schreiben wird zur Umsetzung des Datenschutzes aufgefordert, wie es gesetzliche Pflicht ist, verbunden mit einer Zahlungsaufforderung. Wer ein solches Schreiben erhalten hat, sollte es aber auf keinen Fall unterschrieben zurücksenden, es handelt es sich möglicherweise um eine Betrugsmasche.

Eine angebliche Datenschutzauskunft-Zentrale kurz DAZ (hat nichts mit der Deutschen Apotheker Zeitung zu tun) verschickt derzeit Faxe an Betriebe, auch an Apotheken. Dort heißt es: „… um Ihrer gesetzlichen Pflicht zur Umsetzung des Datenschutzes nachzukommen und die Anforderungen der seit 25.05.2018 geltenden europäischen Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) zu erfüllen, bitten wir sie, das angeheftete Formular auszufüllen und bei  Annahme unterschrieben bis zum 9. Oktober 2018 gebührenfrei an die EU-weite zentrale Fax-Stelle 00800/7700777 zu senden.“ So die Aufforderung. Alternativ kann das Formular per Post an eine Adresse in Oranienburg geschickt werden:

DAZ 
Zentrale Postverteilstelle 
Lehnitzstraße 11
16515 Oranienburg

Wer dieses Schreiben erhalten hat, sollte der Aufforderung auf keinen Fall nachkommen, da Zahlungen fällig werden. Im Kleingedruckten heißt es nämlich: „Die in diesem Auftrag genannte Person/Unternehmen erwirbt das Leistungspaket Basisdatenschutz. Dieses beinhaltet Informationsmaterial, ausfüllfertige Muster, Formulare und Anleitungen zur Umsetzung der Vorgaben der DSGVO. Basisdatenschutz-Beitrag jährlich netto, zzgl. USt: EUR 498. Die Berechnung erfolgt jährlich. […] Durch die Unterzeichnung wird die Leistung für drei Jahre verbindlich bestellt.” 

Auf der Seite eines Kölner Anwalts findet sich bereits eine Warnung. Er verweist dabei auf einen ähnlichen Fall von vor einigen Jahren: Damals trieb eine vermeintliche Gewerbeauskunft-Zentrale mit der gleichen Masche ihr Unwesen. Ein offiziell anmutendes Schreiben erweckte den Eindruck, es ginge um ein offizielles Verzeichnis. Im Kleingedruckten stand, dass man sich mit Unterzeichnung verpflichtet, über 1000 Euro für die Aufnahme in ein Internetverzeichnis zu bezahlen. Nach einer entsprechenden Klage gegen die Betreiber stellte die „Gewerbeauskunft-Zentrale“ ihre Tätigkeit ein.

Was sollen Apotheker tun?

Wer ein solches Schreiben erhalten hat, sollte dieses auf keinen Fall unterschrieben zurücksenden. Denn dann erhält er in wenigen Tagen eine Zahlungsaufforderung.

Wer das Fax bereits ungelesen unterschrieben und zurückgeschickt hatte, sollte seine Erklärung umgehend widerrufen und hilfsweise wegen arglistiger Täuschung anfechten.

Rechnungen der Datenschutzauskunft-Zentrale sollten nicht bezahlt werden, sondern die Forderungen nach Widerruf und Anfechtung bestritten werden. Bereits geleistete Zahlungen sollten zurückgefordert werden.

Strafanzeige wegen des Verdachts des (versuchten) Betrugs ist parallel möglich.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ
jborsch@daz.online


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11 Kommentare

Fax an Verein

von I. Go. am 17.10.2018 um 14:06 Uhr

Danke für diese Kommentare unser Verein wurde ebenfalls angefaxt; an den Kassierer . Wir ignorieren dieses Fa x.
Adresse ist wohl ein Geschäftsblock siehe googlemap
MfG

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Danke!!!

von Simone am 02.10.2018 um 16:41 Uhr

Wir haben das Dings auch bekommen - ist ja frech. DANKE (!!!) für diesen Artikel dazu, den ich über Google gefunden habe. Ich dachte mir schon sowas, deswegen habe ich gegoogelt...

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Klarer Betrug

von JD am 02.10.2018 um 14:05 Uhr

Erst Druck aufbauen, indem man nur einen sehr kurzen Zeitraum einräumt und irgendwo im Kleingedruckten was schreiben von wegen "Übrigens kaufen Sie damit xyz zu einem Preis von 500€". Das hat vor keinem Gericht in Deutschland bestand, das ist kein gültiger Kaufvertrag. Also selbst WENN das jemand zurückschickt und nun 500€ blecht, einfach Geld zurückholen und jegliche weitere Drohung Seitens der "DAZ" ignorieren.

Wäre klasse, wenn mal jemand nachschauen könnte, was sich in der Lehnitzstraße 11 in Oranienburg eigentlich tatsächlich befindet.

Interessant ist auch, dass unter der angegebenen URL zwar tatsächlich ein PDF liegt, der Rest der Seite aber komplett leer ist.

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Datenschutzauskunft Zentrale Fax

von Rolf Vogel am 02.10.2018 um 11:38 Uhr

Habe das Fax vorhin erhalten, da ich so etwas schon sehr oft bekommen habe, gleich in die Tonne damit.
Ich bin kein Apotheker, beschäftige mich seit 20 Jahren mit industrieller Beschaffung.

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Ebenfalls Fax erhalten

von Private Arbeitsvermittlung SiBu am 02.10.2018 um 11:13 Uhr

Wir haben heute morgen ebenfalls dieses Fax erhalten. Der Satz "um Ihrer gesetzlichen Pflicht zur Umsetzung des Datenschutzes nachzukommen, ...bitten wir Sie, uns das beigefügte Formular auszufüllen..." stellt für mich einen ganz deutlichen Betrugsversuch dar, indem es deutlichen Druck ausübt.

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Datenschutzauskunft Zentrale

von Manuel D. am 02.10.2018 um 8:45 Uhr

Hallo, habe auch solch ein Schreiben bekommen und bin sofort stutzig geworden da der Betrag doch relativ hoch ist und ich mir schon dachte das es ein Betrugsversuch ist. Was ich jetzt tue weiß ich noch nicht. Auf jedem Fall nicht bezahlen!!!

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Rechtschreibfehler führte zum Kleingedruckten

von Felder am 01.10.2018 um 17:43 Uhr

Ja, klar ist man nervös, aber jedes Fax mit einer gewissen Aufmachung lese ich mir erstmal durch. Und schwupps der erste Rechtschreibfehler, jetzt muss man nurnoch die Summe suchen, die die Betrüger haben möchten und siehe da: keine Erfassung sondern eine Schutzleistung. Würde ich mal als höchst Kriminell einstufen. Ist gemeldet an die Bundesnetzagentur, kann ich jedem nur raten.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Achtung: Fake-Fax nicht nur an Apotheken !

von Arnold Joosten am 01.10.2018 um 16:04 Uhr

Hallo zusammen,
vorab einmal "Danke" an Julia bzw. die Online-Redaktion, dass man diese Info so schnell und gut hat finden können.
Zumal ich "nur" mal eben online recherchiert habe und wir ansonsten eher wenig bis keine gemeinsamen Berührungspunkte habe.
Mir kam das Fax auch gleich verdächtig vor !
Wir erhielten das Fax durch die Nummer: 00800 77000777.
Es wird von folgender Firma gesprochen:
DAZ Datenschutzauskuft-Zentrale
- Zentrale Postverteilstelle -
Lehnitzstrasse 11 in 16515 Oranienburg
angeblich EU-weite Zentrale (nee, ist klar)
Zur Information: Auch Firmen aus anderen Branchen werden offensichtlich angeschrieben.
Wir sind kleiner Dienstleister in Sachen Wasserschäden im Raum 48432 Rheine und erhielten heute das o.g. Fax.
Ebenfalls die Empfehlung unsererseits:
1. Nicht ausdruck,
2. nicht unterschrieben
3. nicht antworten oder zurückfaxen
Im besten Sinne.
Freundlicher Gruß
Arnold J.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Achtung: Fake-Fax nicht nur an Apotheken

von Hermann Sch. am 01.10.2018 um 18:29 Uhr

Den Empfehlungen von Arnold J. können wir uns nur anschließen. Vielen Dank!
Wir sind ein Handwerksunternehmen (Malerbetrieb) im Raum Koblenz und erhielten das Fax heute, um 17:41Uhr.

Mit besten Grüßen
Hermann Sch.

Spieß umdrehen

von Thomas Ba. am 01.10.2018 um 15:28 Uhr

Kann man eigentlich Datenschutzrechtlich dagegen vorgehen? Anscheinend ist da doch auch eine großangelegte Datenverarbeitung geschehen, wo keiner der angeschriebenen Apotheken und Betriebe irgendeine Einverständniserklärung abgegeben hat.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Spieß umdrehen

von M. Schneider am 02.10.2018 um 11:53 Uhr

Ich empfehle den freundlichen Folterfragebogen aus dem Heise-Verlag, welcher hier (https://www.heise.de/ct/ausgabe/2018-5-Die-DSGVO-bringt-den-Buergern-neue-Rechte-3965940.html#zsdb-article-links) geladen werden kann. Sollte keine Antwort erfolgen, so melde ich dieses Geschehen dem Landesbeauftragten für Datenschutz NRW (https://www.ldi.nrw.de/mainmenu_Ueberuns/submenu_Kontaktpersonen/index.php).
Um die Kommunikation trockenzulegen beschwere ich mich bei der Bundesnetzagentur: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/Verbraucher/UnerlaubteTelefonwerbung/Beschwerdeeinreichen/beschwerdeeinreichen-node.html
Auf diese Art ist der Kommunikationsabfall durch Erste-Hilfe-Material-, Gebraucht-KFZ- und sonstige Kartei-Angebote deutlich spürbar reduziert.

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