Lunapharm-Affäre

SPD verteidigt Preissystem sowie Importe und greift Behörden an

Berlin - 01.08.2018, 11:30 Uhr

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Sabine Dittmar verteidigt nach der Lunapharm-Affäre die Importquote und das Preissystem. Sie sieht vielmehr die Aufsichtsbehörden in der Pflicht. (b / Foto: Schelbert)

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Sabine Dittmar verteidigt nach der Lunapharm-Affäre die Importquote und das Preissystem. Sie sieht vielmehr die Aufsichtsbehörden in der Pflicht. (b / Foto: Schelbert)


Der Skandal um mutmaßlich gestohlene Arzneimittel, die der brandenburgische Pharmahändler Lunapharm vetrieben haben soll, hat nun die ersten Gesundheitspolitiker auf Bundesebene alarmiert. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Sabine Dittmar bezeichnete die Enthüllungen gegenüber DAZ.online als „erschreckend“. Das Arzneimittel-Preissystem sowie die Importquote stellt sie aber nicht in Frage – vielmehr seien nun die Aufsichtsbehörden gefragt.

Das ARD-Magazin Kontraste hatte Mitte Juli darüber berichtet, dass der im brandeburgischen Mahlow ansässige Arzneimittelhändler Lunapharm mutmaßlich in Griechenland gestohlene Krebsmedikamente hierzulande in den Verkehr gebracht haben soll. Anschließend überschlugen sich die Ereignisse: Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) musste schwere Versäumnisse in der eigenen Aufsichtsbehörde eingestehen, es gab mehrere Arzneimittelrückrufe und inzwischen auch Anzeigen gegen zwei Beamte aus der Arzneimittelaufsicht.

Noch ist unklar, wo die betroffenen Arzneimittel überall gelandet sind – sie wurden aber deutschlandweit ausgeliefert. Insofern steigt nun auch die Bundespolitik in dieses Thema ein. Sabine Dittmar, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, erklärte auf Nachfrage von DAZ.online: „Der Fall Lunapharm ist wirklich erschreckend.“ Angesprochen auf den derzeit wütenden Konflikt zwischen Importeuren, Apothekern und der AOK Baden-Württemberg rund um die Importquote, sagte die SPD-Gesundheitspolitikerin: „Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass es kriminelle Machenschaften und individuelles Fehlverhalten auch ohne Importquote in Deutschland gab und gibt. Diese Aktivitäten gilt es, streng zu ahnden.“

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hatte die Politik in einer Video-Botschaft in der vergangenen Woche zum Handeln aufgefordert. Aus Sicht von Schmidt hat die Gesundheitspolitik zwei Möglichkeiten: Entweder die Aufsichtsbehörden und deren Arbeit auszuweiten oder das Arzneimittel-Preissystem stärker zu regulieren, damit es weniger Anreize für kriminelle Machenschaften gebe. Die SPD-Politikerin Dittmar spricht sich klar gegen regulierende Maßnahmen aus und sieht die Aufsichtsbehörden nun in der Pflicht. Dittmar wörtlich: „Fakt ist, dass wir einen internationalen Markt für Arzneimittel haben. Wenn pharmazeutische Hersteller ihre Produktionswege und -kosten optimieren, dann machen sie das unabhängig von Importquoten und Rabattverträgen.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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3 Kommentare

was will die SPD?

von Karl Friedrich Müller am 01.08.2018 um 11:49 Uhr

die SPD ist einfach unfähig.
Engstirnig
ideologische Scheuklappen.
Hass auf Akademiker, hab ich mal gelesen (Kommentar dazu, warum die SPD nichts auf die Reihe kriegt)
Weg damit. Völlig überflüssige Partei in dem Zustand. Schade.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: was will die

von Dr Schweikert-Wehner am 01.08.2018 um 17:06 Uhr

Ganz so schlimm ist nicht. Aber es gibt in der 1. Reihe der Sozialdemokraten keinen Gesundheitsfachmann und der einzige der sich auskennt (Lauterbach) betreibt nur Lobby- und Resentimentspolitik.

AW: was will die SPD

von Bernd Küsgens am 01.08.2018 um 18:58 Uhr

Wieso ist Frau Dittmar kein Gesundheitsfachmann? Wenn eine Fraktion Frau Dittmar zur Gesundheitspolitischen Sprecherin ernennt, dann haben sie keine andere. Dann kann das doch keine Entschuldigung sein für persönliche Inkompetenz.
Nebenbei, ob Lauterbach sich besser auskennt, sei noch dahingestellt.

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