Vorbereitungen auf harten Brexit

Briten planen Notvorräte von Arzneimitteln

Remagen - 02.08.2018, 14:00 Uhr

Gibt es in Großbritanniens Apotheken aufgrund des Brexits bald flächendeckende Lieferengpässe? Der Gesundheitsminister warnt davor. ( r / Foto: Imago)

Gibt es in Großbritanniens Apotheken aufgrund des Brexits bald flächendeckende Lieferengpässe? Der Gesundheitsminister warnt davor. ( r / Foto: Imago)


In Großbritannien macht sich langsam die Sorge breit, dass es durch einen eventuellen „No-Deal-Brexit“ zu Versorgungsengpässen bei Arzneimitteln kommen könnte. Der Gesundheitsminister plant eine Not-Bevorratung. Was eventuell fehlen könnte, weiß derzeit allerdings niemand. Die Apotheker haben in dieser Angelegenheit nun ein eigenes Brexit-Forum gegründet.

Im britischen Gesundheitssektor mehren sich die Befürchtungen, dass im Falle eines harten Brexits ohne besondere Vereinbarungen bestimmte Arzneimittel entweder knapp werden oder gar nicht mehr zur Verfügung stehen könnten. Der stellvertretende Vorsitzende der Brexit Health Alliance, in der sich der staatliche Gesundheitsdienst NHS, die medizinische Forschung, die Pharmaindustrie sowie Organisationen für die öffentliche Gesundheit und von Patienten zusammen getan haben, drängt zur Eile: „Die Minister bemühen sich zwar nach Kräften darum, dass der worst case nicht eintritt, tun aber gut daran, sich trotzdem darauf vorzubereiten“, sagt Niall Dickson. „Es ist jetzt aber an der Zeit, die Art und den Umfang der Herausforderung beim Namen zu nennen, damit der NHS und andere sich darauf vorbereiten können.“

Zur Not soll auch eingeflogen werden

Laut Aussage des neuen Gesundheitsministers Matt Hancock gegenüber einer Gruppe von Abgeordneten des Unterhauses plant sein Ministerium den Aufbau von Notfall-Lagerbeständen für Arzneimittel, um sicherzustellen, dass die Gesundheit der Menschen bei einem harten Brexit geschützt wird. Er stehe mit Vertretern der Pharmaindustrie im Austausch, die für die Bevorratung verantwortlich sein sollen, mit Input seitens der Regierung. Gedacht wird dabei laut Hancock zunächst vor allem an die kontinuierliche Versorgung mit Präparaten mit einer kurzen Haltbarkeitsdauer, wobei einige Arzneimittel gegebenenfalls eingeflogen werden könnten, wenn es an den britischen Häfen infolge eines „No-Deal-Brexits“ zu einem Kollaps komme. Details hinsichtlich der Zeiträume, für die die Vorräte reichen sollen, konnte der Minister noch nicht nennen. 

Diabetikerin Theresa May ohne Insulin?

Der Vorsitzende der britischen Arzneimittelbehörde MHRA Sir Michael Rawlins warnte in einem Interview mit dem „Pharmaceutical Journal“ speziell davor, dass im Falle eines „No-Deal-Brexits“ die Insulinversorgung im Land unterbrochen werden könnte, da Großbritannien „jeden Tropfen davon“ importiere. Viele Patienten, darunter die Premierministerin selbst, könnten durch eine Störung der Versorgungskette „ernsthaft benachteiligt“ werden. Premierministerin Theresa May hat Typ-1-Diabetes und ist deshalb insulinpflichtig.  



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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