Interpharm 2018

Subkutan ist oft eine Option

Berlin - 24.03.2018, 09:00 Uhr

Dr. Constanze Rémi auf der Interpharm in Berlin. (Foto: Schelbert)

Dr. Constanze Rémi auf der Interpharm in Berlin. (Foto: Schelbert)


Die richtige Darreichungsform für den richtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt – darum drehte sich der Vortrag von Dr. Constanze Rémi auf der Interpharm. Bei Palliativpatienten gilt es da manchmal kreativ zu werden. Die Apothekerin aus München wies darauf hin, dass eine subkutane Applikation oft eine gute Option sein kann – aus mehreren Gründen.

Was tun, wenn eine orale Arzneimitteltherapie nicht oder nicht mehr möglich ist? Es gibt viele Gründe dafür, dass dieser Fall eintritt. Es ist ein häufiges Szenario in der Palliativversorgung, da es bei gastro-intestinalen Tumoren in fortgeschrittenem Stadium häufig zu Übelkeit und Erbrechen kommt. Eine orale Therapie ist dann nicht mehr zuverlässig möglich. Eine gute Option könne in solchen Fällen die subkutane Gabe von Arzneimitteln sein, findet Dr. Constanze Rémi, die als Stationsapothekerin und Leitung der Arzneimittelinformation Palliativ am Klinikum Großhadern in München tätig ist. So seien die meisten Opioide für diesen Applikationsweg zugelassen, erklärte sie. Für viele andere Substanzen habe man mittlerweile gute Erfahrungen. Die Anflutung sei zwar langsamer als zum Beispiel bei der intravenösen Gabe, aber bei einer Dauertherapie spiele das keine Rolle.

Als Vorteil der subkutanen Gabe sieht Rémi unter anderem die dünnen Nadeln, die dabei eingesetzt werden. „Die tun wirklich nicht weh. Ich habe das selber ausprobiert. Ich kann ja nicht dem Patienten erzählen, dass es nicht wehtut, ohne das wirklich zu wissen.“ Als ganz großen Benefit dieser Applikationsroute betrachtet die Apothekerin aber, dass der Patient die Arme frei  hat – im Gegensatz zur intravenösen Gabe, bei der der Zugang im Regelfall im Arm oder in der Hand liegt. „Das kann insbesondere in den letzten Lebenstagen für manche wichtig sein,“ sagte sie. Zudem könnten die Patienten mit Hilfe von Pumpen, die es in handlicher Größe gibt, weiter zu Hause versorgt werden. 

Omeprazol-Suppositorien und Haloperidol Nasenspray

In der Palliativmedizin stößt man immer an Grenzen. Und zwar nicht nur, was die zugelassenen Indikationsgebiete der Fertigarzneimittel angeht. Off-label-Use sei an der Tagesordnung, eben zum Beispiel die subkutane Gabe dafür nicht zugelassener Arzneimittel, erklärte Rémi. Oft hapere es auch ganz an passenden Arzneiformen mit dem gewünschten Wirkstoff. „Als Apotheker schaut man in seinen Schrank und überlegt: Was gibt es für Handelspräparate? Wird man dort nicht fündig, schaut man in seine Rezeptur und überlegt, was man machen kann. Was bietet das NRF? Gibt es bereits Erfahrungen oder ist es ein erster Versuch? sind die Fragen, die man stellen sollte,“ erklärte Rémi. Sie berichtete von einem Fall, in dem dann Omeprazol-Suppositorien hergestellt wurden und der Patient zudem Haloperidol als Nasenspray bekam.

Zum Schluss wies die Apothekerin noch darauf hin, wo Kollegen in solchen Fällen Hilfe bekommen können – nämlich unter info@arzneimittel-palliativ.de. Über diese Adresse könnten sich Kollegen an die Arzneimittelinformation Palliativmedizin wenden. 


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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