Einschätzung des Finanzvorstands

Shop Apotheke sieht sich durch Rx-Versandverbot nicht bedroht

Berlin - 19.02.2018, 11:00 Uhr

Das Lager der Shop-Apotheke in den Niederlanden. Wie schwer wiegen ihre verfassungsrechtlichen Bedenken gegen das Rx-versandverbot wirklich? (Foto: Shop Apotheke)

Das Lager der Shop-Apotheke in den Niederlanden. Wie schwer wiegen ihre verfassungsrechtlichen Bedenken gegen das Rx-versandverbot wirklich? (Foto: Shop Apotheke)


Mit Vorstellung des Koalitionsvertrags von Union und SPD am 7. Februar brach die Aktie der niederländischen Versandapotheke Shop Apotheke Europe ein. Finanzvorstand Dr. Ulrich Wandel sieht ein mögliches Rx-Versandverbot dennoch entspannt: „Wir treiben unsere europäische Wachstumsstory wie geplant voran“, sagt er im Interview mit dem Börsenmagazin „Der Aktionär“.

Am 7. Februar hatten Union und SPD ihren Koalitionsvertrag fertig geschnürt. Im Gesundheitskapitel wurde bekanntlich vereinbart, die Apotheke vor Ort zu stärken. Dafür setze man sich für ein Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel ein. Das ließ die Aktienkurse der börsennotierten europäischen Versandapotheken purzeln. Bei der Zur Rose Group, zu der DocMorris gehört, ging es nach unten. Ebenso bei der Shop Apotheke, die kürzlich die Europa Apotheek Venlo übernommen hat. Der Wert einer Aktie sank von einem Tag zu anderen von 45 auf 34 Euro.

Doch wie realistisch ist es überhaupt, dass das Rx-Versandverbot in Deutschland durchgesetzt werden kann? Und wie stark wären die großen Versender wirklich betroffen? Das fragte das Börsenmagazin „Der Aktionär“ den Finanzvorstand der Shop Apotheke, Dr. Ulrich Wandel.

Wandel betonte, dass das Versandverbot für rezeptpflichtige Medikamente höchst umstritten bleibe. Er sieht SPD, Krankenkassen und Verbraucherschützer weiter auf Seiten der Versandbefürworter. Zudem erklärt er: „Nachgewiesenermaßen nehmen etwa chronisch kranke Patienten, die von Online-Apotheken versorgt werden, regelmäßiger ihre Medikamente ein. Darüber hinaus hilft es Menschen, die mehrere Arzneimittel gleichzeitig nehmen müssen. Denn die günstigeren Preise führen zu einer Entlastung bei entsprechenden Zuzahlungen“. Wo dieser Profit für Chroniker belegt sein soll, bleibt im Interview offen. Dafür verweist Wandel auf die sonst bekannten Argumente gegen das Rx-Versandverbot: die verfassungs- und europarechtliche Bedenken, bis hin zu möglichen Staatshaftungsrisiken. Wandel: „Seit rund 14 Jahren ist der Versandhandel von Rx-Produkten erlaubt – es ist schwer vorstellbar, dass ein Verbot umgesetzt würde“.

Nur ein Viertel Rx-Geschäft

Trotz des Hinweises auf die verfassungsrechtlichen Bedenken – die Versender sehen hier die Berufsfreiheit und Eigentumsrechte verletzt – hält Wandel die Existenz der Shop Apotheke nicht für bedroht: „Denn gut dreiviertel unseres Geschäfts machen wir mit nicht rezeptpflichtigen Medikamenten und Pflegeprodukten in ganz Europa. Wir gehen – egal ob mit oder ohne Verbot – beim Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und Schönheitsprodukten weiter Vollgas. Und das nicht nur in Deutschland, sondern in allen relevanten Märkten“. Das Rx-Kuchenstück wollen die Niederländer natürlich trotzdem lieber behalten. Der Online-Versand von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln soll zunächst in Deutschland und perspektivisch in Belgien ausgebaut werden, erklärt der Manager. Dazu hat das Unternehmen im vergangenen Jahr die Europa Apotheek übernommen. Das war kein Fehler, sagt Wandel. „Mit der Akquisition der Europa Apotheek sind wir zur Nummer 1 in Deutschland aufgestiegen“.

Versender fürs Apothekensterben nicht verantwortlich

Wandel erklärt zudem, dass die EU-Versandapotheken nichts damit zu tun haben, dass immer mehr Vor-Ort-Apotheken aufgeben. „Der Rx-Versandhandel macht in Deutschland gerade einmal ein Prozent des Marktvolumens aus. Wir sind sicherlich nicht für ein Apothekensterben verantwortlich“. Strukturelle Probleme seien der Grund: Immer weniger Ärzte auf den Land und einen Facharzt „an jeder Ecke“ der Großstädte – und wo es Rezepte gibt, gebe es auch Apotheken. Für Wandel ist das angestrebte Rx-Versandverbot „nur Aktionismus und Populismus“. Eine gleichberechtigte, sichere Versorgung der Patienten mit Medikamenten werde mit dem möglichen Verbot nicht erreicht. Die Genehmigung von elektronischen Rezepten sei da deutlich hilfreicher.

Und so hält die Shop Apotheke an ihren Plänen fürs laufende Jahr fest. „Ich kann nicht garantieren, dass es kein Rx-Versandverbot gibt. Aber ich gehe davon aus, dass wir unsere Strategie in Deutschland und Europa wie geplant vorantreiben können.“ Tatsächlich erholt sich die Aktie der Shop-Apotheke nach dem Absturz am 7. Februar langsam wieder – am heutigen Montag pendelt sie um 38 Euro.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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2 Kommentare

Zuzahlung

von Anita Peter am 19.02.2018 um 12:32 Uhr

Für alle die meinen, die Patienten müssen an der Zuzahlung sparen, sollten sich für eine Abschaffung der Zuzahlung einsetzen und nicht das ausländische Großkapital hofieren.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Zuzahlung

von Phar am 23.02.2018 um 1:39 Uhr

Seh ich ganz genau so. Sollte man dem Herrn mit der Fliege mal sagen...

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