Umstellungen im Direktgeschäft

Sanofi und Zentiva trennen sich – was bedeutet das für die Apotheke?

Stuttgart - 27.08.2018, 16:40 Uhr

Zentiva wird aus der Berliner Niederlassung von Sanofi ausziehen. (s / Foto: imago)

Zentiva wird aus der Berliner Niederlassung von Sanofi ausziehen. (s / Foto: imago)


Wie bereits seit einiger Zeit bekannt ist, werden Sanofi und der Generikahersteller Zentiva demnächst getrennte Wege gehen. Voraussichtlich soll die Transaktion im vierten Quartal 2018 über die Bühne gehen, erklärt Zentiva in einem Schreiben an die Kunden. Auf das Direktgeschäft der Apotheken wirkt sich die Trennung jetzt schon aus. 

Wenn die Kartellbehörden zustimmen, wird die Abspaltung der Generikasparte Zentiva vom Mutterkonzern Sanofi noch in diesem Jahr vollständig über die Bühne gehen. Dann wird die Advent international, eine Kapitalbeteiligungsgesellschaft, Zentiva übernehmen. Für die Apotheker macht sich dies hauptsächlich im Direktgeschäft bemerkbar. Im Bestellsystem sind Umstellungen erforderlich, die bereits jetzt zum Tragen kommen. Wie Sanofi mitteilt, kann seit dem 24. August 2018 in der Apotheke keine Ware von Sanofi mehr über das Bestellsystem Windirekt bezogen werden. Ab dem heutigen Montag könnten Apotheken dann ausgewählte Sanofi-Arzneimittel jederzeit direkt aus Ihrem Apothekensystem bestellen. Die Direktbestellung könne über MSV3, E-Mail oder Fax erfolgen. Eine Direktbestellmöglichkeit für die Selbstmedikationsprodukte von Sanofi sei auch künftig nicht vorgesehen.

Zentiva weiterhin über Windirekt

Präparate von Zentiva hingegen können weiterhin über Windirekt bezogen werden. Allerdings werden aufgrund einer Systemumstellung derzeit keine Aufträge versendet – und zwar noch bis einschließlich 31. August. Dies betrifft unter anderem Ibuflam-Produkte in verschiedenen Stärken, die in den vergangenen Wochen wegen Rohstoffknappheit ohnehin immer wieder defekt waren. Die Aufträge gingen aber nicht verloren, informiert Zentiva, sondern würden ab dem 3. September verschickt. Bis auf wenige Ausnahmen soll auch das Produktportfolio bestehen bleiben und die Rabattverträge behalten ihre Gültigkeit.

Änderungen gibt es hingegen beim Außendienst. Der bisherige Sanofi-Aventis-Außendienst der Linie „Magen-Darm, Venen, generisches OTC-Portfolio, Zentiva“ ist ab dem 1.September nicht mehr für das Zentiva-Portfolio verantwortlich. Daher kann er für dieses auch keine Bestellungen mehr aufnehmen. Stattdessen geht Zentiva mit einem eigenen Außendienst-Team an den Start – gemeinsam mit dem Service-Partner Zentiva-Apotheken-Direkt-Service. Auch die Kontonummer und die Kontaktdaten ändern sich für Zentiva-Kunden

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Seit 2009 Teil von Sanofi

Zentiva war seit 2009 ein Teil der französisch-deutschen Firmengruppe Sanofi-Aventis. 2014 bündelte der Pharmahersteller seine gesamten Generika- und OTC-Aktivitäten unter der Marke Zentiva, unter der historisch bedingt auch Präparate der Labels Lichtenstein und Winthrop vertrieben werden. Vor einigen Monaten wurde bekannt, dass Sanofi sich von Zentiva trennen möchte. Ende Juni hatte man sich dann mit Advent geeinigt.

Die Kapitalbeteiligungsgesellschaft war im vergangenen Jahr bereits an Generikaunternehmen interessiert. Gemeinsam mit einem weiteren Private-Equity-Investor, Permira, hatte Advent 2017 auf den deutschen Generikahersteller Stada geboten. Allerdings schlossen diesen Deal letzlich die Wettberwerber Bain und Cinven ab. Sanofi hingegen möchte künftig vor allem in Bereiche investieren, die der Pharmahersteller als forschendes Unternehmen als zukunftsträchig erachtet. So kündigte Sanofi erst im Januar an, ein auf seltene Blutkrankheiten spezialisiertes US-amerikanisches Biotechunternehmen – Bioverativ – für 11,6 Milliarden US-Dollar zu kaufen


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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