Seit dem 1. Juni

Stada vertreibt Parkinsonmittel Apo-go wieder selbst 

Stuttgart - 15.06.2018, 13:50 Uhr

Stada will das zentrale Nervensystem (ZNS) in Zukunft  zu einem Schwerpunkte im Bereich Spezialpharmazeutika machen. (Foto: imago)

Stada will das zentrale Nervensystem (ZNS) in Zukunft  zu einem Schwerpunkte im Bereich Spezialpharmazeutika machen. (Foto: imago)


Seit Anfang Juni wird das Parkinsonmittel Apo-go® auch in Deutschland wieder von Stada selbst vertrieben. Das teilte das Unternehmen am heutigen Freitag mit. Für den deutschen Vertrieb war seit dem Jahr 2016 die Grünenthal GmbH verantwortlich. Nun hole man dasArzneimittel in die Produktfamilie im Zuge der strategischen Neuausrichtung zurück, heißt es.

Apo-go® enthält den Wirkstoff Apomorphin und wird zur Behandlung von motorischen Fluktuationen („ON-OFF“-Phänomen) bei Parkinson-Patienten, die durch orale Antiparkinsonmittel nicht ausreichend behandelbar sind. Die Apo-go®-Familie besteht aus drei Produkten: Apo-go® Ampullen 10 mg/ml Injektions-/Infusionslösung, Apo-go® Pen 10mg/ml Injektionslösung und APO-go 5mg/ml Infusionslösung in einer Fertigspritze sowie dazugehörigen Medizinprodukten, zum Beispiel der spezifischen Crono Apo-go® III Pumpe oder der Crono Apo-go® 50 Pumpe.

Apo-go® mit dem Wirkstoff Apomorphin ist beim Stada-Tochterunternehmen Britannia Pharmaceuticals Ltd angesiedelt und ging im Jahr 2007 mit der Übernahme von Britannia in das Stada-Portfolio über. Für den deutschen Vertrieb war seit dem Jahr 2016 die Grünenthal GmbH verantwortlich. Nun holt Stada das Mittel zurück. Wie das Unternehmen am heutigen Freitag mitteilte, hat die auf Spezialpharmazeutika ausgerichtete Tochtergesellschaft Stadapharm GmbH seit dem 1. Juni den Vertrieb in Deutschland übernommen. Im Geschäftsjahr 2017 war Apo-go® mit 68,2 Millionen Euro nach eigener Aussage das umsatzstärkste Produkt des Stada-Konzerns. Das Präparat wird insgesamt in 30 Ländern von Unternehmen und Partnern der Stada-Gruppe unter den Namen Apo-go®, Movapo® und Apokyn® vertrieben.

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„Das zentrale Nervensystem (ZNS) wird in Zukunft neben Onkologie, Diabetes und Ophthalmologie einer unserer Schwerpunkte im Bereich Spezialpharmazeutika sein. Vor diesem Hintergrund ist es ein sehr wichtiger Schritt, dass wir unser aktuell umsatzstärkstes Spezialpharmazeutikum in möglichst vielen Ländern selbst vertreiben“, erläutert Stada-CEO Dr. Claudio Albrecht. „Die Internationalisierung erfolgreicher Produkte ist für Stada, neben den Biosimilars, einer der Geschäftsbereiche mit dem größten Wachstumspotential“, so Albrecht weiter.

So wirkt Apomorphin

(D-)Apomorphin wirkt als Agonist an zentralen D2-Rezeptoren sowie als Partialagonist an zentralen D1-Rezeptoren. Obwohl es sich um ein Morphinderivat handelt, interagiert die Substanz nicht mit Opioidrezeptoren. Aufgrund der Nebenwirkungen – Apomorphin wirkt zum Beispiel stark emetogen – gilt die Substanz als Reservemittel bei Parkinson. Um Erbrechen vorzubeugen wird in er Regel mit Domperidon vorbehandelt, MCP ist als Dopaminantagonist bei Parkinson keine Option.

Die stark emetogene Wirkung macht man sich anderswo zunutze: So wird Apomorphin bei Intoxikationen zum Auslösen von Erbrechen verwendet – allerdings nur noch in Ausnahmefällen, wenn zum Beispiel keine Magenspülung möglich ist.

Darüber hinaus wirkt Apomorphin proerektil. 2001 kamen mit Ixense und Uprima Fertigarzneimittel gegen erektile Dysfunktion auf den Markt. Sie enthielten 2 bzw. 3 mg Apomorphin. Der Hersteller hat die Zulassungen jedoch zurückgezogen. Als Begründung wurden kommerzielle Gründe angeführt. Die Konkurrenz durch die Phosphodiesterase-5-Hemmer Sildenafil und Co. könnte laut dem Schweizer Portal Pharma-Wiki eine Rolle gespielt haben. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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