Brexit-Folgen

Britische Klinikkonzerne warnen vor Arzneimittel-Lieferengpässen

Berlin - 21.08.2018, 13:55 Uhr

Britischen Apotheken drohen durch den Brexit Lieferengpässe. Davor warnen sowohl die EMA als auch die Klinikkonzerne. ( r /Foto: Imago)

Britischen Apotheken drohen durch den Brexit Lieferengpässe. Davor warnen sowohl die EMA als auch die Klinikkonzerne. ( r /Foto: Imago)


Ein Brexit ohne Abkommen könnte nach Ansicht der Trägergesellschaften britischer Krankenhäuser und Rettungsdienste zu Medikamentenengpässen führen. Das geht aus einem Brief des Verbands der Träger an die Verantwortlichen des nationalen Gesundheitsdiensts NHS in England hervor, wie britische Medien am Dienstag berichteten. Auch die EMA hatte zuletzt vor erheblichen Engpässen gewarnt.

Die „gesamte Lieferkette von Pharmazeutika“ könne betroffen sein, warnte Verbandsgeschäftsführer Chris Hopson in dem Schreiben, sollten die Gespräche über den EU-Austritt Großbritanniens scheitern. Negative Folgen seien auch für die Koordination in Bereichen wie der Seuchenkontrolle und der öffentlichen Gesundheit möglich.

Darüber hinaus klagte der Verbandschef auch über mangelnde Koordination auf nationaler Ebene. Die Trägergesellschaften würden bislang mit ihren Planungen für einen Brexit ohne Abkommen alleine gelassen. Das könne dazu führen, dass es im Fall eines No-Deal-Brexits sowohl zu Überschüssen, als auch zu einer Knappheit an Medikamenten und medizinischen Geräten komme.

Zuletzt hatte auch die EMA vor Brexit-bedingten Lieferengpässen gewarnt. Im Januar 2018 hatte die EMA eine Umfrage unter Pharmaunternehmen gestartet. Ihr Ziel war es, CAPs (centrally authorised products, also zentral zugelassene Präparate) zu identifizieren, die durch den Brexit potenziell von einem Lieferengpass betroffen sein könnten. Dazu befragte die EMA 180 Markzulassungsinhaber von 694 CAPs (661 Human- und 33 Veterinär-Arzneimittel). Mit Hilfe der Umfrage möchte die EMA abschätzen können, ob die vom Brexit betroffenen Pharmaunternehmen fristgerecht die erforderlichen regulatorischen Änderungen umsetzen werden.

Die Ergebnisse geben der EMA zu denken. Die Behörde teilte in einer Pressemitteilung mit, dass ihr Gutachten Lücken offenbart hat, was die Vorbereitung der Pharmaindustrie auf den Brexit angeht. Bei 16 Prozent der CAPs, also 108 Arzneimitteln – 88 davon für Menschen und 20 Veterinärpräparate – hat die EMA ernsthafte Bedenken, dass deren Zulassungsinhaber die notwendigen Maßnahmen im Rahmen des Brexits nicht rechtzeitig ergreifen werden. Bei 10 Prozent der CAPs, die in die Untersuchung eingeschlossen wurden, erhielt die EMA gar keine Antwort der Firmen.

Großbritannien wird die EU am 29. März verlassen. Die Verhandlungen über ein Austrittsabkommen gerieten zuletzt heftig ins Stocken. Am Donnerstag will der neue Brexit-Minister Dominic Raab erste Pläne der Regierung für den Fall eines Scheiterns der Gespräche vorlegen.


bro / dpa
brohrer@daz.online


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