Beratungsquickie Schnupfen und Sinusitis

Für wen sind Erkältungskombis tabu und welche Alternativen gibt es?

Stuttgart - 16.08.2018, 07:00 Uhr

Für wen eignen sich fixe Erkältungspräparate, wer sollte lieber mit einzelnen Arzneimitteln therapieren? (s / Foto: detailblick-foto / stock.adobe.com)

Für wen eignen sich fixe Erkältungspräparate, wer sollte lieber mit einzelnen Arzneimitteln therapieren? (s / Foto: detailblick-foto / stock.adobe.com)


„Einmal Aspirin® Complex, die große Packung“ – ein vertrautes Szenario für Apotheker zur Erkältungszeit. Doch: Welcher Erkältungspatient darf Erkältungskombis aus ASS oder Ibuprofen und Pseudoephedrin wie Aspirin® Complex oder BoxaGrippal® nehmen, wann sollten Apotheker ihren Sinusitis-Patienten jedoch eher Nasenspray, Sinupret®, Ibuprofen und eine Nasendusche empfehlen? Und was sollte die erste Frage des Apothekers sein?

Erkältungskombis wie Aspirin® Complex oder BoxaGrippal® erfreuen sich in der Bevölkerung einer ungemeinen Beliebtheit. Das mag hauptsächlich zwei Gründe haben: Enthalten die Arzneimittel Stimulanzien wie Pseudoephedrin, fühlen sich die Patienten ruckzuck fitter, weniger elend und leiden nicht so unter der Erkältung und der dadurch bedingten Abgeschlagenheit. Der zweite Grund: Es ist schlichtweg bequem einfach nur eine Tablette „gegen alles“ zu schlucken oder ein Beutelchen aufzulösen.

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Fachkreise wie Apotheker und Ärzte beäugen dieses „Erkältungskombi-Rundum-Sorglos-Paket“ meist kritischer. Nicht selten nehmen Patienten – völlig gleichgültig, welche Beschwerden vorliegen – das gleiche Kombi-Präparat. Weil es letztes Mal so gut geholfen hat – vielleicht oder zumindest dem Nachbarn. Fixe Erkältungskombinationen sind nicht per se zu verteufeln, bestehen keine Kontraindikationen können Patienten ihre Erkältungsbeschwerden damit kurzzeitig lindern. Nur: Wie würde es zielgerichteter gehen?

Welche Beschwerden hat der Patient?

Hierin liegt wohl auch die erste Aufgabe des Apothekers: Beim fordernden Kundenwunsch nach BoxaGrippal® oder vergleichbaren Präparaten herauszufinden, welche Beschwerden der Patient eigentlich hat. Nur Halsschmerzen oder einen Schnupfen, mit oder ohne Pochen in den Nebenhöhlen? Liegt ein Husten vor? Fieber? Bejaht der Patient Letzteres, gehört er ins Bett.

Halsschmerzen, Schnupfen und Sinusitis ohne fixe Erkältungskombi

Fragt man einen Pharmakologen, würde dieser wohl prinzipiell eine rein symptomorientierte Behandlung bevorzugen. Leidet der Patient an Halsschmerzen, sind nach Ansicht von Experten der Leitlinie systemische Analgetika und NSAR das Mittel der Wahl. Ibuprofen und Paracetamol seien vergleichbar verträglich, wobei Ibuprofen eine stärkere schmerzhemmende Wirkung zeige als Paracetamol. Die entzündungshemmende Komponente von Ibuprofen unterstützt sicherlich den überlegenen Effekt des Ibuprofens bei Pharyngitis.

Bei Schnupfen vergesellschaftet mit Sinusitis steht der kurzfristigen Anwendung von abschwellenden Nasentropfen oder -sprays zur Atmungserleichterung und bei Schmerzen zusätzlich ASS und Ibuprofen vor Paracetamol, aufgrund ihrer entzündungshemmenden Komponenten, nichts entgegen. Bei Sinusitis gibt es auch gute Daten zu pflanzlichen Arzneimitteln wie einem Extrakt aus Ampfer, gelbem Enzian, Holunder, Eisenkraut und Schlüsselblume (Sinupret®) oder Myrtol- (Gelomyrtol®) und Cineol-haltigen (Soledum®) Präparaten. Alle verkürzen das Krankheitsgeschehen. Auch ein Pelargonium-Extrakt, wie beispielsweise in Umckaloabo®, wirkt, ebenso zeigt das Enzym aus der Ananas, Bromelain, gute Effekte bei Sinusitis und ist eine Empfehlung wert.

Nasenduschen helfen

Nasenspülungen sind zwar nicht jedes Patienten Sache, aber sie helfen; eine „deutliche Empfehlung für Nasenspülungen“ sprechen auch die Experten der aktuellen Sinusitis-Leitlinie aus. Einziger Nachteil: Salzlösungen können – insbesondere, wenn sie hyperton sind – die Nasenschleimhaut reizen. Ansonsten wirken sie bei akuten Infekten und gleichermaßen zur Vorbeugung. Auch als unterstützende Nasensprays oder Nasentropfen sind Salzlösungen sinnvoll: Salinische Nasentropfen helfen, den Gebrauch abschwellender Nasensprays mit Xylometazolin (Olynth®, Otriven® und Generika) oder Oxymetazolin (Nasisvin®) zu reduzieren und befeuchten zudem die Schleimhäute.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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