„Jahrbuch Sucht“

Mortler: Weniger als 20 Cent für ein Bier sind zu wenig

Berlin - 28.03.2018, 16:45 Uhr

Marlene Mortler fordert höhere Preise für alkoholische Getränke. (Foto: imago)

Marlene Mortler fordert höhere Preise für alkoholische Getränke. (Foto: imago)


Mehr als zehn Liter reinen Alkohol trinken die Deutschen durchschnittlich pro Kopf im Jahr. Das ergaben die Zahlen des Jahrbuchs Sucht, das am heutigen Mittwoch vorgestellt wurde. Für die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), Grund genug, das Problem anzugehen. Neben höheren Preisen fordert sie auch, dass etwas gegen das omnipräsente Angebot an Alkohol unternommen werde.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, hat nach der Veröffentlichung des neuen Jahrbuchs Sucht höhere Preise für Bier und Schnaps in Deutschland gefordert. „Wir sollten darüber sprechen, ob Preise von weniger als 20 Cent für einen halben Liter Bier oder weniger als vier Euro für Spirituosen sein müssen“, sagte die CSU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Das Jahrbuch Sucht stellt jedes Jahr Statistiken zu legalen und illegalen Drogen in Deutschland zusammen und ergänzt sie mit eigenen Daten zur Suchthilfe. Danach konsumierten alle Bundesbürger über 15 Jahre im Schnitt rund 10,7 Liter reinen Alkohol - das entspricht einem gefüllten Eimer. Diese neuen Berechnungen beziehen sich laut Jahrbuch auf die jüngsten Zahlen für das Jahr 2015. Auch im internationalen Vergleich sei das ein sehr hoher Wert, sagte Ulrich John, Leiter des Instituts für Sozialmedizin an der Universität Greifswald, am heutigen Mittwoch bei der Vorstellung des Jahrbuchs in Berlin. Beim Thema Alkohol sei Deutschland ein Hochkonsumland.

Experte fordert Werbeverbot

Die Folgen des Alkoholkonsums sind dramatisch. So kommen laut Jahrbuch in Deutschland pro Jahr rund 10.000 Kinder alkoholgeschädigt auf die Welt. 2,65 Millionen Kinder wachsen in Deutschland mit alkoholkranken Eltern auf. Und acht Millionen Angehörige leiden an der Alkoholsucht eines Familienmitglieds mit - zum Beispiel durch Schamgefühle, Zukunftsängste und im Extremfall durch Gewaltausbrüche bis hin zu sexuellem Missbrauch.

„Wenn wir das ändern wollen, müssen wir mehr gegen die Omnipräsenz von Alkohol unternehmen“, sagte Mortler der „Passauer Neuen Presse“ (Donnerstagausgabe). „Permanentes Angebot schafft einfach Nachfrage. Ob an der Tankstelle, bei Familienfeiern oder auf Werbeplakaten.“

Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, forderte ein Werbeverbot für Alkohol und Zigaretten sowie eine vereinheitlichte höhere Steuer auf alle Alkoholika, bemessen nach Volumen Alkohol. Darüber hinaus verlangte er, dass alle Alkoholika nur an Erwachsene über 18 Jahre verkauft werden. Dass Wein und Bier in Deutschland ab 16 Jahren zu haben seien, wertete er als „absurd“.


dpa / DAZ.online
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

20 Cent ? Will ich auch.

von Apotheker B am 28.03.2018 um 22:28 Uhr

Im gegoogelten Angebot:
Ab 16 J. Artikelnr. xxxxxxxxxxxxxx
Hirnbacher Pills 20x0,5l Kiste
Grundpreis: 1.50 € / 1 Liter
Zzgl. Pfand: 3,10 €

Wo gibt es nur den Bölkstoff für 20 Cent zum abschädeln Frau Mortler? In Goa ist das vielleicht Wucher aber bei uns.
Ver... kann ich mich...
So klappt das nie mit der Anialkoholkampagne;...Prost!

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: 20 Cent ? Will ich auch

von Johann am 07.04.2018 um 13:35 Uhr

Als ob das eine Rolle spielen würde, ob das Bier jetzt 20 Cent oder 80 Cent kostet. Beides ist zu billig, vergleichen Sie mal die Preise international, auch in Verbindung mit der Kaufkraft.
Der Preiskampf schadet außerdem den vielen kleinen Brauereien.

Solange Alkohol an vielen Orten billiger ist als alkoholfreie Getränke, braucht man sich nicht wundern, dass Deutschland weltweit ganz oben ist beim Konsum – und ganz oben bei den schrecklichen Auswirkungen wie Gewalt, Unfällen und über 70.000 Toten jedes Jahr.

Man sieht es doch beim Tabak, dass ein höherer Preis weniger Konsum bedeutet. Mal schauen, wie lange die Alkoholindustrie es noch schafft, ihren massiven Einfluss auf die Politik zu halten.

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