Hinweis an Apotheker

Lynparza: Neue Darreichungsform erhöht Risiko für Medikationsfehler

Stuttgart - 29.05.2018, 16:15 Uhr

Tablette und Kapsel (Symbolbild) dürfen bei Lynparza nicht ausgetauscht werden. (Foto: fovito / stock.adobe.com) 

Tablette und Kapsel (Symbolbild) dürfen bei Lynparza nicht ausgetauscht werden. (Foto: fovito / stock.adobe.com) 


Olaparib (Lynparza®) in Kapselform ist seit Dezember 2014 zentral zugelassen. Im Juni sollen nun zusätzlich Tabletten auf den Markt kommen. Weil sie sich in der Dosierung und der Bioverfügbarkeit von den Kapseln unterscheiden, dürfen die beiden Darreichungsformen weder 1:1 noch auf Milligrammbasis ausgetauscht werden. In einem Rote-Hand-Brief werden Ärzte und Apotheker nun auf das erhöhte Risiko für Medikationsfehler hingewiesen. 

Olaparib ist ein antitumoraler und zytotoxischer Wirkstoff aus der Gruppe der PARP-Inhibitoren. Die Wirkung beruht auf der Hemmung der PARP-Enzyme (PARP: Poly-(ADP-Ribose)-Polymerase), die an der DNA-Transkription, der Zellzyklusregulation und der DNA-Reparatur beteiligt sind. Der Wirkstoff wird unter anderem als Erhaltungstherapie bei bestimmten Formen des Ovarial- und Eileiterkarzinoms eingesetzt.

Bislang ist er in Form von Kapseln unter dem Handelsnamen Lynparza® erhältlich. Sie enthalten 50 mg Wirkstoff pro Kapsel. Im Juni soll nun eine weitere orale Darreichungsform eingeführt werden, die  sich sowohl hinsichtlich der Wirkstärke – 100 und 150 mg – als auch in der Bioverfügbarkeit von den  Kapseln unterscheidet. Die beiden Darreichungsformen dürfen laut Hersteller nicht 1:1 ausgetauscht werden. Und auch ein Austausch nur anhand der Dosis (Milligramm pro Milligramm) ist nicht möglich. Aufgrund unterschiedlicher Bioverfügbarkeiten besteht dann das Risiko einer Über-  beziehungsweise Unterdosierung. 

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Um Medikationsfehler zu vermeiden, hat der Hersteller Astra Zeneca in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Fachkreise mittels Rote-Hand-Brief über das Problem informiert. Auch die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker veröffentlichte eine entsprechende Information. Ärzte  sollen bei jeder  Verschreibung die Darreichungsform und die Dosierung  genau festlegen, heißt es  in dem Schreiben. Und Apotheker sollten sicherstellen, dass die korrekte Darreichungsform und Dosierung an die Patientinnen abgegeben wird. Zudem sind die Heilberufler aufgefordert, ihre Patientinnen über die richtige Dosierung, die sie als Kapseln oder Tabletten einnehmen sollen, zu informieren. Bei Umstellung von Kapseln auf Tabletten (oder vice versa), sei zu erklären, wie sich die Dosierungen in Milligramm bei den beiden Darreichungsformen unterscheiden. 

Anwendungshinweise zu Lynparza (Quelle: Rote-Hand-Brief)

Fach- und Gebrauchsinformationen, sowie die Faltschachtel beider Lynparza®-Darreichungsformen sollen entsprechende Hinweise zum Risiko beinhalten. Die AMK bittet zudem, unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Medikationsfehler unter der Therapie mit Olaparib unter www.arzneimittelkommission.de zu melden


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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