Arzneimittelkommission 

Synthesebedingte Valsartan-Verunreinigung besteht möglicherweise seit 2012

Stuttgart - 12.07.2018, 10:30 Uhr

Laut AMK könnte die Verunreinigung seit 2012 bestehen. ( j / Foto: Quintin Cürten)

Laut AMK könnte die Verunreinigung seit 2012 bestehen. ( j / Foto: Quintin Cürten)


Offenbar ist nun klar, wie das wahrscheinlich krebserregende N-Nitrosodimethylamin ins Valsartan kam: Wie die Arzneimittelkommission der Apotheker am gestrigen Mittwoch mitteilte, ist die Verunreinigung synthesebedingt und war bisher nicht bekannt. Sie könnte bereits im Juli 2012 durch einen Wechsel im Herstellungsprozess hervorgerufen worden sein. Zudem gibt die AMK Apothekern Hinweise, was sie Patienten mitteilen können.

Wie kam die Verunreinigung N-Nitrosodimethylamin (NDMA), auch als Dimethylnitrosamin (DMN) in das Valsartan, was flächendeckende Rückrufe nach sich zog? Die Arzneimittelkommission der Apotheker (AMK) hat sich nun dazu geäußert. Laut einer Mitteilung vom gestrigen Mittwoch handelt es sich um eine synthesebedingte, bisher nicht bekannte Verunreinigung des Wirkstoffs Valsartan. Sie wurde bislang nur bei diesem Hersteller gefunden, könnte allerdings schon seit 2012 bestehen, heißt es. Denn damals erfolgte ein Wechsel im Herstellungsprozess, der die Verunreinigung möglicherweise hervorgerufen haben könnte. 

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Eine umfangreiche analytische Aufklärung werde derzeit vor allem durch das für das Europäische Arzneibuch zuständige European Directorate for the Quality of Medicines & HealthCare (EDQM) in Bezug auf Valsartan und verwandte Wirkstoffe und durch die pharmazeutischen Unternehmen in Bezug auf die Fertigarzneimittel in enger europäischer und nationaler (BfArM) Abstimmung vorgenommen.

Eine Antwort auf die Frage, ob und wie viel NDMA in welchen Fertigarzneimitteln enthalten ist, erwartet die AMK in Kürze – ebenso werden die Ergebnisse der Prüfungen verwandter Wirkstoffe beziehungsweise deren Analysenzertifikate erwartet.

Was sollen Apotheken ihren Patienten raten?

Die AMK empfiehlt Apothekern nach derzeitigem Kenntnisstand, Patienten angemessen zu informieren, und zwar zu folgenden Punkten: 

  • Nach Einschätzung des BfArM besteht derzeit kein akutes Patientenrisiko.
  • Ein Rückruf der FAM auf Patientenebene ist derzeit nicht vorgesehen.
  • Patienten sollten valsartanhaltige Arzneimittel, vor allem in Kombination mit Hydrochlorothiazid und Amlodipin, nicht ohne Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt absetzen.
  • Vom Rückruf nicht betroffene valsartanhaltige Arzneimittel dürfen auf ärztliche Verschreibung, gegbenenfalls unter Angabe pharmazeutischer Bedenken (Sonderkennzeichen und stichwortartige Begründung), abgegeben werden.
  • Prinzipiell ist auch eine dosisäquivalente Umstellung auf ein anderes Sartan – auch in Kombination mit Hydrochlorothiazid und/oder Amlodipin – durch den Arzt möglich; eine diesbezügliche Empfehlung kann derzeit aber nicht gegeben werden.
  • Zudem sollen Apotheker die allgemein gültigen Grundsätze im Falle des Austauschs oder der Rückerstattung von Arzneimitteln beachten.

Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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4 Kommentare

Eingangsprüfung nach Arzneibuch

von Norbert Veicht am 13.07.2018 um 17:25 Uhr

Haben die Hersteller denn keine Eingangsprüfung des Wirkstoffs gemacht (IR-Spektrum)? da sollte die Verunreinigung doch auffallen. Wie kann so ein verunreinigter Wirkstoff 5-6 Jahre lang eingesetzt werden, ohne bei irgendeinem der vielen betroffenen Hersteller als Qualitätsfehler aufzufallen? Ich hatte bisher eine doch recht hohe Meinung vom Qualitätsstandard unserer Arzneimittel. Da habe ich mich wohl ganz gewaltig täuschen lassen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Valsartan Rückruf

von VdBeeck am 12.07.2018 um 15:37 Uhr

„Zudem sollen Apotheker die allgemein gültigen Grundsätze im Falle des Austauschs oder der Rückerstattung von Arzneimitteln beachten.“

Und diese Grundsätze sind welche ?
Ich musste mir ein neues Rezept ausstellen lassen... von Erstattung keine Spur :-(

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Valsartan Rückruf

von R. Kolberg am 12.07.2018 um 17:20 Uhr

Das würde mich auch mal interessieren.
Musste heute zum Arzt mir ein neues Rezept holen.
Wer trägt die Kosten für den Arztbesuch und die Neubeschaffung des Valsartans? Bestimmt zusammen 40 EURO. Da schaue ich ja noch gar nicht auf die Vergangenheit, was ich in den letzten Jahren alles eingenommen habe.
Ein Patientenrisiko besteht ja nicht, sagen die Sesselfurzer von irgendeiner Bundesanstalt.

AW: Valsartan Rückruf

von Steafn Haydn am 13.07.2018 um 9:33 Uhr

Die Kosten, bis auf die Zuzahlung, trägt zunächst die Krankenkasse, deren Sparwahn auch der Großteil der Misere anzulasten ist. Somit also alle Versicherten.

Bzgl. der erneuten Zuzahlung sollten Sie sich bei ihrer Kasse beschweren und Erstattung fordern.
Vielleicht findet dann mal ein Umdenken statt.

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