Börsenbarometer

US-Apothekenkonzern Walgreens ersetzt General Electric im Dow Jones

München - 22.06.2018, 12:45 Uhr

Der US-Pharmahandels- und Apothekenkonzern Walgreens Boots Alliance wird ab der kommenden Woche im Dow Jones gehandelt. (Foto: Imago)

Der US-Pharmahandels- und Apothekenkonzern Walgreens Boots Alliance wird ab der kommenden Woche im Dow Jones gehandelt. (Foto: Imago)


Im Dow-Jones-Index, einem der weltweit bekanntesten Börsenbarometer, findet ein erstaunlicher Austausch statt: Das Industrie-Schwergewicht General Electric muss nach 110 Jahren weichen. An seine Stelle rückt die nach Marktkapitalisierung deutlich kleinere Apothekenkette Walgreens Boots Alliance. Das hat vor allem mit den seltsamen Regeln des Indexanbieters zu tun.

Beobachter reiben sich verwundert die Augen: General Electric (GE), eine 125-jährige Ikone der US-Wirtschaft, muss den bekannten Börsenindex Dow Jones Industrial Average (DJIA) mit Wirkung zum 26. Juni verlassen. Das teilte der Indexanbieter S&P Dow Jones Indices in einer Pressemitteilung mit. Damit bricht das Indexkomitee mit seiner eigenen Historie, denn nach den Worten von David Blitzer, Managing Director und Vorsitzender des Gremiums, war GE bereits 1896 Gründungsmitglied der DJIA und seit 1907 ununterbrochen Mitglied. Von 1993 an war der Technologieriese mit kurzen Unterbrechungen sogar das wertvollste börsennotierte Unternehmen der USA. Allerdings lässt der Aktienkurs von GE bereits seit Langem kräftig Federn: Seit dem Jahr 2000 hat die GE-Aktie um 80 Prozent eingebüßt. Mit weniger als 13 Dollar ist sie heute der niedrigste aller 30 Dow-Jones-Titel.

Bedeutung des Gesundheitswesens durch WBA im Dow Jones festgehalten

Für GE wird nach den Angaben Betreibers der US-Apothekenkonzern Walgreens Boots Alliance (WBA) in den 30 Werte umfassenden Index einziehen. Der Austausch soll den Wandel in der nordamerikanischen Wirtschaft widerspiegeln. Die Bereiche Konsum, Finanzen, Gesundheitswesen und Technologie hätten mittlerweile ein stärkeres Gewicht, während die relative Bedeutung der Industrieunternehmen wie GE abgenommen habe. Mit dem Einzug von WBA werde der Index daher „repräsentativer für die US-Wirtschaft und die zunehmende Bedeutung des Gesundheitswesen.“

Eigentlich ist General Electric größer

Erstaunlich ist der Wechsel dennoch, denn GE bringt es trotz des Kursverfalls immer noch auf eine Börsenkapitalisierung von 112 Milliarden Dollar, während es WBA „nur“ auf 64 Milliarden Dollar schafft. Die Börsen- oder Marktkapitalisierung gibt den Gesamtwert aller im Umlauf befindlichen Aktien eines Unternehmens wider. Allerdings spielt dieses Kriterium, im Gegensatz zu anderen Börsenindizes, bei der Besetzung des DJIA keine Rolle. Laut S&P Dow Jones Indices ist der DJIA ein preisgewichteter Index, bei dem die Höhe des aktuellen Aktienkurses entscheidend ist. Der niedrige Kurs der GE-Aktie habe zur Folge, dass das Unternehmen in dem Index mit weniger als einem Prozentpunkt gewichtet sei. Der Aktienkurs von WBA liegt derzeit hingegen bei 64,60 Dollar.

Fachleute halten eine derartige Betrachtungsweise für überholt, da der Aktienkurs eine rein „optische“ Betrachtungsweise darstelle. So nehmen manche Unternehmen einen sogenannten Aktiensplit vor, um eine optisch teure Aktie „billiger“ zu machen. Hat ein Unternehmen beispielsweise 1000 Aktien im Wert von jeweils 1000 Euro im Umlauf, verfügt es über eine Börsenkapitalisierung von einer Million Euro. Nimmt dieses Unternehmen nun einen Split im Verhältnis von 1:10 vor, so kostet eine Aktie nurmehr 100 Euro, ist also optisch billiger. Auf der anderen Seite gibt es damit aber auch zehnmal mehr Aktien, also 10.000 Stück. Die Börsenkapitalisierung von einer Million Euro bleibt dabei unverändert.


Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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