Kommentar

Altarzneimittel gehören in die Apotheke!

Stuttgart - 22.03.2018, 17:50 Uhr

DAZ-Herausgeber Dr. Benjamin Wessinger meint, dass Apotheken nicht aktiv für den Entsorgungsweg Hausmüll werben sollten. (Foto: Imago)

DAZ-Herausgeber Dr. Benjamin Wessinger meint, dass Apotheken nicht aktiv für den Entsorgungsweg Hausmüll werben sollten. (Foto: Imago)


Ja, nicht mehr gebrauchte oder abgelaufene Arzneimittel können in den ganz normalen Hausmüll geschmissen werden – zumindest die meisten. Aber sollten die Apotheken – so wie jetzt in Hamburg – wirklich aktiv für diesen Entsorgungsweg werben? Nein, findet DAZ-Herausgeber Benjamin Wessinger.

Arzneimittelmüll gehört auf keinen Fall in die Toilette, und es ist richtig und wichtig, dass die Apotheken darauf hinweisen. Deshalb ist die aktuelle Aktion in Hamburg, an der die Apothekerkammer beteiligt ist, auch lobenswert. Und rein fachlich ist der Aufruf absolut korrekt, alte und abgelaufene Arzneimittel mit dem ganz normalen Haushalts-Restmüll zu entsorgen. Da diese Abfälle nicht mehr deponiert werden dürfen, sondern praktisch komplett verbrannt werden, sind dadurch keine Umweltprobleme zu erwarten.

Aber viele Menschen haben Hemmungen, ihre alten Tabletten, Säfte und Salben einfach in die Mülltonne zu schmeißen. Was ist, wenn spielende Kinder die Arzneimittel finden?, fragen sie sich. Ratschläge wie der, Tabletten aus dem Blister zu drücken und in feuchtes Zeitungspapier einzuwickeln, bestärken diese Vorbehalte eher noch – und machen die fachgerechte Entsorgung umständlich und kompliziert.

Jeden alten elektrischen Rasierer, jede Energiesparlampe, jede Batterie kann man in den Geschäften, in denen man sie gekauft hat, zur fachgerechten Entsorgung abgeben. Der logische Ort, wohin alte Arzneimittel gebracht werden sollten, ist die Apotheke!

Bis Mitte 2009 – die meisten Kollegen werden das noch wissen – haben die Apotheken die Altarzneimittel auch gerne angenommen. Denn damals wurden sie für die Apotheke kostenlos von der Firma Vfw Remedica abgeholt, die dafür spezielle Müllsäcke an die Apotheken geliefert hatte. Doch nach einer Änderung der Verpackungsordnung im Jahr 2009 müssen die Arzneimittel-Verpackungen über das Duale System entsorgt werden – das war das Aus für das Remedica-System, das sich auch über den Verkauf der reycelbaren Verpackungsmaterialien finanzierte. Das bundesweite Nachfolgesystem, bei dem die Apotheken die Entsorgungskosten trugen, ist inzwischen ebenfalls eingestellt worden.

Trotzdem sollten Apotheken aktiv dafür werben, alte Arzneimittel in die Apotheke zurückzubringen. Das stärkt auf der einen Seite die Kundenbindung, auf der anderen Seite betont es, dass Arzneimittel eben Waren der besonderen Art sind, die man nicht einfach wegwerfen sollte.


Dr. Benjamin Wessinger (wes)
redaktion@daz.online


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14 Kommentare

Arzneimittelentsorgung

von Andreas Wiegand am 26.03.2018 um 7:54 Uhr

Wie in Stuttgart werden ind München Altarzenimittel mit dem Restmüll verbrannt.
Für jede ApothekerIn ist es wichtig, Compliance der Patienten zu stärken. Je besser desto weniger Restbestände.
Altarzneimittel auf keinen Fall spenden. Das wird in armen Ländern nicht gebraucht.
Lassen sie uns alle daran arbeiten, dass Arzneimittel eine besondere Ware sind und daher kein Produkt zum Kaufen und Wegwerfen.

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Entsorgung über die Apotheke: meinetwegen. Kostenlos: nein!

von Thomas Luft am 24.03.2018 um 22:16 Uhr

Ja, Arzneimittel sind Waren der besonderen Art und nicht unbedingt mit Leuchtmitteln oder Batterien zu vergleichen. Trotzdem fallen Arzneimittelabfälle bei korrekter Einnahme so gut wie nicht an. Denn sie werden -wie Lebensmittel- verbraucht, verstoffwechselt und dann durch den Menschen dem Abwasser zugeführt.

Allerdings gibt es nun eben Menschen, die horten Arzneimittel, es könnte ja mal eine Knappheit eintreten (heute gar nicht so unwahrscheinlich, wenn man sich die Lieferengpässe und Kontingentierungen ansieht). Da finden dann Angehörige massenweise "Drogen", die sie loswerden wollen. Dass aber die Apotheke den Mist zurücknehmen und evtl. noch auf eigene Kosten entsorgen muss, kann und darf in der heutigen Zeit nicht mehr kostenlos sein! Jeder Entsorgungsbetrieb verlangt für seine Tätigkeit Geld. Wenn die Apotheke als Entsorger missbraucht wird, sollte sie es auch tun. Wollen wir die "kostenlos"-Mentalität nicht endlich loswerden? Reichen uns die "Gemeinwohlpflichten" nicht, die heute schon nicht kostendeckend sind? Nein, ich finde irgendwo ist Schluss: sollen die Leute zum Wertstoffhof fahren, wo sie den Kram in der Regel kostenlos abgeben können. Die Apotheke als Dienstleister für lau kann das (nicht mehr) leisten.

Herzliche Grüße aus dem -ebenfalls nicht kostendeckenden- Notdienst!

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Altarzneimittel

von Alexander Zeitler am 24.03.2018 um 4:34 Uhr

Wieder zurück ins Mittelalter?
Bin aus Stuttgart. Da wird der Müll verbrannt.
Das sollte die erste Fragestellung am jeweiligen Ort sein!!.
Welches Kind spielt denn im Müll(eimer) Denen muss es schon sehr langweilig sein

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Altarzneimittel in die Apotheke

von Dr. Bernd Schröder am 23.03.2018 um 14:04 Uhr

Seit Jahren bemühe ich mich ernsthaft, in meiner Apotheke einen guten hygienischen Standard einzuhalten. Die Rücknahme stark kontaminierter Arzneimittelreste erhöht den hygienischen Standard nicht. In einer hygienisch einwandfreien Büroetage kann man ohne Bedenken für die Rücknahme von Medikamenten von Tuberkulosepatienten, Pneumoniepatienten, Salmonelleninfizierten, Norovirus-Patienten plädieren. Ich spreche mich gegen die Rücknahme kontaminierter Altarzneimittel aus.

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AW: Altarzneimittel in die Apotheke

von Benjamin Wessinger am 23.03.2018 um 14:30 Uhr

Lieber Herr Schröder,
ich bin selbst auch Apotheker. In allen Apotheken, in denen ich bisher gearbeitet habe, wurden Altarzneimittel zurückgenommen. Hygienische Probleme sind dabei nie aufgetreten.
Herzliche Grüße
Ihr Benjamin Wessinger

AW: Altarzneimittel in die Apotheke

von Dr. Arnulf Diesel am 28.03.2018 um 13:56 Uhr

Sehr geehrter Herr Kollege Wessinger, an Ihrer Beruserfahrung zweifele ich nicht. Die Aussage, es habe nie Hygieneprobleme gegeben halte ich aber für nicht belegbar. Wenn Sie Beutel mit Altmedikamenten annehmen, müssen Sie zum Schutz der Mitarbeiter davon ausgehen, daß diese kontaminiert (Rektalsalben) bzw. gefährlich (Spritzen) sind. Da muß sich der Hygienebeauftragte und Inhaber einige Gedanken dazu machen.

Den entscheidenden Unterschied...

von Philip Prech am 23.03.2018 um 12:30 Uhr

...verschweigt Herr Wessinger hier allerdings. Die kostenlose Rücknahme von Elektrogeräten und Batterien muss von den Herstellern bezahlt werden, die dafür entsprechende Systeme aufgebaut haben. Sonst würde kein Händler seinen alten Rasierer annehmen. Aber Apotheken sollen natürlich auch noch die Entsorgung von Arzneimittelmüll auf eigene Kosten mitfinanzieren.

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Müll

von Dieter Dosquet am 23.03.2018 um 11:08 Uhr

ja, Waren der besonderen Art, wie alte Rasierer, Energiesparlampen und alte Batterien, ;-), In Apotheken sammeln, dann weiter irgendwohin um dann doch mit dem Restmüll gemischt zu werden um verbrannt zu werden. Der Argumentation kann ich nicht folgen.Ich habe auch in 30 Berufsjahren noch nie davon gehört, dass Kinder in Mülltonnen nach weggeworfenen Medikamenten suchen, eher von 30 Feuerwehrleuten, die Pikrinsäure entosrgen helfen. ALarm, Alarm

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Vergleich mit Elektro hinkt...

von Christian Becker am 23.03.2018 um 10:15 Uhr

Arzneimittel sind zum Verbrauch vorgesehene Waren, Fernseher, Kühlschränke etc. nicht.
Wenn wir also schon Vergleiche mit anderen Geschäften ziehen, dann doch bitte mit Supermärkten oder Baumärkten.
Ich habe noch nicht gehört, dass man alte Farben, Lacke, Tapetenreste etc. im Baumarkt kostenlos entsorgen kann. Ebensowenig freut man sich im Supermarkt, wenn man seine abgelaufenen Lebensmittel etc. dort vorbeibringt.

BTM annehmen und vernichten halte ich für sinnvoll, andere Medikamente sollen die Leute bitte selbst entsorgen - über den Problemmüllbus oder eben im Hausmüll.

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Altarzneimittel

von Ulrike Lepach am 23.03.2018 um 9:47 Uhr

Tatsächlich ist die Apotheke für die Entsorgung von Altarzneimtteln die richtige Anlaufstelle und die Kunden sind extrem verunsichert, wenn man ihnen rät, diese in Zukunft in den Restmüll zu geben. Wer garantiert denn, daß die Arzneimittel so nicht in Kinderhände gelangen, daß sich die Mitarbeiter der Abfallgesellschaft nicht an unsachgemäß entsorgten Spritzen verletzen oder dß nicht womöglich jemand wirkliche Gefahrstoffe (siehe Abgabe von Zyankali in einer Hamburger Apotheke in dieser Woche) im Restmüll entsorgt?
Die Frage ist allerdings, welche Möglichkeiten es als Alternative für die Apotheke gibt: Unser regionaler Abfallentsorger, die RSAG, konnte uns bei Anfrage keine andere Entsorgungsmöglichkeit nennen. Als Gewerbetreibender darf ich noch nicht einmal das Schadstoffmobil für gesammelte Altarzneimttel nutzen, das dürfen nur Privatpersonen mit entsprechenden Kleinmengen.
Was bleibt uns also anderes übrig, als den Kunden den Weg über die Restmülltonne zu empfehlen? Richtig finden wir das deswegen aber noch lange nicht.

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Vom Bund gekillt vom Bund zu korrigieren !

von Ratatosk am 23.03.2018 um 9:00 Uhr

Durch die Novelierung des Abfallgesetzes wurde die eingespielte Lösung vorsätzlich zerstört, dümmlicheres war kaum möglich.
Der Vorschlag die Apotheken sollen es wieder mal auf eigene Kosten hinbiegen macht sprachlos. Noch gar nichts über Politik und Verwaltug - GKV gelernt ?! Wir schicken alle zum Umweltmobil und klären die Kunden auf, wie es zu so einem Blödsinn kommen konnte. Die meisten Kollegen=innnen hier im Umfeld kriechen aber lieber vorm Kunden in der Hoffnung etwas Zuwendung, damit lädt man alle zum Tritt in den Allerwertesten ein. Die informierten Kunden verstehen es fast alle und sind in der Lage die Verantwortung für das Geschehen durchaus den Richtigen zuzuordnen.
Solche Forderungen jetzt aufzustellen bedeutet nur, daß per Verordnung uns die Kosten aufgedrückt werden - Versender bleiben dann natürlich fein raus, netter Nebeneffekt für willige Politiker die diese hoffieren. Niemand sonst macht so was kostenlos - und es soll ja nicht querfinanziert werden - warum eigentlich nicht, wenn es vernünftig gemacht wird. Sparkassen werden ja auch als kommunale Fußballsponsoren mißbraucht, da gehts dann einfach.

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Nein

von Karl Friedrich Müller am 23.03.2018 um 6:54 Uhr

Zu Problemstoffsammlungen.
Eine Apotheke ist eine Apotheke und keine Abfallabgabestelle.
Und - schon gar nicht umsonst. Mit diesem Wahn muss endlich aufgehört werden.

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Zurück in die Apotheke

von Conny am 22.03.2018 um 18:22 Uhr

Und dann ? Doc Morris zuschicken oder selber in die Restmülltonnen werfen? Dem Grosshandel zukommen lassen ?

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Bitte nicht über die Apotheke

von Friedemann Ahlmeyer am 22.03.2018 um 18:13 Uhr

Seit Hausmüll thermisch verwertet wird, können Arzneimittel problemlos über den Restmüll entsorgt werden. Warum also diese Mühe des Zurückbringens in die Apotheke?
Hinzu kommt: Ungefähr die Hälfte der Packungen, die zurückgebracht werden, stammen aus dem Supermarkt oder dem Drogeriemarkt. Und die vollsten Tüten erhalte ich von Leuten, die ich zuvor nie in der offizin gesehen habe.
Man kann es mit dem Umsonst-Service auch übertreiben.

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