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Arzneimittel-Drohnen kämpfen mit Startproblemen

München - 08.06.2018, 16:30 Uhr

Amazon und DHL haben sie schon getestet: Paket-Lieferung per Drohne. In einigen Ländern gibt es auch erste Versuche, Arzneimittel per Drohne zu verschicken. (Foto: Imago)

Amazon und DHL haben sie schon getestet: Paket-Lieferung per Drohne. In einigen Ländern gibt es auch erste Versuche, Arzneimittel per Drohne zu verschicken. (Foto: Imago)


Vor einigen Jahren kündigte der Onlinehändler Amazon publikumswirksam den Einsatz von Drohnen für die Paketbelieferung seiner Kunden an. Auch für die Versorgung mit Arzneimitteln kommen die autonomen Lufttaxis immer wieder ins Gespräch, mehrere Pilotversuche wurden bereits gestartet. Doch während in den hoch regulierten Ländern Europas und der USA vor allem behördliche Vorgaben einen flächendeckenden Einsatz bislang erschweren, zeigt ein US-Start-Up-Unternehmen in Afrika, wie die Medikamentenversorgung künftig organisiert sein könnte.

Geht es nach einigen Unternehmen im Arzneimittel- und Apothekenmarkt, könnte die Arzneimittelversorgung von morgen wie folgt aussehen: Ein Patient bestellt im Internet bei „Amazon Exclusive Prime Air“ eine Packung Schmerzmittel. Im Lager des Versandhändlers wird eine Drohne mit dem Arzneimittel bestückt und der Flugcomputer mit den Koordinaten des Bestellers gefüttert. Die Drohne hebt ab, sucht sich selbstständig ihren Weg zum Patienten und wirft das Päckchen mit dem Arzneimittel vor seiner Haustür ab.

Zugegeben, noch handelt es sich hierbei um ein fiktives Szenario. Doch möglicherweise ist der Tag nicht mehr fern, an dem die Idee zur Realität wird. „Ready to get your drugs by drone? Why Amazon plan could be game-changer”, titelte bereits 2015 das US-Magazin Forbes und beschrieb, wie der Onlinehändler die Arzneimittelversorgung in der Zukunft umkrempeln könnte. Den Anlass hatte Amazon zuvor selbst geliefert, als der Konzern Ende 2013 in einer viel beachteten Marketingaktion angekündigt hatte, online bestellte Waren künftig auch per Lastendrohne ausliefern zu wollen. Konzernchef Jeff Bezos zeigte sich damals überzeugt, dass „Amazon Prime Air“ in die Luft geht: „Es wird funktionieren, es wird passieren, und es wird ein großer Spaß werden“, so Bezos. Am 7. Dezember 2016 lieferte das Unternehmen auf diesem Wege das erste Paket aus. Branchenkenner skizzierten daraufhin zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten für den Einsatz von Drohnen. Die aufregendste und wichtigste aber, so das Fazit, sei die Belieferung von Arzneimitteln auf dem Luftwege.

Ruanda: Arzneimittel aus der Luft

In einigen Regionen der Welt ist diese Vision der Arzneimittel-Luftbelieferung bereits Realität geworden. So arbeiten die Regierungen der afrikanischen Länder Ruanda und Tansania seit einiger Zeit mit dem US-Startup-Unternehmen Zipline (http://www.flyzipline.com/) zusammen. Die Firma, die 2011 von Mitarbeitern von Firmen wie SpaceX, Boeing, Google und Willow Garage gegründet worden ist und bislang rund 43 Millionen Dollar an Kapital eingesammelt hat, hat sich zur Aufgabe gemacht, Blutkonserven und lebenswichtige Arzneimittel aus Versorgungszentren in schwer erreichbare und schlecht angeschlossene Gebiete zu fliegen. Ziplines selbst formulierte Vision ist es, ein Sofort-Liefersystem für die gesamte Welt aufzubauen.

Das erste konkrete Projekt von Zipline in Ruanda startete im Oktober 2016. Wie DAZ online im April 2018 berichtete, schloss die Regierung einen Vertrag über die Schaffung eines Versorgungszentrums, aus dem Drohnen Blut- und Plasmakonserven in abgelegene Regionen fliegen. Nach einem Katapultstart fliegt die Drohne, die einem ferngesteuerten Flugzeug ähnelt, mit einer Geschwindigkeit von bis zu 120 Stundenkilometern zur Klinik und wirft die mit einem Mini-Fallschirm versehene Tüte über einem vereinbarten Ort ab.

Inzwischen plant das Unternehmen nach eigenen Angaben zusammen mit der Regierung von Tansania, auch für dieses ostafrikanische Land einen Lieferservice für „kritische und lebensrettende Medikamente“ aufzubauen. 



Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Bedrohung durch Arzneimitteabwurf bei Drohnenbelieferung!?

von Heiko Barz am 09.06.2018 um 18:41 Uhr

Befriedigung eines durch digitale Phantasien erzeugten Spieltriebs.
Abwerfen des Medikamentes vor der Lieferadresse?
Ade, Arzneimittelsicherheit!
Was wird denn die beschriebene Schmerztablettenlieferung via Drohe kosten? Bisher unkalkulierbar!
Vorschlag: Anruf beim Dienstapotheker, während dieser das Arzneimittel bearbeitet und verpackt steht die bestellte Taxe vor der Tür, danach direkte BeLieferung von Hand zu Hand an der Adressentür des Auftraggebers. Datenschutz?
Das Problem, um das sich eigentlich alles dreht, ist, dass der Besteller die auflaufenden Kosten der Lieferkette natürlich nicht bezahlen wird. Und man stelle sich vor, es käme noch eine Nachttaxe obendrauf. Um Gottes Willen!

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