DAZ.online-Themenwoche Digitalisierung

eGK: Ministerium gesteht „erhebliche Verzögerungen“ ein

Berlin - 04.06.2018, 12:00 Uhr

Wird das noch was mit der eGK? Fragte sich die FDP-Bundestagsfraktion die Regierung in einer kleinen Anfrage. In seiner Antwort gab das BMG Versäuminsse bei der Entwicklung der eGK zu. (Foto: Imago)

Wird das noch was mit der eGK? Fragte sich die FDP-Bundestagsfraktion die Regierung in einer kleinen Anfrage. In seiner Antwort gab das BMG Versäuminsse bei der Entwicklung der eGK zu. (Foto: Imago)


Zu Beginn der DAZ.online-Themenwoche zur Digitalisierung sind wir der Frage nachgegangen, welche Baustellen es noch im Bereich der Telematikinfrastruktur gibt. Damit das Kommunikationsnetz auch für die Patienten von Vorteil sein kann, wird auch eine leistungsfähige elektronische Gesundheitskarte (eGK) benötigt. In einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine FDP-Anfrage wird nun aber klar: Nach 14 Jahren Planungszeit sind nur minimale Fortschritte bei der eGK zu erkennen. Das BMG gibt zu, dass die Entwicklung der eGK alles andere als nach Plan verlief und kündigt weitere Verzögerungen an.

Sie soll der Universalschlüssel zur digitalen Gesundheitswelt sein – das verspricht die elektronische Gesundheitskarte (eGK) seit 14 Jahren. Die Entwicklung verlief schleppend und bisher sind auf der Karte lediglich Versichertenstammdaten abzulesen. Inzwischen haben sich die Nutzergewohnheiten sowie die Sicherheitsanforderungen in der digitalen Welt verändert. Experten bezweifeln, dass die Chipkarte zur Verwaltung von Patientendaten im Zeitalter der mobilen Apps und versierten Hacker noch zeitgemäß ist. Vor einigen Tagen stellte die FDP-Bundestagsfraktion eine Kleine Anfrage zur Zukunftsfähigkeit der elektronischen Gesundheitskarte.

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Ausbau der Telematik kostete bisher rund 1,5 Milliarden Euro

Dabei hinterfragten die Freien Demokraten unter anderem, ob die Entwicklungskosten im Verhältnis zum erwarteten Nutzen stehen. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) antwortet zwar nicht direkt darauf, welche Kosten bisher entstanden seien. „Die Kosten für den Aufbau der Telematikinfrastruktur und die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte sind von den konkreten Entscheidungen der Selbstverwaltung abhängig“, erklärt der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Thomas Gebhardt (CDU).

In einem anderen Zusammenhang erwähnt Gebhardt allerdings, dass die Gematik seit ihrer Gründung im Jahre 2005 vom GKV-Spitzenverband 606 Millionen Euro erhalten habe, um die Telematikinfrastruktur aufzubauen. Zudem habe jede Praxis  im Rahmen der Finanzierungsvereinbarungen des GKV-Spitzenverbandes einmalig 4030 Euro für die Installation der Hard-und Software sowie monatlich 91,50 Euro als laufende Betriebskosten erhalten. Aus einer weiteren Teilantwort geht hervor, dass inzwischen 17.000 Praxen an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen seien.  Zusammengerechnet dürften die Kosten folglich etwa 1,5 Milliarden Euro betragen. 

Die Frage der Freien Demokraten, welche Kosteneinsparungen durch die eGK künftig zu erwarten seien, kann das BMG allerdings nicht beantworten. „Die Antworten der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Zukunft der elektronischen Gesundheitskarte“ (Drs. 19/2082) offenbaren ein großes Desaster“, kommentiert der FDP-Bundestagsabgeordnete Dr. Wieland Schinnenburg, auf dessen Initiative die kleine Anfrage zurückgeht.

Nur ein Anbieter für Hardware-Konnektor

Bisher ist also für teures Geld wenig passiert. Doch nach dem e-Health-Gesetz rückt die nächste Deadline unaufhaltsam näher: Bis Ende dieses Jahres sollen alle Arzt- und Zahnarztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sein. Medizinern drohen Honorarkürzungen, wenn sie die Frist nicht einhalten. Die oben genannten 17.000 Praxen, die bereits an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sind, bilden nach Informationen der FDP-Bundestagsfraktion nur etwa 12 Prozent der Arzt- und Zahnarztpraxen in Deutschland. Dabei sind Apotheken und Krankenhäuser noch nicht berücksichtigt. 

Und beim Telematik-Roll-out gibt es ein Nadelöhr. Und zwar ist der sogenannte Hardware-Konnektor, der für die Vernetzung erforderlich ist, bislang ausschließlich von der Firma Compugroup erhältlich ist, die dadurch eine Art Monopolstellung hat. Die FDP wollte daher wissen, ob noch ausreichend Hardware-Konnektoren zur Verfügung stehen, um die verbleibenden 88 Prozent der Praxen auszustatten.  

Das BMG ist diesbezüglich optimistisch: „Die Bundesregierung geht davon aus, dass ab Mitte 2018 weitere Anbieter Konnektoren am Markt anbieten werden. Die Bundesregierung wird die Verfügbarkeit der für die Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Krankenhäuser erforderlichen Ausstattung intensiv verfolgen, um gegebenenfalls rechtzeitig handeln zu können.“



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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