Untersuchung

Amazon-Mitarbeiter sollen sensible Daten verkauft haben

München - 18.09.2018, 13:45 Uhr

Amazon steht in der Kritik: Mitarbeiter sollen sensible Daten verkauft haben. (Foto: imago)

Amazon steht in der Kritik: Mitarbeiter sollen sensible Daten verkauft haben. (Foto: imago)


Der Internetkonzern Amazon ist möglicherweise in einen handfesten Datenskandal verwickelt. Nach einem Bericht der US-Zeitung The Wall Street Journal geht das Unternehmen Hinweisen nach, wonach Mitarbeiter sensible Informationen von Kunden an Onlinehändler verkauft und negative Bewertungen gelöscht haben sollen. Ein Signal auch in Richtung Gesundheitsbranche.

Es ist nicht das erste Mal, dass Amazon wegen seines Umgangs mit Kundendaten in der Kritik steht. Dieses Mal könnte es das mögliche Fehlverhalten der eigenen Mitarbeiter sein, das dem Internetkonzern Probleme bereitet. Wie die US-Zeitung Wall Street Journal am Sonntag (WSJ) berichtete, sollen Händler, die ihre Produkte auf dem Amazon Marketplace anbieten, Mitarbeiter des Onlinekonzerns bestochen haben. Auf diese Weise hätten sie sich Zugang zu sensiblen Kundendaten und E-Mails verschafft oder hätten negative Bewertungen über sich löschen lassen. So wollten sich die Händler einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern verschaffen. Amazon habe daraufhin eine Untersuchung der Vorgänge eingeleitet, heißt es.

Demnach nutzten die Händler Vermittler, die wiederum mithilfe von Social-Media-Seiten wie WeChat Amazon-Mitarbeiter ausfindig gemacht hätten. Diesen hätten sie Bargeld angeboten, um interne Informationen und Daten zu erhalten oder negative Bewertungen löschen zu lassen. Amazon-Mitarbeiter seien auch aufgefordert worden, E-Mail-Adressen von Kunden mitzuteilen, die negative Bewertungen über Händler erstellt hatten. Nach Angaben des WSJ sollen für die Dienste bis zu 300 Dollar bezahlt worden sein.

Laut WSJ soll die Praxis in China „besonders ausgeprägt“ sein, wenngleich sich die Untersuchung des Unternehmens auch auf US-Mitarbeiter erstrecke. Ein Amazon-Sprecher bestätigte demnach, dass die Anschuldigungen untersucht würden. Zudem habe Amazon „Systeme zur Einschränkung und Überprüfung der Zugriffsmöglichkeiten der Mitarbeiter“ eingeführt. „Wir erwarten von unseren Mitarbeitern hohe ethische Standards. Jeder, der gegen unseren Kodex verstößt, muss mit disziplinarischen Maßnahmen rechnen, einschließlich der Kündigung“, sagte eine Sprecherin. Gleiches gelte für die Anbieter. „Wir haben keine Toleranz für den Missbrauch unseres Systems. Wenn wir schlechte Anbieter finden, die sich so verhalten haben, werden wir schnell gegen sie vorgehen.“

Der Vorfall könnte Kritikern der ebenfalls zunehmend digitalisierten Gesundheitsbranche im Allgemeinen und einem diesbezüglichen Engagement von Amazon im Besonderen neue Argumente liefern. Amazon versucht seit einiger Zeit, im Gesundheitswesen Fuß zu fassen, und steht laut einer aktuellen Untersuchung vor großen und entscheidenden Schritten. Mit ein Grund, warum das von vielen kritisch gesehen wird, ist das Thema Daten bzw. deren Sicherheit. Insbesondere seit Inkrafttreten des deutschen E-Health-Gesetzes Anfang 2016 wird der digitale Datenaustausch zwischen Leistungserbringern im Gesundheitswesen wie Ärzten, Apothekern und Krankenkassen sowie Patienten zunehmend intensiviert. Eine Datenpanne mit hoch sensiblen Patienteninformationen würde das Vertrauen in die digitale Kommunikation möglicherweise schwer erschüttern.


Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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