„Dagobert-Duck-Status“

Dorf-Apotheker schreibt an Amazon-Chef Jeff Bezos

Lützelbach - 06.08.2018, 17:50 Uhr

Der Landapotheker Dr. Detlef Eichberg hat Amazon-Boss einen Brief geschrieben, der sich mit Amazons Tätigkeiten und Plänen im Apothekenmarkt beschäftigt. ( r / Foto: privat)

Der Landapotheker Dr. Detlef Eichberg hat Amazon-Boss einen Brief geschrieben, der sich mit Amazons Tätigkeiten und Plänen im Apothekenmarkt beschäftigt. ( r / Foto: privat)


Der US-Versandriese Amazon macht gerade seine ersten großen Schritte im Apothekenmarkt: In den USA wurde der Versender PillPack übernommen, in Indien liebäugelt man mit einer Übernahme einer Apothekenkette, die gleichzeitig Versandhändler spielt. Und von der Arzneimittel-Lieferung via Drohne träumt man bei Amazon schon lange. Auch in Deutschland bleiben diese Aktivitäten nicht unbeobachtet. Der Landapotheker Dr. Detlef Eichberg hat sich nun ein Herz genommen und an Konzernchef Jeff Bezos einen liebevollen Brief geschrieben.

Lieber Jeff Bezos.

Ich gebe es ja zu: Seit ich gelernt habe, wie man sich einlogged, bestelle ich aus Bequemlichkeit des Öfteren über deine Plattform – für die Kids, oder wenn ich die gesuchten Ersatzteile in meiner Region vor Ort nicht finde und manchmal auch, weil Amazon sonstige Vorteile bietet, die ich einfach nicht in einem Aktionsradius von 50 Kilometer ausfindig machen kann. Indes – das sind wahrhaftig nur rein sachlich-materielle Aspekte, weshalb ich digital ordere.

Materielle Aspekte – so mein Eindruck – sind ja genau dein Ding. Es sei dir ja auch bei nicht beratungsintensiven, nicht gesundheitsrelevanten Marktanteilen gegönnt. Ein Staubsaugerbeutel wird außer einem Hinweis auf eine mögliche Hausstauballergie des Beutelentsorgers wohl kaum einer fachkompetenten Beratung bedürfen. Mit der Lockung diverser Boni indes hochwirksame Medikamente ohne Hinweise auf Einnahme-Besonderheiten und etwaig zu beachtende Neben- und Wechselwirkungen zu verticken und dann noch mit der Dreistigkeit garniert, es wäre die angenehmste Variante der Zustellung im ländlichen Raum und bedürfe keiner akademischen Fachkompetenz, da drehen sich aber Cosmas und Damian im Grabe um.

Die Idee der Zustellung rezeptpflichtiger Arznei durch Drohnen schließlich haut dem Fass den Boden aus („Kommt ein Palexia geflogen, setzt sich nieder auf dein´ Balkon...“). Eingedenk flugtechnischer Sicherheitsaspekte ist die Orkan-Böe wohl nur eine von mannigfaltigen Unwägbarkeiten bei der ferngesteuerten Zustellung durch Drohnen. So könnten auch die konjugierten Östrogene auf dem Weg zur Bundeskanzlerin aufgrund einer bekennenden Rizin-Drohung vom SEK mit einem Blattschuss vom Himmel geholt werden.

Ehe nun aber meine Phantasie-Ergüsse ins Uferlose expandieren, möchte ich abschließend noch meinem Erstaunen darüber Ausdruck verleihen, dass es menschliche Naturelle wie dich gibt, lieber Jeff, die ihren nicht mehr als steigerbar vorzustellenden Dagobert-Duck–Status noch weiter anzutreiben gedenken, um hernach tradiert sinnvolle und erhaltenswerte Strukturen unter dem verlogenen Mäntelchen angeblich zeitgemäßer Vorteile zerschlagen zu wollen.

Mein Brieflein wird deine Vorhaben nicht bremsen, werter Jeff Bezos. Aber ich habe nach meinem sympatikulären Dampfablassen jetzt doch die entspannte Vision, dass die Überzahl unseres Patienten- und Kunden-Klientels erkennen wird, dass Arzneimittel besondere Güter sind, die nicht kommentarlos verramscht werden dürfen. Und dass Drohnen allein zur Besamung der Bienenkönigin gedacht sind, um danach entkräftet zu verscheiden.

In diesem Sinne grüßt dein Detlef – Apotheker mit analogem Migrationshintergrund.         


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

DAZ.online-Themenwoche Digitalisierung

Arzneimittel-Drohnen kämpfen mit Startproblemen

Zustellung aus der Luft

Drohnen-Wettlauf hat begonnen

DAZ.online-Themenwoche Digitalisierung

Alle fürchten Amazon

Deutsche und Schweizer Post testen Arzneimittel-Lieferungen mit unbemannten Flugsystemen

Vom Himmel hoch ...

7 Kommentare

Und sie wissen nicht was sie tun....

von Heiko Groß am 07.08.2018 um 15:32 Uhr

Wenn jemand der Meinung ist den Brief des Apoteckers kommentieren zu müssen,sollte er lernen zwischen den Zeilen zu lesen!!!! Voallem wäre es sinnvoll mal hinter die Kulissen zu schauen ! Ach ja ich vergaß das die Apotheker ja nur Unstudierte -rafgierige-Kapitalisten ohne Staatsexamen sind! Es wird die Zeit kommen an der das große Erwachen einsetzt.....leider wird es dann zu Spät sein und niemand ist mehr da der Bescheid weiß,sich auskennt und hilft! Ach ,ich vergaß....da ist ja noch Amazon...gute Gesundheit euch allen !!!!!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Brief

von Conny am 06.08.2018 um 23:20 Uhr

Herr Bezos wird denken , was für ein Dorfdepp! Und zu Herrn Thomas Müller: wir sind die besten am Ort—-Ohne Kittel !

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Analog und veraltet

von Aussterbende Generation am 06.08.2018 um 21:03 Uhr

Die Generation der Analogen wird in den kommenden Jahrzehnten aussterben, der Einzelhandel und damit auch die Apotheker müssen sich anpassen oder aussterben.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Mal ehrlich sein!

von Ulrich Ströh am 06.08.2018 um 20:51 Uhr

Arzneimittel sind besondere Güter,die nicht verramscht werden dürfen....Stimmt!

Was ist,wenn wir es selber tun?

Minus 62 Prozent ...in der Präsenzapotheke.
Happy Hour... in der Präsenzapotheke.
Taler... in der....

Ergo: Aktuelle Trivialisierung des Arzneimittels in der Präsenzapotheke?

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Mal ehrlich sein

von Thomas Müller am 06.08.2018 um 22:15 Uhr

Gut, dann bin ich mal ehrlich


Eigentlich sind Arzneimittel keine besonderen Güter, sondern wortwörtliche Massenware.
Während angelsächsische Apotheken ja wenigstens noch die Funktion als dispenser in individuell beschriftete Pillendosen haben werden in Deutschland konfektionierte Schachteln über den Tresen geschoben. Ob derjenige dabei einen weißen Kittel trägt oder nicht, es ist ein Geschäft wie jedes andere. Bei der Beförderung von Fahrgästen in jedem Flugzeug geht's auch um Gesundheit und Menschenleben, jede Fleischerei steht mit einem Bein im Knast wenn nicht penibel gearbeitet wird und sich auch nur ein Kunde deshalb eine folgenschwere Fleischvergiftung zuzieht, usw.

Wir müssen in den Apotheken mal von dem Podest runterkommen auf das wir uns selbst gestellt haben und realisieren, dass wir verdammt gut geschützte de facto Monopole in Deutschland haben, aber die junge Generation, die nach Merkel und Seehofer kommen wird, will genauso wenig ihre Arzneimittel nur offline im Laden holen können wie alles andere auch bevorzugt online bestellt und geliefert wird. Entweder wir stellen uns darauf pragmatisch ein und kommen dem entgegen oder wir reden in 10-15 Jahren über ganz andere Dinge.

Leider gilt man mit dieser Einstellung aber nicht als Reformer sondern als Nestbeschmutzer, "das haben wir schon immer so gemacht da könnte ja jeder kommen" haben sich schon viele gedacht, am Ende kams dann umso dicker.

Wir sind Verkäufer und Dienstleister und das tolle an dem Job in der Apotheke ist nicht der Kittel oder sich über den Abgründen der Marktwirtschaft zu wähnen, eher hoheitliche Institution als Kleinunternehmer, sondern so unterschiedliche Menschen zu treffen und vielen davon ganz handfest zu helfen. Wenn man sich darauf besinnt und die Arbeitsweise darum herum immer wieder hinterfragt und modernisiert, dann ist mir um die Zukunft der Apotheke nicht bange.

Bei aller Sympathie: Umgekehrt wird ein Schuh draus!

von Wolfgang Müller am 06.08.2018 um 19:41 Uhr

Ich mag diesen Brief sehr. Wie Kollege Kelag treffend bemerkt, geht er bzgl. Ergebnis-Orientierung allerdings leider völlig ins Leere.

Ich frage mich deshalb, wie viele solche Briefe täglich an "Die ABDA" gehen bzw. entsprechende Posts und Artikel in der Fachpresse geschrieben werden - im Vergleich zu solchen oft sehr gut gemachten Bezos-, Rabattvertrags-, China-, Versandpäckchentemperatur-, Politiker- etc. Schmähungen:

Um "Die ABDA" mit vielen Tausend Stimmen endlich dazu zu bringen, alle überbeflissenen Kompliziertesten, Schikanen und sonstigen Nachteile der normalen Vor-Ort-Apotheken zu beseitigen. Um Bezos und Co. einfach GEMEINSAM kompetitiv zeigen zu können, was eine Harke ist.

Denn es sind vor Allem überflüssige, durch "Apotheker gegen Apotheker"-Regularien verursachte KOSTEN und entgangene Gewinne, die ein ernsthaftes Antreten gegen Bezos und Co. von vorn herein als chancenlos erscheinen lassen!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Bezos

von Thomas Kelag am 06.08.2018 um 19:20 Uhr

Dient unserer Innendarstellung. Interessiert sonst kaum jemanden und Bezos liest es schon gar nicht, der thinkt big

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.