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Ist das wirklich Nagelpilz?

Stuttgart - 14.05.2018, 17:30 Uhr

Symbolisches
Abbild der „horizontalen“ Übertragung von Dermatophyten. (Foto: benik.at / stock.adobe.com)

Symbolisches Abbild der „horizontalen“ Übertragung von Dermatophyten. (Foto: benik.at / stock.adobe.com)


Nur bei etwa der Hälfte aller Nagelveränderungen, die wie eine Nagelpilzinfektion aussehen, handelt es sich um eine Pilzinfektion. Grundsätzlich sind bakterielle Infektionen des Nagels seltener als mykologische. Doch was könnte es außerdem sein?

Während bei etwa der Hälfte aller pathologischen Nagelveränderungen, tatsächlich eine Onychomykose (Nagelpilz) vorliegt, können hinter 15 Prozent der pathologischen Nagelveränderungen zudem entzündliche oder Stoffwechselerkrankungen stecken. Bei weiteren fünf Prozent können Tumoren und Pigmentveränderungen zugrunde liegen; maligne Tumoren des Nagels werden teilweise erst nach etwa zwei Jahren korrekt diagnostiziert.

Klinische Diagnosestellung reicht nicht

Bei zwei Dritteln der Patienten, die an einer Psoriasis-Arthritis leiden und etwa 40 Prozent der Psoriasis-Patienten ohne Arthritis treten Nagelsymptome auf – unabhängig von der Schwere des Hautbefalls. 
Bei chronischen Nierenerkrankungen treten in bis zu 60 Prozent der Fälle sogenannten Muehrcke-Linien auf. Auch bei einer Sklerodermie entstehen Nagelveränderungen. Uhrglasnägel treten teils im Zusammenhang mit einem Cor pulmonale oder mit chronischen Lungen- und Darmerkrankungen, Tumoren, Herzklappenfehlern oder Morbus Basedow auf.

Eine rein klinische Diagnosestellung ist somit nicht ausreichend: Mykologische Laboruntersuchungen und ein kultureller Nachweis beim unbehandelten Patienten sollten zu Beginn die ärztliche Diagnose stützen.

Schön aber unhygienisch?

Künstliche Fingernägel sollen stärker als natürliche Nägel mit Bakterien (vor allem gramnegative Stäbchenbakterien) und Pilzen (vor allem Candida spp.) besiedelt sein.

(Foto: tamara83 / stock.adobe.com)

Bakterielle Nagel-Infektion

Nagelbettentzündungen können den Ausgangspunkt für bakterielle Nagelinfektionen bilden (Staphylococcus aureus, Streptococcus, Pseudomonas aeruginosa). Kleinere wiederholte Traumata, Feuchtarbeit, Psoriasis, Daumenlutschen, Diabetes mellitus und Immunsuppression begünstigen die Infektion. Typisch bei einer Pseudomonas-Infektion sind sogenannte „Green Nails“, eine grünliche Verfärbung des Nagels.

Zur Therapie der bakteriellen Nagelinfektion existieren keine kontrollierten klinischen Studien. Es wurde über eine erfolgreiche topische Therapie mit Nadifloxacin (Pseudomonas aeruginosa) berichtet. Auch eine 0,1%-ige Octenidin-Lösung scheint topisch wirksam zu sein. Systemisch wird bei bakterieller Infektion der Nägel mit Ciprofloxacin (Pseudomonas), beziehungsweise nach Antibiogramm behandelt.

Nagelveränderungen als Nebenwirkung

Im Vergleich zur intakten Haut kann die Nagelplatte 1000 Mal besser von Wasser durchdrungen werden. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich dort auch exogene Einlagerungen finden – wie Medikamente, Drogen oder beispielsweise Arsen.

Bei onkologischen Therapien treten in zehn bis 60 Prozent der Fälle Nagelsymptome auf. Immunsuppressiva und Chemotherapeutika schädigen die Nagelmatrix und verursachen „Beau-Reilsche Transversalfurchen“ und Onychomadese (reversible, schmerzlose, nichtentzündliche Ablösung der Nagelplatte).  


Diana Moll, Apothekerin und Volontärin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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