Neue Zeckenart

Was Apotheker über die Hyalomma-Zecke wissen müssen

Stuttgart - 15.08.2018, 11:15 Uhr

Hyalomma-Zecken nutzen auch den Menschen als Wirt und können schwere Infektionen übertragen. (Foto: Armin Weigel / picture alliance)

Hyalomma-Zecken nutzen auch den Menschen als Wirt und können schwere Infektionen übertragen. (Foto: Armin Weigel / picture alliance)


Den Gemeinen Holzbock kennt man als Zecke in Deutschland und lästigen Überträger von Borreliose und FSME. Auch die Auwaldzecke hat man seit 2017 als FSME-Überträger verinnerlicht. Nun bereichert noch die tropische Hyalomma-Zecke die Blutsaugerwelt in Deutschland – und überträgt wieder neue Krankheiten: Krim-Kongo-Fieber und Zecken-Fleckfieber.

Normalerweise wohnen Hyalomma-Zecken nicht in Mittel-und Nordeuropa, sie sind in Afrika zuhause oder Asien oder Südeuropa. Sie schätzen warme oder tropische Bedingungen. Allerdings wurden nun Hyalomma-Zecken auch in Deutschland gefunden – insgesamt sieben Stück, und zwar bei Pferden und bei einer Ziege. Sie zählen innherhalb der Gattung Hyalomma zu den Arten Hyalomma marginatum und Hyalomma rufipes. Der Fund ist jedoch nicht der allererste: Bereits 2015 und 2017 konnten Vertreter der Hyalomma-Zecken in Deutschland entdeckt werden. Die Frage ist: Werden die tropischen Zecken-Funde häufiger?

Das derzeit heiße Wetter hierzulande spielt den tropischen Zecken wohl gut mit. Zu dieser Einschätzung kommt auch Ute Mackenstedt. Sie ist Parasitologin an der Universität Hohenheim in Stuttgart. „Wir gehen davon aus, dass wir mit immer mehr tropischen Zeckenarten in Deutschland rechnen müssen, die sich durch gute Wetterbedingungen hier ansiedeln können", erklärt Mackenstedt gegenüber der Deutschen Presseagentur.

Hyalomma-Zecken übertragen Zeckenfleck- und Krim-Kongo-Fieber

Wie auch die heimische Zecke und der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) können auch Hyalomma-Zecken Infektionen übertragen. Allerdings keine Borrelien oder Flaviviren als Auslöser von Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Hyalomma-Zecken gelten als Überträger von Rickettsien, die für Zecken-Fleckfieber verantwortlich zeichnen, und Arboviren die die hämorrhagische Erkrankung Krim-Kongo-Fieber verursachen. Auffallend bei Hyalomma-Zecken sind ihre gestreiften Beine. 

Als Wirt dienen erwachsenen Hyalomma-Zecken große Säugetiere, hierzu zählt auch der Mensch, wobei dieser nicht der bevorzugte Wirtsorganismus zu sein scheint. Larven und Nymphen hingegen gehen eher an kleinere Säugetiere oder befallen Vögel. Auch die Parasitologin vermutet Vögel als jetzigen Verbringer der Hyalomma-Zecken nach Deutschland. Dass man die Zecken vorwiegend bei Pferden gefunden hat, lässt sich durch den engen Kontakt der Pferdebesitzer mit ihrem Tier erklären - wenn diese beispielsweise gestriegelt werden.

2017: Uni Hohenheim fand neue Übertragungswege für FSME

Erst im vergangenen Jahr hatten Forscher der Universität Hohenheim, unter ihnen auch die Parasitologin Mackenstedt, zwei neue Übertragungswege für FSME-Viren ausgemacht, die Auwaldzecke und Rohmilchprodukte


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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