Kleine Anfrage

FDP: Deutsche Versender leiden unter „Untätigkeit“ der Bundesregierung

Berlin - 11.06.2018, 17:50 Uhr

Die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus beschwert sich über die Untätigkeit der Bundesregierung im Versandhandelskonflikt. (Foto: Imago)

Die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus beschwert sich über die Untätigkeit der Bundesregierung im Versandhandelskonflikt. (Foto: Imago)


Außer der AfD haben inzwischen alle drei Oppositionsfraktionen im Bundestag Anfragen an die Bundesregierung wegen des Rx-Versandverbotes geschickt. Den Grünen teilte das Bundesgesundheitsministerium vor einigen Wochen mit, dass man sich noch im „Meinungsbildungsprozess“ befinde und ließ fast alle Fragen offen. Das gleiche Schicksal wiederfährt nun der FDP, deren Anfrage fast gänzlich unbeantwortet bleibt. Die Liberalen reagieren mit Unverständnis, schließlich werden deutsche Versender aus FDP-Sicht benachteiligt.

Nicht nur die Apotheker warten seit Wochen auf ein Signal aus dem Bundesgesundheitsministerium in Sachen Versandhandelskonflikt. Auch die Politik bohrt: Ende Februar schickten die Grünen mehrere Fragen zur Verfassungs- und Europarechtskonformität des im Koalitionsvertrag vorgesehenen Verbotes an das BMG. Das Ministerium von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) reagierte mit Pauschalantworten. Die einzige brenzlige Formulierung: Die Meinungsbildung zur Zukunft des Arzneimittel-Versandhandels sei noch nicht abgeschlossen – eine Aussage, die überraschte, schließlich steht das Rx-Versandverbot im Koalitionsvertrag.

Mit ähnlichen Fragen versuchte im Mai dann auch die FDP-Bundestagsfraktion, aus der Bundesregierung mehr Informationen herauszubekommen, wie der Sachstand beim Rx-Versandverbot nun ist. In ihrer Vorbemerkung merkte die Fraktion kritisch an, dass die Bundesregierung vor dem EuGH nicht nachweisen konnte, dass es einen Zusammenhang zwischen der Rx-Preisbindung und der flächendeckenden Versorgung gibt. Es folgten sieben Fragen an das BMG. Es ging um die Vereinbarkeit mit dem Verfassungsrecht, das Honorargutachten der 2HM-Agentur, um die Stärkung der Apotheke vor Ort und alternative Maßnahmen zum Verbot.

Doch das Ministerium antwortete diesmal noch knapper als bei den Grünen. Zusammenfassend heißt es in der nun vorliegenden Antwort: „Der Meinungsbildungsprozess über die Umsetzung dieser Vereinbarung ist innerhalb der Bundesregierung noch nicht abgeschlossen. In den Meinungsbildungsprozess werden alle Möglichkeiten, die Apotheken vor Ort zu stärken, einbezogen. Die Bundesregierung beschließt nur Gesetzentwürfe, die aus ihrer Sicht mit dem Recht der Europäischen Union und nationalem Verfassungsrecht in Einklang stehen.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

Investoren? Benachteiligung?

von Pharmi am 12.06.2018 um 10:53 Uhr

Fast alle Versender, auch deutsche, können dich auf Investoren zurück greifen... Welche Benachteiligung also? Allein vor Ort Apotheken haben da einen Nachteil...
Der RX Anteil scheint dort doch generell sehr gering sein. War es nicht nur 0.5% bei Apo Rot?

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Wenn sich die deutschen Versender....

von Hubert Kaps am 12.06.2018 um 9:07 Uhr

.....soooo benachteiligt fühlen würden, wären sie doch längst vor den EuGH gezogen- Stichwort Inländerbenachteiligung.
Ach, die FDP kann eben nicht anders, Großkonzern first, Nachdenken second.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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