Chinesisches Start-up iCarbonX

Mit smarten Haushaltsgeräten zur Frühdiagnose von Krankheiten

Shenzhen - 25.05.2018, 10:45 Uhr

Mit Hilfe von DNA-, Speichel-, Blut- oder Urinproben will das chinesische Start-up iCarbonX für Nutzer eine digitale Karte des Körpers 

Mit Hilfe von DNA-, Speichel-, Blut- oder Urinproben will das chinesische Start-up iCarbonX für Nutzer eine digitale Karte des Körpers 


Wang Jun, Gründer des chinesischen Start-ups iCarbonX, will in den nächsten fünf Jahren Gesundheitsdaten von bis zu einer Millionen Chinesen zusammentragen und auswerten –  unter anderem über smarte Geräte im Haushalt, zum Beispiel Toiletten, die Urin analysieren. Das Ziel ist die Frühdiagnose von Krankheiten. Eine öffentliche Debatte über Datenschutz findet in China praktisch nicht statt. 

iCarbonX hat sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Daten über den Zustand des menschlichen Körpers zu sammeln und zur Frühdiagnose von Krankheiten zu verwenden. Das 2015 gegründete chinesische Start-up, das am Freitag auf dem Programm der China-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel im südchinesischen Shenzhen stand, will es seinen Kunden ermöglichen, jederzeit über ihren Gesundheitszustand informiert zu sein. Etwa mit Hilfe von DNA-, Speichel-, Blut- oder Urinproben soll für Nutzer eine digitale Karte des Körpers geschaffen werden, die über die Gesundheit informiert und bei Krankheiten frühzeitig warnt.

Gründer Wang Jun beschäftigt nach eigenen Angaben mehrere hundert Mitarbeiter und sammelte in den ersten Finanzierungsrunden mehr als eine Milliarde US-Dollar Kapital ein. Der 41-Jährige Biologe und Computerfachmann will in den nächsten fünf Jahren Gesundheitsdaten von bis zu einer Millionen Chinesen zusammentragen und auswerten. Dazu kooperiert iCarbonX etwa mit Fitnessclubs, Kliniken und hat auch in Großstädten eigene Messstationen eröffnet. 

Langfristig sollen Daten über smarte Geräte im Haushalt gesammelt werden. Die Toilette könnte etwa den Urin analysieren, die Zahnbürste untersucht den Speichel und der Spiegel im Bad scannt mit einer 3D-Kamera den Zustand der Haut.

Vor allem ausländische Beobachter und Menschenrechtler sehen den sorglosen Umgang mit Daten in China sowie die massive Überwachung durch den Staat kritisch. Eine öffentliche Debatte über Datenschutz wird im bevölkerungsreichsten Land der Welt praktisch nicht geführt. Die Regierung arbeitet derzeit auch an einem sogenannten Sozialpunktesystem, das alle möglichen Daten der Bürger zusammenführt und auswertet. Das nationale Bewertungssystem, das an die totale Überwachung in George Orwells Roman „1984“ erinnert, soll ab 2020 zwischen guten und schlechte Bürgern oder Unternehmen entscheiden - und damit darüber, wer einen Job, einen Auftrag oder einen günstigen Kredit bekommt. Potenziell hängt davon sogar ab, wer in ein Flugzeug steigen darf.


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