Brexit-bedingter Umzug

EMA: Große Mitarbeiter-Verluste befürchtet

Remagen - 07.08.2018, 17:00 Uhr

Beim Umzug der EMA von London nach Amsterdam könnten der Agentur eigenen Schätzungen zufolge 30 Prozent der Mitarbeiter verloren gehen. ( r / Foto: Imago)

Beim Umzug der EMA von London nach Amsterdam könnten der Agentur eigenen Schätzungen zufolge 30 Prozent der Mitarbeiter verloren gehen. ( r / Foto: Imago)


Für die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) rückt die kritische Phase der Verlegung nach Amsterdam immer näher. Damit die Kernaktivitäten der Agentur trotzdem reibungslos weiterlaufen, hat die EMA einen sogenannten Business-Continuity-Plan aufgestellt. Dieser geht nun in die nächste Phase, in der die konkreten Umzugsvorbereitungen im Vordergrund stehen, bei schwindendem Personalbestand.  

Die anstehende Verlegung der EMA von London nach Amsterdam ist für die oberste Arzneimittelbehörde in der Europäischen Union ein großer Einschnitt. Es wäre nicht auszudenken, welche Folgen es haben könnte, wenn es dadurch zu einem Vakuum hinsichtlich der Arzneimittelsicherheit in der EU käme. Deshalb dürfen vor allem die Kernaufgaben der Agentur nicht beeinträchtigt werden. Schon vor einigen Monaten hat die EMA ihre Aktivitäten in einem Business-Continuity-Plan priorisiert. Hiernach werden die Aktivitäten der Behörde entsprechend drei Prioritätskategorien teilweise zurückgefahren oder vorübergehend ausgesetzt, bis die volle Funktionsfähigkeit der Agentur wiederhergestellt ist. „Business as usual“ wird es im Übergang also gezwungenermaßen nicht geben.

Mit welchen Einschränkungen ist zu rechnen?

Wie die EMA mitteilt, soll die Phase 3 des Plans spätestens am 1. Oktober 2018 gestartet werden. In dieser Phase wird die Agentur sich auf ihre Kernaktivitäten im Zusammenhang mit der Bewertung und Überwachung von Arzneimitteln konzentrieren, während gleichzeitig die Vorbereitungen für den Umzug nach Amsterdam im März 2019 intensiviert werden. 

Zu den Aktivitäten, die in dieser Phase eingeschränkt oder ausgesetzt werden, gehört die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene. Diese wird in erster Linie auf produktbezogene Anfragen und die Absicherung der Integrität der Versorgungskette zurückgefahren. Weiterhin wird die Entwicklung und Überarbeitung von Leitlinien in dieser Zeit auf diejenigen begrenzt, die sich mit dringenden Gesundheitsfragen befassen oder notwendig sind, um den Austritt Großbritanniens aus der EU zu unterstützen und zu erleichtern. Damit müssen auch bestimmte Arbeitsgruppen unterdessen nicht mehr so häufig tagen. Außerdem soll die Organisation von Zusammenkünften mit Stakeholdern auf Aspekte beschränkt werden, die mit dem Brexit zusammenhängen. Detaillierte Pläne für die Umsetzung dieser Maßnahmen werden derzeit entwickelt.

Ein Drittel weniger Personal

Ohne eine vorübergehende Einschränkung der Aktivitäten werde es nicht gehen, betont die EMA in ihrer aktuellen Mitteilung. Dies umso mehr, weil die Agentur wahrscheinlich mehr Personal verlieren wird, als zunächst erwartet. Mitarbeiter, die nicht mit nach Amsterdam gehen, hätten bereits damit begonnen, die EMA zu verlassen und dieser Trend dürfte sich beschleunigen, so die Befürchtung. Darüber hinaus könnten aufgrund der arbeitsrechtlichen Bestimmungen in den Niederlanden 135 Beschäftigte mit Kurzzeit-Verträgen nicht mehr weiter für die EMA arbeiten. Insgesamt rechnet die Agentur mit einem Mitarbeiter-Verlust von etwa 30 Prozent. Wie viele mittelfristig gehalten werden könnten, sei ebenfalls ungewiss.

Dabei wird offenbar einiges unternommen, damit es nicht so schlimm kommt, angefangen von der Unterstützung beim Umzug bis hin zu Programmen für die Beschaffung neuen Personals. Aller Voraussicht nach könnte sich die EMA aber noch geraume Zeit in der „Personal-Klemme“ befinden.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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