Vorsicht bei Wirkversprechen

Cannabidiol-Produkte bald in der Apotheken-Freiwahl?

Remagen - 10.04.2018, 10:15 Uhr

Ein Schweizer Unternehmen will schon bald Cannabidiol-Tinkturen in die Apotheken-Freiwahl bringen. Aber ist das erlaubt? DAZ.online hat recherchiert. (Foto: Imago)

Ein Schweizer Unternehmen will schon bald Cannabidiol-Tinkturen in die Apotheken-Freiwahl bringen. Aber ist das erlaubt? DAZ.online hat recherchiert. (Foto: Imago)


Ein Schweizer Unternehmen will drei Cannabis-Produkte in die Freiwahl deutscher Apotheken bringen. Zwei Cannabidiol-Tinkturen sind als Nahrungsergänzung deklariert und ein Hanfbalsam als „Nutrikosmetikum“. Ist das rechtens?

In Deutschland ist Cannabis seit März letzten Jahres als Ausnahmemedikation bei einer schwerwiegenden Erkrankung verordnungsfähig. Hierdurch können schwerkranke Patienten bei fehlenden Therapiealternativen Cannabis in Arzneimittelqualität zu medizinischen Zwecken erhalten. Aber nicht jedes Produkt aus Cannabis ist Medizinal-Cannabis. In der Hanfpflanze finden sich über 80 Cannabinoide und über 400 andere Wirkstoffe. Die wichtigsten Cannabinoide sind das berauschende Tetrahydrocannabinol (THC) und das nicht berauschende Cannabidiol (CBD), das zudem die psychotrope Wirkung des THC vermindert.

Vertrieb über die Apotheken

Wie die Ärztezeitung berichtet, schickt sich ein Schweizer Pharmaunternehmen an, hierzulande cannabishaltige Produkte ohne Arzneimittel-Status über die Apotheken zu vermarkten. DAZ.online hat nachrecherchiert, was es damit auf sich hat und ob das überhaupt zulässig ist.

Der Inverkehrbringer der Produkte ist die Medropharm Deutschland GmbH in Schwülper, einer Gemeinde im Landkreis Gifhorn in Niedersachsen. Sie ist Teil der Medropharm Gruppe mit Sitz in Kradolf-Schönenberg in der Schweiz. Medropharm Deutschland ist nach eigenen Angaben spezialisiert auf die Gewinnung, Produktion und Vermarktung von Cannabinoiden und Cannabinoid- haltigen Produkten pharmazeutischer Qualität, „die einen aktiven Beitrag zur Erhaltung von Gesundheit und Lebensqualität leisten“. 

Zwei Tinkturen, ein Balsam

Konkret bietet die Firma drei Cannabis-Produkte als Nicht-Arzneimittel an: Zwei davon, Cannabis Tinktur C1 5.25 % PG und Cannabis Tinktur C2 5.35 % Öl, sind als Nahrungsergänzungsmittel deklariert. Die Tinktur besteht aus einem aufgereinigten ethanolischen Extrakt, der bei einem Produkt in Propylenglykol und Ethanol und bei dem anderen in MCT (mittelkettige Triglyceride) Öl gelöst ist. Die Prozentangaben beziehen sich auf den Cannabidiol (CBD)- Gehalt der Tinkturen. Der Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) liegt unter 0.2 Prozent.

Für das dritte Produkt, das „Nutrikosmetikum“ CBD Skin Revitaliser werden als Inhaltsstoffe unter anderem ein nicht näher bezeichneter Extrakt aus Cannabis sativa Blüten/Kraut sowie Öl aus dem Samen angegeben. Die Formulierung soll beim Einmassieren entspannend und befreiend für Muskeln und Gelenke wirken.
Laut Ärztezeitung sollen Apotheker die Produkte über den Goslaer Pharmadienstleister und Spezialitätenhändler Med-X-Press beziehen können. Als Kosmetika und Nahrungsergänzungsmittel dürften Medropharms Cannabis-Präparate in der Freiwahl platziert werden. Die Medropharm Deutschland GmbH vertreibt diese auch über einen eigenen Online Store



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Dummen sterben dumm!

von Player am 20.09.2018 um 12:54 Uhr

Leute die glauben das Cannabis gefährlich ist, sind einfach nur dumm und von den Medien zu totallen idioten gemacht worden. Cannbis ist die beste Medizin! Die Pharma weiß das. Aber da es viel billiger und effektiver als die anderen Medikamente sind, wurde es auf der Politischen ebene verboten! Patiente sind Kunden und keiner will Kunden verlieren. Und wer damit Milliardengewinne macht, kann es auch auf Politischen ebene beinflüssen. Ja, Politiker sind bestächlich! ALLE! Lobiisten. Wieder was neues für euch???

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Cannabidiol gleich Kiffer

von Markus am 04.05.2018 um 16:04 Uhr

In der Apotheke, in der ich mich gestern nach CBD Produkte informieren lassen wollte, hob die Apothekerin ihre Hände hoch und sagte entsetzt "Sowas machen wir nicht"
Da kann man doch nur noch der CDU und CSU für ihre CannaPhobe Politik gratulieren.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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