Lunapharm, Valsartan, Lieferengpässe

Schmidt: Deregulierung ist schuld an Versorgungsproblemen

Berlin - 27.07.2018, 17:00 Uhr

Friedemann Schmidt sorgt sich um die Folgen der gegenwärtigen Probleme in der Arzneimittelversorgung. Er befürchtet eine sinkende Therapietreue der Patienten. (r / Foto: Imago)

Friedemann Schmidt sorgt sich um die Folgen der gegenwärtigen Probleme in der Arzneimittelversorgung. Er befürchtet eine sinkende Therapietreue der Patienten. (r / Foto: Imago)


Mutmaßlich geklaute Ware aus Griechenland, verunreinigtes Valsartan, dazu immer wieder Lieferengpässe: In einem Interview hatte sich ABDA-Präsident Friedemann Schmidt vor einigen Tagen jedenfalls zum Thema Valsartan noch relativ entspannt geäußert. In einem ABDA-PR-Video zur derzeitigen Lage hört sich das schon etwas ernster an. Schmidt meint, die Politik habe nun zwei Möglichkeiten, handeln müsse sie in jedem Falle.

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hat sich in einer Video-Botschaft im ABDA-Newsroom zur aktuellen Situation der Arzneimitteversorgung zu Wort gemeldet. Anlass hierzu gibt es wahrlich: Neben den wiederkehrenden Lieferengpässen sind nun die Rückrufe verunreinigter Blutdrucksenker sowie gestohlene und in den deutschen Arzneimittemarkt eingeschleuste Arzneimittel zum Thema geworden. Schmidt sieht all dies mit „großer Sorge“, denn Hunderttausende seien betroffen.

Erst diese Woche hatte er sich gegenüber der Leipziger Volkszeitung zum Thema Valsartan geäußert. Dabei ging es aber vor allem um die Informationsstrategie der Behörden. Schmidt verteidigte diese: Es habe keine akute Gesundheitsgefahr für die Patienten gegeben, daher sei es auch nicht nötig gewesen, diese unmittelbar zu informieren. Der Rückruf sei alles in allem „sehr gut, sehr eindeutig und sehr schnell verlaufen“, so Schmidt beruhigend. 

Schmidt: Vertrauen der Patienten sinkt

In seinem Videostatement hat Schmidt eine etwas andere Zielrichtung. Die genannten Probleme sorgten zusammengenommen dafür, dass das Vertrauen der Patienten in ihre Arzneimittel und ihre Behandlung sinke. In der Folge nehme die Adhärenz ab – mit allen unausweichlichen Folgen. Schmidt: „Das kann so nicht bleiben, das kann so nicht hingenommen werden“.

Nach den Ursachen gefragt, erklärt der ABDA-Präsident, dass die Arzneimittelversorgung in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren im Fokus der grenzüberschreitenden Deregulierung und Liberalisierung stand. Dies habe zu den bekannten Problemen beigetragen. Im unteren Ende des Preisspektrums, bei den Generika, habe man nun Qualitätsprobleme. Am oberen Ende, also bei hochpreisigen patentgeschützten Arzneimitteln, entstünden hingegen starke Anreize für kriminelles Handeln.


Fehlanreize beseitigen und Kontrollen massiv verschärfen

Nun sei man an einem Punkt, da die Politik handeln müsse. Dafür sieht Schmidt zwei Wege: Entweder sie stelle das Gleichgewicht der Arzneimittelpreise wieder her und sorge dafür, „dass die Fehlanreize am oberen oder unteren Ende des Preisspektrums beseitigt oder zumindest abgemildert werden“. Dazu brauche es strukturpolitische Maßnahmen. Oder die Politik setze das bisherige Modell der Deregulierung und des Preiswettbewerbs fort, verstärke aber die Aufsicht massiv. Und zwar mit Kontrollen in allen Produktionsstufen bis in den Vertrieb hinein. Das würde eine erhebliche Verstärkung der dazugehörigen Ressourcen in den Aufsichtsbehörden nach sich ziehen, gibt er zu bedenken.

Und was heißt das nun für die Apotheken? „Eine sichere Arzneimittelversorgung ist auf Dauer nicht zum Schnäppchenpreis zu haben“, betont Schmidt. Das müsse auch der Politik und den Krankenkassen klar sein. Im Moment seien es die Apotheker vor Ort, die die Schäden anderer beseitigen und den „Ausputzer spielen“. Sie versuchten jeden Tag, all diese Probleme mit viel Engagement und großem Aufwand auszubügeln. „So kann das nicht bleiben“, unterstreicht Schmidt. 


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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2 Kommentare

ABDA und die Öffentlichkeit

von Heiko Barz am 02.08.2018 um 11:55 Uhr

Zum Schutz von F.Schmidt muß konstatiert werden, dass es deutlich immer schwerer wird, der stark nach links abdriftenden Schreibenden und TV-Medienlandschaft eine objektive Redaktionsarbeit abzuverlangen.

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Videostatement ABDA Präsident

von Dr. Alfred Stuhler am 28.07.2018 um 11:42 Uhr

In der Sache liegt Herr Schmidt völlig richtig, allein der Kanal des Kommentars ist absolut insuffizient.
Jetzt müsste in allen großen Tageszeitungen und TV Sendern eine Meldung kommen im Stile von:
"Krankenkassen setzen bewusst Gesundhei Ihrer Versicherten aufs Spiel"
Die volle Breitseite , die Krankenkassen sind längst keine Partner mehr.
Eine größere Steilvorlage für die Darstellung, wohin Strategien der Krankenkassen führen, gibt es doch nicht !
Was kommt von der ABDA ?
Ein laues Lüftchen, statt einen Sturm zu entfachen.
So vertritt man keinen Berufsstand !

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