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Wegen Tyndall-Effekt: Dronabinol-Wirkstoffset zurückgerufen

Stuttgart - 14.08.2018, 16:30 Uhr

Eine Apotheke stelle bei einer Charge Dronabinol einen schwachen Tyndall-Effekt fest. (Foto: DAV)

Eine Apotheke stelle bei einer Charge Dronabinol einen schwachen Tyndall-Effekt fest. (Foto: DAV)


Die Firma Bionorica ethics ruft vorsorglich eine Charge des Dronabinol-Wirkstoffsets zurück. Das teilt die Arzneimittelkommission der Apotheker mit: Hintergrund ist, dass in einer Apotheke bei der Verarbeitung in schwacher Tyndall-Effekt beobachtet wurde. Nach aktuellem Kenntnisstand geht man nicht von einem Patientenrisiko aus.

Den Tyndall-Effekt zeigen kolloidale Systeme, deren Teilchengröße kleiner als die Wellenlänge des Lichts ist. Fällt von der Seite Licht auf die Probe, sieht man ein bläuliches Streulicht, das gleichmäßig in alle Richtungen abgestrahlt wird. Bei der Kontrolle von Lösungen gibt der Tyndall-Effekt einen Hinweis darauf, dass ein Stoff nicht vollständig gelöst ist.

Und genau dies, ein schwacher Tyndall-Effekt, ist einer Apotheke bei der Verarbeitung eines Dronabinol-Wirkstoffsets aufgefallen. Daher ruft die Firma Bionorica ethics GmbH vorsorglich das Dronabinol 1 g Wirkstoffset inklusive Schnelltest zur Identitätsprüfung mit der Chargenbezeichnung 0000125725 zurück. Nach aktuellem Kenntnisstand gehe man nicht von einem Patientenrisiko aus. Andere Chargen seien nicht betroffen, heißt es. 

Die Charge des Wirkstoffsets ist auf dem Umkarton aufgedruckt. Bionorica ethics bittet um Überprüfung der Warenbestände und Vernichtung noch vorhandener Packungen sowie Zusendung von Kopien des Lieferscheins und des Vernichtungsbelegs zur Gutschrift an: Bionorica ethics GmbH, Kundenservice / Auftragsbearbeitung, Kerschensteinerstraße 11-15, 92318 Neumarkt. Mehr Infos finden Sie hier. 

John Tyndall

Benannt ist der Effekt nach seinem Entdecker John Tyndall. Der 1820 geborene Ire war ein Vermesser und Naturwissenschaftler, der unter anderem die Streuung von Licht in kolloiden Lösungen untersucht hat. Wobei er besagten Effekt entdeckte. Zudem entwickelte er ein Verfahren zur Keimreduktion in hitzeempfindlichen Lebensmitteln. Es beruht auf einer das auf einer fraktionierten, diskontinuierlichen Sterilisation. Das heißt die Substanz wird mehrfach hintereinander auf 100 °C erhitzt und wieder auf 30 °C abgekühlt, im Gegensatz zur Sterilisation, bei der für 20 Minuten auf 121° C erhitzt wird. Es ist heute als Tyndallisation bekannt

Tyndall zeigte außerdem, dass Ozon ein Zusammenschluss mehrerer Sauerstoffatome ist. Er verbesserte das Nebelhorn und erfand das Atemschutzgerät für Feuerwehren. Seine bedeutsamste Erfindung war der Hohllichtleiter, der zur Entwicklung der Faseroptik führte.Das Gastroskop, das bei Magenspiegelungen verwendet wird, ist eine moderne Variante von Tyndalls


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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