Zyto-Skandal

Alte Apotheke in Bottrop wechselt erneut den Besitzer

Karlsruhe - 25.06.2018, 07:00 Uhr

Die Alte Apotheke in Bottrop, die in den vergangenen Monaten wegen des angeklagten Zyto-Apothekers Peter S. in den Schlagzeilen war, wechselt den Besitzer. (Foto: hfd)

Die Alte Apotheke in Bottrop, die in den vergangenen Monaten wegen des angeklagten Zyto-Apothekers Peter S. in den Schlagzeilen war, wechselt den Besitzer. (Foto: hfd)


Der frühere Betreiber der Alten Apotheke in Bottrop, Peter S., muss sich wegen möglicher Unterdosierungen und Hygienemängeln vor dem Landgericht Essen verantworten. Nachdem seine Mutter zunächst den Apothekenbetrieb fortgeführt hat, soll die Offizin in den nächsten Tagen in die Hände einer Nachfolgerin übertragen werden. Ob die neue Apothekerin das inzwischen geschlossene Zyto-Labor wiedereröffnet, ist noch unklar.

Die Alte Apotheke in Bottrop blickt auf eine 154-jährige Geschichte zurück, doch die vergangenen Jahre überschatten all die Jahrzehnte zuvor. Seit November 2016 sitzt der frühere Betreiber Peter S. in Untersuchungshaft, der sie 2009 übernommen hatte – die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchte Körperverletzung und Betrug in Millionenhöhe an den Krankenkassen vor, da er Krebsmittel unterdosiert und Hygienebestimmungen verletzt haben soll. Anfang vergangenen Jahres übernahm seine Mutter daher den Apothekenbetrieb wieder.

Doch während das Gericht in Sachen Peter S. in den kommenden Wochen sein Urteil fällen will, wird die seit vier Generationen in Familienbesitz befindliche Apotheke wohl in den nächsten Tagen erneut ihren Besitzer wechseln. Die Apothekerin Vera Kaminski, die bislang in einer Apotheke eines Freundes von Peter S. in Soest gearbeitet hat, wird sie übernehmen, wie sie gegenüber DAZ.online bestätigte. Die Betriebserlaubnis sei noch nicht erteilt, doch sei dies nur noch ein formaler Akt.

Weitere Fragen konnte Kaminski aus zeitlichen Gründen zunächst noch nicht beantworten. Offenbar verhandelt sie bereits mit möglichen Partnern in Bottrop über zukünftige Versorgungsverträge. Offen bleibt zunächst, inwiefern die Apothekerin das Zyto-Labor wiedereröffnen will, welches die Amtsapothekerin bei der Razzia und Festnahme von S. vor anderthalb Jahren geschlossen hat.

Betriebserlaubnis der Mutter wird derzeit überprüft

Ein Sprecher der Stadt Bottrop wollte zu einer möglichen Übernahme der Alten Apotheke auf Nachfrage keine Stellung nehmen. Er bestätigte, dass die Betriebserlaubnis der Mutter von Peter S. weiterhin überprüft wird. Die Staatsanwaltschaft Essen führt derzeit ein Ermittlungsverfahren gegen sie wie auch gegen ihren Ehemann, der gleichfalls Apotheker ist. Der Vorwurf: Ungenehmigter Großhandel mit Arzneimitteln. Der Mutter wirft die Staatsanwaltschaft außerdem Beihilfe zu den angeklagten Taten von Peter S. vor. Ob das Verfahren der Stadt Bottrop zur Überprüfung der Betriebserlaubnis durch die Übernahme der Apotheke beendet wird, wollte der Stadtsprecher mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht beantworten.

Das Zyto-Labor war noch unter der Ägide der Mutter eröffnet worden, doch nach der Aussage ihres Anwalts in der Aufbauphase von ihrem Mann sowie dem Sohn Peter S. geführt worden, welcher es vor rund neun Jahren vollständig übernahm. „Unsere Mandantin hat zu keiner Zeit das Zyto-Labor der Alten Apotheke geführt und hatte darin auch keine Einblicke“, hieß es im vergangenen Oktober von Seiten der Anwaltskanzlei. „Sofern es tatsächlich zu Unterdosierungen von Medikamenten gekommen sein sollte, hatte unsere Mandantin hiervon keine Kenntnis.“

Die Alte Apotheke wurde laut einem Bericht der Funke-Mediengruppe am 18. August 1864 gegründet – durch den Apotheker Josef Hartmann, der die erste Apotheken-Konzession der Stadt Bottrop erhielt. Nach neun Jahren verkaufte dieser sie weiter. Nach einem weiteren Betreiberwechsel kaufte im Jahr 1886 Jacob Geyr sie – Urgroßvater von Peter S. 1896 zog die Apotheke in das prächtige Haus in der Bottroper Hochstraße. Als Jacob Geyr 1899 eine zweite Apotheke eröffnete, erhielt das Stammhaus seinen derzeitigen Namen „Alte Apotheke“.

Die mutmaßlichen Taten von Peter S. haben nicht nur Auswirkungen auf Größe und Ruf der Alten Apotheke selbst gehabt. Nach Recherchen von DAZ.online hat sich die Apothekenstruktur rund um die Apotheke des Beschuldigten in den vergangenen Jahren drastisch verändert. Inzwischen ist die Stadt Bottrop der Fleck mit der geringsten Apothekendichte in Deutschland. Auch die Kammer spricht von Auffälligkeiten.


Hinnerk Feldwisch-Drentrup, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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