Arzneimittelvorräte und Co.

Brexit: Hersteller sollen hamstern, Apotheken nicht

Karlsruhe - 30.08.2018, 12:45 Uhr

Harter Brexit: Apotheken in Großbritannien sollen keine Extravorräte anlegen. (s / Foto: imago)

Harter Brexit: Apotheken in Großbritannien sollen keine Extravorräte anlegen. (s / Foto: imago)


Was soll passieren, wenn in einem guten halben Jahr Großbritannien ohne neue Abkommen mit der EU den Staatenverbund verlässt? Die britische Regierung fordert Arzneimittelhersteller auf, sechswöchige Vorräte im Land anzulegen – während Apotheken, Kliniken und Patienten nur normale Vorräte vorhalten sollen. Der Gesundheitsminister droht ihnen bei Hamsterkäufen sogar mit Konsequenzen.

Es ist ein Szenario, das die Erste Ministerin Schottlands, Nicola Sturgeon, als „vollkommenes Desaster“ bezeichnete: Wenn die EU sich in den letzten sieben Monaten bis zum planmäßigen Brexit am 29. März 2019 nicht noch auf ein Abkommen einigt, das die schlimmsten Folgen etwa per Übergangsregelungen abfedert, kommt es zum „harten Brexit“. „Die Minister bemühen sich zwar nach Kräften darum, dass der Worst Case nicht eintritt, tun aber gut daran, sich trotzdem darauf vorzubereiten“, erklärte Niall Dickson – er ist Vizechef der Brexit Health Alliance, in der sich der staatliche Gesundheitsdienst NHS, die medizinische Forschung, die Pharmaindustrie sowie Organisationen für die öffentliche Gesundheit und von Patienten zusammengeschlossen haben. Denn ansonsten drohen durch fehlende Regelungen Arzneimittelengpässe.

Die öffentliche Gesundheit und die Koordinierung der Seuchenbekämpfung könnten leiden, Krankenhäuser könnten ohne Arzneimittel dastehen, erklärten NHS-Unterorganisationen in einem internen Brief, der von britischen Medien zitiert wurde. Sie sehen die komplette Lieferkette von Arzneimitteln in Gefahr. Die „Britisch Medical Association“ hatte gewarnt, dass ein harter Brexit das Land anfälliger für Ausbrüche gefährlicher Infektionskrankheiten mache und das Risiko für europaweite Pandemien erhöhe. 

Nachdem Gesundheitsminister Matt Hancock zuvor bereits öffentlich darüber nachgedacht hat, Arzneimittel mit kurzer Haltbarkeit beim Kollaps der Häfen notfalls einzufliegen, hat er sich vergangene Woche mit detaillierteren Plänen an Apotheken, Ärzte und Patienten gewandt. Patienten, Apotheken und Mediziner sollten Arzneimittel nicht horten, betonte Hancock – offenbar damit nicht zusätzliche Engpässe auftreten. „Mediziner sollten Patienten erklären, dass die Regierung Pläne entwickelt hat, die ab dem Moment des Verlassens der EU eine kontinuierliche Versorgung der Patienten sicherstellt“, erklärt der Minister. „Patienten müssen nicht versuchen, zusätzliche Arzneimittel zuhause zu lagern – und sie sollten es nicht.“



Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
hfeldwisch@daz.online


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