Überschießende Immunreaktionen 

FDA warnt vor schwerer Lamotrigin-Nebenwirkung

Stuttgart - 04.06.2018, 10:15 Uhr

Die FDA warnt vor einer seltenen, aber schwerwiegenden unerwünschten Wirkung von Lamotrigin (Foto: Stockfotos-MG / stock.adobe.com)                                      

Die FDA warnt vor einer seltenen, aber schwerwiegenden unerwünschten Wirkung von Lamotrigin (Foto: Stockfotos-MG / stock.adobe.com)                                      


Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde informiert über eine seltene, aber schwerwiegende unerwünschte Wirkung von Lamotrigin: der hämophagozytischen Lymphohistiozytose (HLH). Durch eine Überaktivierung des Immunsystems kann diese lebensbedrohlich werden. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) hat die Warnung aufgegriffen.

Lamotrigin wird unter anderem bei Epilepsien bei Kindern und Erwachsenen sowie bei bipolaren Erkrankungen bei Erwachsenen eingesetzt. Wie die AkdÄ berichtet, weist die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA nun auf das Risiko einer HLH hin – eine seltene aber schwerwiegende Nebenwirkung, die im Zusammenhang mit der Einnahme von Lamotrigin beobachtet wurde und innerhalb von Tagen bis Wochen nach Behandlungsbeginn auftreten kann. Durch eine Überaktivierung des Immunsystems kann sie lebensbedrohlich werden. Auslöser dieser Überaktivierung können infektiöse, autoimmune sowie maligne Erkrankungen sein. Die überschießende Immunreaktion geht mit Hyperinflammation, Zytokinsturm und immunvermittelten Organschäden einher und äußert sich vor allem durch anhaltendes Fieber, Bi- oder Panzytopenie sowie Hepatosplenomegalie. Allerdings sind die Symptome unspezifisch, was die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen oft schwierig macht.

Die AkdÄ zählt acht Symptome auf. Wenn ein Patient fünf davon zeigt, wird die Diagnose HLH gestellt:

  • Fieber und Hautausschlag
  • Splenomegalie
  • Zytopenien
  • Hypertriglyzeridämie oder Hypofibrinogenämie
  • stark erhöhte Ferritinwerte im Blut
  • mikroskopisch Hämophagozytose in Knochenmark, Milz oder Lymphknoten
  • Aktivität von natürlichen Killerzellen erniedrigt oder nicht nachweisbar
  • löslicher Interleukin-2-Rezeptor (CD25) im Blut erhöht

Unbehandelt Mortalität bei 95 Prozent

Behandelt wird mit einer immunmodulatorischen / immunsuppressiven Therapie. Unbehandelt liegt die Mortalität bei 95 Prozent. Eine frühe Diagnose und Therapie sind entscheidend für die Prognose. Treten bei Patienten unter Lamotrigin-Therapie unerklärbares Fieber oder Hautausschlag auf, sollen diese umgehend untersucht werden. Besteht der Verdacht, dass HLH oder andere Immunreaktionen die Ursache dafür sind, soll das Arzneimittel abgesetzt werden.

Zudem rät die FDA, Patienten bzw. ihre Eltern oder Pflegeberechtigten über diese seltene Nebenwirkung aufzuklären und ihnen nahezulegen, dass sie sich beim Auftreten von Symptomen, die auf eine HLH hindeuten, sofort ärztliche Hilfe suchen sollen.

Lamotrigin hat einen wichtigen Stellenwert in der Therapie der Epilepsie. So gilt es beispielweise als Mittel der Wahl in der Schwangerschaft.


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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