Legalisierung

SPD: Neue Ära im Umgang mit Cannabis

Berlin - 14.09.2018, 16:35 Uhr

Die SPD-Bundestagsfraktion will mit der Union über eine Cannabis-Legalisierung reden. (Foto: Imago)

Die SPD-Bundestagsfraktion will mit der Union über eine Cannabis-Legalisierung reden. (Foto: Imago)


Kommt da etwa Bewegung in die Cannabis-Legalisierungsdebatte? Der CDU-Politiker Erwin Rüddel hatte gegenüber DAZ.online erklärt, dass er sich gegenüber Modellprojekten, in denen eine Legalisierung getestet wird, offen zeige. Die SPD, die bislang auch nicht federführend war in dieser Debatte, freut sich und will nun eine „neue Ära im Umgang mit dem Cannabiskonsum“ einläuten. Prompten Gegenwind gibt es allerdings erneut aus der Unionsfraktion.

Dass Grüne und FDP die Legalisierung von Cannabis seit längerer Zeit vehement fordern, ist bekannt. Insbesondere die FDP hatte im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 dafür geworben. Die stellvertretende FDP-Parteivorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann hatte dabei auch darauf hingewiesen, dass Apotheker eine wichtige Rolle übernehmen könnten. Die FDP-Bundestagsfraktion hatte Anfang des Jahres dann auch in einem Gesetzesantrag konkret vorgeschlagen, dass es zwar keine grundsätzliche Marihuana-Legalisierung geben soll, aber eine regional begrenzte, kontrollierte Abgabe beispielsweise über Apotheken.

Völlig überraschend äußerte sich dann der CDU-Gesundheitsexperte Erwin Rüddel offen zu diesem Vorstoß der FDP. Gegenüber DAZ.online erklärte er am vergangenen Mittwoch, dass sich die Legalisierungsdebatte derzeit ohne Ergebnis im Kreis drehe. So befürchteten die Liberalisierungsgegner, dass die Zahl der Konsumenten und damit der Abhängigen durch eine Lockerung der Drogenpolitik steige.

Die Befürworter dagegen führten ins Feld, dass manche Drogenkarrieren erst aufgrund der Kriminalisierung von Cannabis entstünden. „Ich hätte gerne mit Hilfe eines Modellversuches Klarheit darüber, welche Auswirkungen eine veränderte Drogenpolitik haben könnte, um dadurch auch die Diskussion zu versachlichen“, begründete Rüddel.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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4 Kommentare

Auch die hier genannten Halbwahrheiten eines Herrn Krauß(CDU)...

von Ralf Med am 15.09.2018 um 15:14 Uhr

...sind jetzt schon z.T. in der Öffentlichkeit zur Lächerlichkeit geworden !!!

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Unwahrheiten...

von Ralf Med am 15.09.2018 um 14:55 Uhr

...selbst wenn sie seit Jahrzehnten nur von Ohr zu Ohr, und sogar nur geflüstert werden, kommt eines Tages die Wahrheit ans Licht und wird von allen Dächern der Welt geschriehen !!!

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Offener Rassismus

von holla am 15.09.2018 um 8:19 Uhr

Herr Krauß vertraut lieber alternativen Fakten wie den offiziellen Zahlen des US Gesundheitsministeriums welches ein komplett anderes Bild abzeichnet. Zum Glück wird der rechte Rand CDU/CSU und AfD keine Mehrheit besitzen wenn die SPD sich zur Vernunft bekennt und für die kontrollierte Freigabe des Hanfs eintritt. Herr Krauß vertritt heute noch die Meinung des Rassisten Harry J. Anslinger wie etwa diese "Es gibt insgesamt 100.000 Marihuana-Raucher in den USA und die meisten
davon sind Neger, Hispanos, Filipinos und Unterhaltungskünstler. Ihre
satanische Musik, Jazz und Swing, sind eine direkte Folge des
Marihuana-Konsums. Dieses Marihuana lässt weiße Frauen sexuelle
Beziehungen mit Negern, Unterhaltungskünstlern und Anderen eingehen." Solch braunes Gesindel braucht in Deutschland niemand mehr nach '45!

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Alex fürchtet Frisco

von Nudysip am 15.09.2018 um 3:58 Uhr

CDUler Alexander Krauß hat sich bereits im Februar im Bundestag negativ zu den vorliegenden Anträgen geäußert. Er verwies darauf dass er vor Kurzem selbst nach San Francisco gereist sei und geschockt von den dortigen Zuständen war. Mit erregter Stimme berichtete er, dass es überall in der Stadt nach Marihuana und Urin roch und die Straßen von Obdachlosen gesäumt seien. Er schilderte ein alptraumhaftes Szenario, in dem Drogen (impliziert legales Cannabis) eine einst wunderschöne Stadt in einen schmutzigen Sündenpfuhl sozialer Verelendung verwandelt haben.
Ich war im März diesen Jahres selbst in San Francisco und möchte Folgendes ergänzen:
Ja, die Straßen sind teilweise gesäumt mit Obdachlosen und man hat dadurch eine hohe Chance gelegentlich Urin-Geruch wahrzunehmen.
Cannabis ist seit Anfang des Jahres in Kalifornien für Jedermann legal erhältlich und somit riecht man auch Dieses bisweilen in der Öffentlichkeit.
(Öffentl. Konsum stellt zwar eine Ordnungswidrigkeit dar, aber Obdachlose haben meist keine eigenen vier Wände wo sie legal konsumieren könnten.)
Was Alexander Krauß gesehen/gerochen hat war absolut real. Die Zustände dort haben das Potenzial den Normalo-Mitteleuropäer zu schockieren.
Es wirkt jedoch äußerst arrogant und uninformiert auf mich, wenn Krauß indirekt behauptet, legales Cannabis wäre für die Verelendung San Franciscos verantwortlich.
Für die vergleichsweise elenden Zustände in vielen Teilen Amerikas gibt es vielfältige, komplexe Gründe: Finanzkrise 2008, Opioid-Krise, schlechtes soziales Auffangnetz usw.
Diese Probleme führen in den USA (insbesondere in den großen Städten) zu gewaltigen Mengen an Obdachlosen. Die meisten davon leben jedoch in Stadtvierteln, in die sich Touristen eher nicht verirren (z.B. Skid Row in Los Angeles).
San Francisco ist aufgrund seiner Lage auf einer Halbinsel eine räumlich eher begrenzte, "dicht gedrängte" amerikanische Großstadt ohne weitere räumliche Expansionsmöglichkeiten. Daher sind viele der großen Probleme Amerikas in San Francisco auch für Touristen deutlicher sichtbar als in anderen amerikanischen Großstädten.
Krauß vermischt Themen die nichts miteinander zu tun haben und beleidigt bei der Gelegenheit nicht nur legale Cannabis Konsumenten sondern vor allem Hunderttausende Amerikaner die durch o.g. Krisen alles verloren haben.
Krauß hat in San Francisco gesehen, was er sehen wollte. Von der dortigen Cannabis-Kultur hat er rein Garnichts mitbekommen, da Diese außerhalb seines Sichtradius hinter verschlossenen Türen stattfand.
Alexander Krauß' Aussagen zum Thema sind m.m.n. entweder als ideologisch motivierte Panikmache einzuordnen oder zeugen zumindest von einer sehr vereinfachten Wahrnehmung und Ignoranz gegenüber sozialen Problematiken/Themenkomplexen. Beides passt mehrheitlich immer noch bestens zur Agenda und dem Weltbild der CDU. Die SPD dagegen hat ebenfalls lange zum Thema geschwiegen und es gemieden.


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