Kommentar zur Monopolkommission

Wenn ihr für den Buchhandel kämpft, dann kämpft auch für die Apotheken!

Stuttgart - 01.06.2018, 07:00 Uhr

Die Preisbindung soll für Vielfalt im Buchmarkt sorgen, weil sie den unabhängigen
Buchhandel und die Verlage als Garanten dafür schützen soll. Die Monopolkommission sieht das anders. (Foto: PANORAMO / stock.adobe.com)

Die Preisbindung soll für Vielfalt im Buchmarkt sorgen, weil sie den unabhängigen Buchhandel und die Verlage als Garanten dafür schützen soll. Die Monopolkommission sieht das anders. (Foto: PANORAMO / stock.adobe.com)


Nach dem EuGH-Urteil zu den Arzneimittelpreisen sei auch auch die Buchpreisbindung nicht mehr haltbar – das tat die Monopolkommission bereits im Herbst 2016 kund. Nun untermauert sie ihre Auffassung mit einem Gutachten, in dem sie explizit die Abschaffung der festen Buchpreise fordert. Von der Bundesregierung gibt es dafür Gegenwind in bemerkenswerter Weise. Skeptiker des Rx-Versandverbotes sollten sich die Argumentation genau ansehen, denn sie lässt sich auf den Apothekenmarkt übertragen. Ein Kommentar von DAZ-Herausgeber Dr. Benjamin Wessinger.

Die Monopolkommission – deren Aufgabe es ist, den Gesetzgeber „auf den Gebieten der Wettbewerbspolitik, des Wettbewerbsrechts und der Regulierung“ zu beraten – genießt in der Apothekerschaft einen eher zweifelhaften Ruf. Hat sie doch bereits 2006 unter anderem die Abschaffung des Fremd- und Mehrbesitzverbots gefordert, 2010 die Aufhebung der Preisbindung für Rx-Arzneimittel und nach dem EuGH-Urteil vom Oktober 2016 die Einführung einer rabattfähigen „Servicepauschale“ statt des heutigen Apothekenhonorars. Ein Rx-Versandverbot bezeichnete der Kommissionsvorsitzende als „schweren Eingriff“ und „falsches Signal“.

Nun hat sich die Kommission zur Preisbindung bei Büchern geäußert. Angesichts der oben nur kurz angerissenen Empfehlungen zum Arzneimittelmarkt verwundert es nicht, dass auch die Buchpreisbindung nicht das Wohlwollen der Wettbewerbshüter findet. Im Gegenteil, die Monopolkommission spricht sich für die Abschaffung aus – wie sie das auch schon im Jahr 2000 getan hat.

Für Apotheker bekommt diese Forderung dadurch eine besondere Bedeutung, dass sich die Kommission den Buchmarkt nicht etwa im Auftrag der Bundesregierung vorgenommen hat, sondern „aus eigenem Ermessen“ mit ausdrücklichem Verweis auf das EuGH-Urteil zur Arzneimittelpreisbindung.



Dr. Benjamin Wessinger, Herausgeber DAZ
redaktion@daz.online


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4 Kommentare

worst case?

von Christian Giese am 01.06.2018 um 16:28 Uhr

Die Monopolkommission schafft so Monopole!

Danke für den Kommentar Herr Dr. Wessinger.
A little bit worst case am Horizont?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Die letzten Bastionen werden abbruchreif geschossen!

von Heiko Barz am 01.06.2018 um 10:31 Uhr

Ihr letzter Abschnitt, sehr geehrter Kollege, stellt ja die konsequente Syntax Ihrer vorangegangenen Analyse dar. Es liest sich alles logisch und nachvollziehbar, nur diejenigen, die In bestimmten Kommissionen sitzen, wollen natürlich ihre Arbeitsplattform beweisen und man hat das Gefühl, dass jene seit langem schon einen - ihrem Nuveau unerklärlichen -unverständlichen Realitätsverlust erleiden.
Das geschriebene Wort ist, solange es sich in normaler Ebene bewegt, ein unbestrittenes Kulturgut. Dass nun gerade das berufsdeprimierende EU AM Urteil als rechtmäßige Basis dazu benutzt wird, das Kulturgut Buch den freien "Kräften" des
Marktes zu opfern, hat schon etwas Perverses.
Ich glaube nicht, das die Protagonisten der Monopolkommission in der Lage sind, eine Insulinverordnung mit dem Inhalt eines Buches zu vergleichen.
Zudem wüßte ich gerne, wer in persona in dieser Kommission sein Bewertungsfeld einnimmt, und in wie weit der politische Proporz dieses Gremium besetzt?

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Die letzten Bastionen werden abbruchreif

von Benjamin Wessinger am 01.06.2018 um 10:37 Uhr

Lieber Kollege Barz,
die Mitglieder der Kommission werden von der Bundesregierung ernannt. Ein Proporz ist dabei - soweit ich weiß - nicht festgeschrieben, traditionell besteht die Kommission aber aus 2 Wissenschaftlern/Professoren und 3 "Praktikern" aus der Wirtschaft. Der Vorsitzende wird von der Kommission gewählt.
Die aktuellen Mitglieder finden Sie unter http://monopolkommission.de/index.php/de/monopolkommission/mitglieder.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und wünsche ein schönes und erholsames Wochenende!
Ihr Bejamin Wessinger

AW: Die letzten Bastionen werden abbruchreif

von Heiko Barz am 01.06.2018 um 19:40 Uhr

Danke, auch Ihnen ein sommerliches Wochenende.
Mit freundlichen Grüßen
Heiko Barz

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