Tag der Patientensicherheit

DAV und Ärzteverein: Globuli gehören in die Apotheke

Berlin - 17.09.2018, 17:40 Uhr

Was hat die Apothekenpflicht für Globuli mit Patientensicherheit zu tun? (s / Foto: Imago)

Was hat die Apothekenpflicht für Globuli mit Patientensicherheit zu tun? (s / Foto: Imago)


Die Apothekenpflicht für homöopathische Arzneimittel muss bleiben, fordert der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte zum heutigen Tag der Patientensicherheit. Denn nur in der Apotheke sei eine qualifizierte Beratung sichergestellt. Diese Ansicht vertritt auch DAV-Chef Fritz Becker. Beim strittigen Thema Evidenz bringen der Apotheker und die Naturheilkunde-Ärzte die Bedeutung der Patienten- und Arztperspektive ins Spiel.

Am heutigen Montag ist Tag der Patientensicherheit. Ein willkommener Anlass für verschiedene Organisationen im Gesundheitsbereich, auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. So erklärt etwa der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) in einer Pressemitteilung, dass nur mit der qualifizierten Apothekenberatung die Patientensicherheit in der Homöopathie gewährleistet sei. „Die geforderte Abschaffung der Apothekenpflicht für homöopathische Arzneimittel wäre ein deutlicher Rückschritt“, sagt Cornelia Bajic, erste Vorsitzende des DZVhÄ.

Becker verteidigt Apothekenpflicht

Die Apothekenpflicht für Homöopathika wird kontrovers diskutiert. So erklärten in der vergangenen Woche Josef Hecken, Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, und SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach gegenüber der Stuttgarter Zeitung, dass es keinen Grund für die Apothekenpflicht oder Erstattungsfähigkeit von Homöopathie gebe. Auch bei den Pharmazeuten gibt es klare Homöopathie-Gegner. Im vergangenen Monat entfernte Apothekerin Iris Hundertmark sämtliche Homöopathie-Arzneimittel aus der Sichtwahl.

Fritz Becker, Vorsitzender der Deutschen Apothekerverbandes (DAV), ist dagegen anderer Meinung und erklärte vor wenigen Tagen, ebenfalls gegenüber der Stuttgarter Zeitung, dass die Beratung über homöopathische Produkte notwendig sei, um auch über die Nebenwirkungen oder Grenzen aufzuklären. „Wir müssen die Kunden darauf hinweisen, dass es zum Beispiel nicht ratsam ist, hohes Fieber ausschließlich mit Kamille zu behandeln. Wenn es den freien Zugriff im Drogerie-Regal gibt, dann kann durchaus etwas schiefgehen“, so der Apotheker weiter. 

Auch der Augsburger Mediziner Dr. Jörg Haberstock, plädiert dafür, dass Globuli in der Apotheke bleiben. „Das ist für die Anwendungssicherheit erfahrungsgemäß gut, wenn da eine beratende Instanz zwischengeschaltet ist. Zudem sehe ich noch eine weitere Gefahr, wenn sich der Markt für Globuli Richtung Drogerie und Supermarkt öffnet. Denn das kurbelt die Massenproduktion und damit den Preiskampf an. Und den werden nicht diejenigen Firmen gewinnen, die derzeit Homöopathika in hoher Qualität und nahe am Therapieprinzip herstellen“, erklärt der Spezialist für klassische Homöopathie gegenüber DAZ.online. Auch sollten Homöopathika seiner Meinung nach unbedingt den Arzneimittelstatus behalten. Denn die hohen Qualitätsanforderungen, die an die Arzneimittelherstellung gestellt werden, trügen zur Patientensicherheit bei.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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