Brandgefahr 

Welche Läusemittel sind entflammbar und welche nicht?

Stuttgart - 28.09.2018, 09:10 Uhr

Bei manchen Läusemitteln wird vor offenen Flammen gewarnt. (c / Foto: TravelPhotography / stock.adobe.com)

Bei manchen Läusemitteln wird vor offenen Flammen gewarnt. (c / Foto: TravelPhotography / stock.adobe.com)


Bereits vor Jahren hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vor der Entflammbarkeit bestimmter Läusemittel gewarnt. Auch Stiftung Warentest griff das Thema auf. Allerdings betraf das nicht alle Präparate, sondern nur bestimmte Dimeticon-Mischungen, bei denen sich auch ein entsprechender Hinweis in der Packungsbeilage findet. DAZ.online hat sich angesehen, welche das sind.

Fast zehn Jahre ist es nun her, dass das BfArM vor der Entflammbarkeit bestimmter Läusemittel warnte. Der Hinweis kam von der niederländischen Aufsichtsbehörde, in den Niederlanden war es wohl zu schweren Verbrennungen am Kopf gekommen. Betroffen von dem Warnhinweis waren Präparate, die 4 Prozent Dimeticon und 96 Prozent Ciclometicon enthalten. Zwar fangen die damit getränkten Haare nicht von selbst das Brennen an, aber wenn sie in die unmittelbare Nähe von starken Hitzequellen oder Flammen kommen, zum Beispiel Kerzen. Eine große Gefahr birgt auch der Irrglaube, man könne Läuse mit heißer Fönluft den Garaus machen. Das führt allein schon durch die große Wärme zu Verbrennungen der Kopfhaut, sind die Haare noch mit einem entsprechenden Läusemittel getränkt, fangen unter Umständen die Haare das Brennen an.

Ein entsprechender Warnhinweis findet sich zum Beispiel in den Packungsbeilagen von Nyda® und Etopril. Bei Linicin® findet sich in der Gebrauchsinformation folgender Hinweis: „Halten Sie die Haare von offenen Flammen, Zigaretten oder anderen Brandquellen fern.“ Meda, der Hersteller von Linicin® sagt dazu auf Nachfrage: „Unter normalen, wie in der Gebrauchsanweisung beschriebenen Anwendungsbedingungen, ist Linicin® nicht entflammbar. Der Flammpunkt von Dimeticon liegt bei >100°C. Der direkte Kontakt mit offenen Flammen, Zigaretten oder anderen Brandquellen sollte daher vermieden werden.“

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Bei Hedrin® Once Spray Gel heißt es: „Obwohl die Zusammensetzung aus nicht flüchtigen Inhaltsstoffen besteht, beachten Sie bitte die generellen Sicherheitsvorkehrungen. Die Haare immer von offenem Feuer fernhalten.“ Das Präparat besteht aus 4 Prozent Dimeticon sowie Penetrol® (Nerolidol), das als Träger des Dimeticons dessen Ausbreitung fördert. 

Bei Mosquito® Dimeticon Läuse Haar-Fluid steht folgendes in der Packungsbeilage: „Da einige Inhaltsstoffe entzündlich sind, sollten sich Personen mit behandelten Haaren nicht in der Nähe von offenem Feuer aufhalten. Bitte nicht während der Anwendung rauchen.“

Keine Angabe findet sich hingegen bei Dimet®. Der Hersteller Infectopharm sagt dazu „Es wurden interne Versuche zur Brennbarkeit der Dimet® 20 Lösung durchgeführt, die zeigten, dass das Produkt nicht unmittelbar entflammbar ist und selbst nach zweiminütiger Feuerexposition keine Entzündung stattfindet. Es sind deshalb – im Gegensatz zu anderen Kopflausmitteln – keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen hinsichtlich Feuerexposition bei der Anwendung von Dimet® 20 Lösung zu beachten.“

Almirall darf sogar damit werben, dass sein Jacutin® Pedicul Fluid nicht entflammbar ist. Im Gegensatz zu manch anderen Präparaten besteht das Mittel nicht aus einem Dimeticon-Gemisch, sondern aus 100 Prozent Dimeticon. 

Und wie sieht es bei den nicht-dimeticonhaltigen Läusemitteln aus? 

Ebenfalls nicht brennbar ist Licener®. Statt Silikonöl enthält es einen Neem-Extrakt, dessen Wirkung auf dem gleichen physikalischen Prinzip basiert wie die von Dimeticon: Die dünnflüssigen Öle dringen in die Atemöffnungen der Läuse ein, und diese ersticken. Auch bei diesem Präparat findet sich in der Packungsbeilage kein Hinweis auf Entflammbarkeit. Der Hersteller sagt dazu: „Anders als viele andere Produkte ist Licener® nicht entflammbar und stellt somit in der Nähe von Zündquellen wie alten Gasboilern, einem defekten Föhn, einer Kerze oder einer brennenden Zigarette keine unnötige Gefährdung dar.“

Das permethrinhaltige Infectopedicul® ist laut Packungsbeilage aufgrund des Alkoholgehaltes brennbar. Kein entsprechender Hinweis findet sich bei Goldgeist® Forte. Jacutin® Pedicul Spray ist ebenfalls brennbar und die Anwendung solle daher nicht in der Nähe offener Flammen (zum Beispiel Gasdurchlauferhitzer) durchgeführt werden, warnt die Packungsbeilage.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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