Barmer

Halbzeit für Polypharmazie-Projekt – ohne Pharmazeuten

Berlin - 06.07.2018, 09:00 Uhr

Professor Daniel Grandt (rechts) und Barmer-Chef Professor Christoph Straub (links) finden, dass ihr Polypharmazie-Projekt auch erst einmal ohne Apotheker gut funktioniert. (s / Foto: Imago)

Professor Daniel Grandt (rechts) und Barmer-Chef Professor Christoph Straub (links) finden, dass ihr Polypharmazie-Projekt auch erst einmal ohne Apotheker gut funktioniert. (s / Foto: Imago)


Versicherte, die mehr als fünf Arzneimittel parallel erhalten, werden von mindestens drei verschiedenen Ärzten und Apotheken betreut. Das geht aus dem neuen Arzneimittelreport der Barmer hervor, der am vergangenen Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Die Barmer findet: So ist es nahezu unmöglich, den Überblick über die Arzneimitteltherapie zu behalten. Deshalb betreibt die Ersatzkasse seit anderthalb Jahren ein Modellprojekt zur Polypharmazie. An diesem Arzneimittelprojekt sind allerdings keine Apotheken beteiligt.

Mehr als fünf verschiedene Arzneimittel zugleich einzunehmen, wird als Polypharmazie definiert. Laut einer aktuellen Analyse der Barmer Ersatzkasse ist jeder fünfte Bundesbürger davon betroffen. Die meisten Arzneimittelrisiken, die dabei auftreten, sind vermeidbar, erklärte der Barmer Vorstandsvorsitzende Professor Christoph Straub auf einer Pressekonferenz, die am vergangenen Donnerstag in Berlin stattfand. Bei der Veranstaltung referierte auch Professor Daniel Grandt, Hauptautor des „Arzneimittelreports 2018“.

Vielfalt an Arzneimitteln, Ärzten und Apotheken

Der Publikation von Grandt zufolge erhalten Versicherte mit Polypharmazie ihre Verordnungen von drei oder mehr Ärzten. Hinzu komme, dass mehr als 80 Prozent  der Betroffenen ihre Rezepte in bis zu drei verschiedenen Apotheken einlösen. „Der Apotheker hat bei der Polypharmazie auch keinen besseren Überblick als der Arzt“, schilderte Grandt.

Und für Hausärzte ist es nahezu unmöglich, den Überblick zu bewahren, erläuterte Straub. Zwar verordnen Allgemeinmediziner den Reportergebnissen zufolge nur etwa 60 unterschiedliche Arzneimittel pro Quartal über den eigenen Rezeptblock. Bei der Bewertung von Arzneimittelrisiken spielen jedoch auch die Medikamente eine Rolle, die verschiedene Fachärzte verschreiben. Zusammengerechnet müsse ein Hausarzt etwa 1860 verschiedene Arzneimittel kennen, mit denen theoretisch 454.012 Kombinationen möglich seien.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


1 Kommentar

"Adam" als -nackte- Theorie

von Heiko Barz am 07.07.2018 um 9:33 Uhr

Es wirkt schon etwas tragisch-komisch, dass Pharmazeuten in ihrem berufsbedingten "Beritt" nicht einmal in Ausschüssen um eine fachliche Meinung konsultiert werden.
Aber wer möchte schon mit dem Wort "Ausschuß" qualitativ in Verbindung gebracht werden.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.