Rückruf wegen Verunreinigung

Valsartan: Weiter einnehmen oder absetzen?

Stuttgart - 11.07.2018, 07:00 Uhr

Was können Apotheken ihren Valsartan-Patienten raten: Weiter einnehmen oder lieber absetzen? (b / Foto: DPI studio / stock.adobe.com | Montage: DAZ.online)

Was können Apotheken ihren Valsartan-Patienten raten: Weiter einnehmen oder lieber absetzen? (b / Foto: DPI studio / stock.adobe.com | Montage: DAZ.online)


Valsartan-Patienten sind reihenweise verunsichert: Meldungen über Verunreinigungen ihres Antihypertonikums mit dem lassen sie zweifeln, ob sie ihre vom Rückruf betroffenen Valsartan-Arzneimittel noch weiter einnehmen können oder sie doch lieber absetzen sollen? Was können Apotheker diesen Valsartan-Patienten raten?

Valsartan-Rückrufe: Die Großhandelskisten in den Apotheken füllen sich sukzessive mit Valsartan-Packungen, und zwar in dem Maße wie die Arzneimittelkommission der Apotheker (AMK) immer neue Chargen zurückrufender Pharmahersteller veröffentlicht. Mittlerweile haben 17 Pharmakonzerne einen Valsartan-Rückruf kommuniziert. DAZ.online hat eine aktuelle Übersicht über die davon betroffenen valsartanhaltigen Arzneimittel erstellt.
Allerdings wächst nicht nur der Stapel an Valsartan-Packungen im Quarantänelager der Apotheke oder bei den Großhändlern, auch die Unsicherheit der Patienten steigt. Können sie ihr vom Rückruf betroffenes, potenziell verunreinigtes Valsartan noch einnehmen, sollten sie das sogar tun, oder wäre es „gesünder“, das Valsartan-Präparat einfach abzusetzen?

Auch Absetzen von Valsartan birgt Risiken

Die Apotheke bildet häufig die erste Anlaufstelle für Patienten, die Fragen zu Valsartan haben – sei es, dass diese die Pharmazeuten aktiv um Rat bitten oder dass sie mit einem Rezept über ihr gewohntes Arzneimittel in der Apotheke stehen. Künftig wird wohl die Apotheke bei Valsartan zunächst darauf verweisen müssen, dass das gewohnte Präparat sich derzeit auf dem Weg zurück zum Großhandel befindet und wohl auch in absehbarer Zeit die Pharmahersteller es nicht beibringen können. Das retaxsichere Austauschen von Valsartan-Präparaten ist eine Aufgabe der Apotheke, zumindest wenn diese wirtschaftlich agieren und keine Vollabsetzungen seitens der Krankenkassen riskieren will.

Doch auch die Patienten wollen informiert sein. Was sollen sie akut tun? Sollen sie die potenziell verunreinigten, noch zuhause liegenden Valsartan-Tabletten weiter einnehmen oder doch lieber absetzen? Bei solchen Themen gilt es immer abzuwägen: Wodurch entsteht ein größeres Risiko für den Patienten? Wenn er sein Arzneimittel zur Therapie der Hypertonie oder Herzinsuffizienz abrupt weglässt oder wenn er das potenziell mit N-Nitrosodimethylamin-belastetete Präparat weiterhin, wie gewohnt, einnimmt?

BfArM zum Absetzen Valsartan-haltiger Arzneimittel

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat sich ebenfalls mit dieser Frage beschäftigt. Es empfiehlt Patienten derzeit, Valsartan weiter einzunehmen. Auf Patientenebene ist bislang kein Rückruf erfolgt.


Patientinnen und Patienten, die valsartanhaltige Arzneimittel einnehmen, sollen die Arzneimittel nicht ohne Rücksprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt absetzen, da das gesundheitliche Risiko eines Absetzens um ein Vielfaches höher liegt als das mögliche Risiko durch eine Verunreinigung. Ein akutes Patientenrisiko besteht nicht.

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, BfArM


Das gilt es wohl auch, den verunsicherten Valsartan-Patienten in der Apotheke zu vermitteln. Eine Möglichkeit ist auch, dass Patienten sich eine neue Verordnung über nicht vom Rückruf betroffene valsartanhaltige Präparate beschaffen, sprich vom Originalhersteller Novartis (Diovan®, Codiovan®, Provas®, Provas® Comp), dem Valsartan-Marktführer TAD Pharma (Valsacor®, Valsacor® comp) oder Mylan Dura (Valsartan dura, Valsartan/HCT Mylan). Hier gibt es jedoch jetzt schon vereinzelt Meldungen, dass diese Präparate bereits schwer zu erhalten sind.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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7 Kommentare

Theorie und Praxis eines erfolgreichen Umtausches

von Michael Pratsch am 13.07.2018 um 16:48 Uhr

Bin eben aus der Apotheke zurück, hatte Valsartan von Heumann, wurde gegen ein Produkt von Basis getauscht. Der Arzt hatte geraten, die noch nicht angebrochene Packung in der Apotheke umzutauschen. Das hat dann so ca. 45 Minuten gedauert, die Apothekenhelferin hat die Problematik verstanden und die sngestellte Apothekerin hinzugerufen. Auch die Apothekerin hat die Problematik verstanden, zuerst glaubte sie allerdings, dass ich die Tabletten zurückgeben wollte um meinen Eigenanteil zurückzukommen, eingeendet hat sie in dem Zusammenhang, dass das Rezept aus dem vorigen Quartal mit der Kasse abgerechnet sei. Der Apothekenbesitzer war vor der Tür und hat mit dem Handy telefoniert, als klar wurde, dass ich selbstverständlich ein nicht zurückgerufenes Ersatzpräperat wollte, konnte sie dies nicht allein entscheiden. Der kam arrogant hinzustolziert und versuchte mir zu erklären, dass man in Apotheken niemals Medikamente zurücknimmt, weil man ja nicht weiss, was der Patient mit den Medikamenten anstellt. Ich war so fassungslos über diese Aussage, dass ich ihn erst einmal gefragt habe, ob er überhaupt wisse um was es hier geht. Schließlich hätte ja die Apotheke ein nicht verkehrsfähiges Medikament ausgeben, dass man jetzt nicht so einfach einem anderen Patienten gibt, sondern wohl an den Hersteller zurückgibt. Das hat er dann begriffen und sich für seine Aussage entschuldigt. Nun hoffe ich, dass ich ohne Medikamentenumstellung das Präparat einnehmen kann, bin mir aber nicht sicher, ob das neue Präparat nun tatsächlich unbelastet ist. Es ist in jedem Fall ein Skandal, dass bei den Arzneimittelherstellern offensichtlich keine Kontrolle der zum Teil ja in Indien und China offenbar in Hinterhofwerkstätten hergestellten Arzneigrundstoffe erfolgt, bzw. es keine staatlichen Stellen gibt, die zumindest stichprobenweise Medikamente auf Wirkstoffe und evt. Verunreinigungen überprüfen.

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Valsartan

von Antonio Pallucci am 12.07.2018 um 23:33 Uhr

Was passiert wenn ein Mensch 15 Jahre diese valsartan nimmt! Hat iezt crebs oder andere Probleme ! Es gibt Schmerz Geld?

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valsartan AbZ 80mg Hersteller:Merckle oder TEVA

von rolf kock am 12.07.2018 um 20:05 Uhr

Ich nehme seit 2 Jahren dieses Medikament,da ich Ramipril nicht vertragen habe. Bin ich auch von dieser hochkriminellen Panscherei aus chinesischen Hinterhöfen betroffen damit sich Krankenkassen eine goldene Nase verdienen???




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Korrekte Rezeptbelieferung

von Ilona Weiss am 11.07.2018 um 12:26 Uhr

Wenn nicht in diesen Fällen wann sonst wären pharmazeutische Bedenken angebracht? Wer will ernsthaft von einem Patienten verlangen etwas anderes als das einzunehmen was nicht von der ‚Panscherei‘ betroffen ist?!

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AW: Korrekte Rezeptbelieferung

von Kiwei am 12.07.2018 um 8:27 Uhr

Bei uns werden pharmazeutische Bedenken angemeldet. Wieso sollte ich den sowieso verunsicherten Patienten wieder zum Arzt schicken, damit er ein neues Rezept besorgt. Am Ende kommt er mit dem neuen Rezept wieder und das dann verordnete Valsartan ist bis da auch nicht mehr zu bekommen. Und dann?

Neues Fachgebiet für die Weiterbildung

von Christoph Gulde am 11.07.2018 um 9:05 Uhr

Als weitergebildeter
"Fachapotheker für Arzneimittelbeschaffung, Lieferengpässe und Mangelverwaltung"
könnte ich an dieser Stelle souverän nach Leitlinie LL 0A38 die Problematik "abarbeiten". So bleibt mir nur das mühsame Zusammentragen der verschiedenen Informationssteinchen zu einem Mosaik, das mit etwas Glück ein sinnvolles Bild ergibt.
Es ist ein Jammer zusehen zu müssen, wie die Arzneimittelversorgung vor lauter Spar-Gier langsam, aber sicher vor die Wand gefahren wird.
Leidtragende sind die Patienten, die das alles kaum verstehen können und wir, die das kaum in verständliche Worte fassen können, weil es einfach unfassbar ist.

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AW: Neues Fachgebiet für die Weiterbildung

von Heiko Barz am 11.07.2018 um 10:37 Uhr

Schon, aber nicht „vor“ sondern sicher „an“ die Wand!!
„Vor“ ist noch nicht der Crash.
Valsatan und die Folgen sind aber schon ein Crash, auch wenn versucht wird, den unhaltbaren Zustand herunterzuspielen.
Mich verunsichert darüberhinaus, wie - weltweit - AM-Grundsubstanzen in asiatische Chemieküchen produziert werden, um den rabattgeilen KKassen gerecht zu werden.
Im Bereich der Justiz wird auch der Auftraggeber einer „Untat“ zur Rechenschaft gezogen.

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