Bestechungsvorwurf

Ist Novartis in einen griechischen Arzneimittelskandal verwickelt?

Stuttgart - 06.02.2018, 15:30 Uhr

Novartis wird vorgeworfen, Schmiergelder an Ärzte und Politiker in Griechenland gezahlt zu haben. (Foto:Roland Mühlanger / imago)

Novartis wird vorgeworfen, Schmiergelder an Ärzte und Politiker in Griechenland gezahlt zu haben. (Foto:Roland Mühlanger / imago)


Medienberichten zufolge ermittelt die griechische Justiz gegen den Pharmahersteller Novartis und mehrere Politiker wegen eines Korruptionsverdachts. Laut den Vorwürfen soll der Schweizer Konzern Politiker und Ärzte in Griechenland bestochen haben, um so hohe Preise für seine Arzneimittel festzusetzen und seinen Marktzugang im Land zu verbessern. Da einige Politiker Immunität haben, wurde der Fall nun dem griechischen Parlament weitergeleitet.

Schon im Januar 2017 berichtete das Handelsblatt, dass die griechischen Justizbehörden gegen den Schweizer Pharmakonzern Novartis wegen Bestechungsvorwürfen ermitteln. Im Rahmen einer gerichtlichen Untersuchung hatten damals Staatsanwälte die Büros des Unternehmens nach Beweisen durchsucht. Die Ermittlungen kamen aufgrund mehrerer Medienberichte ins Rollen, die Novartis mutmaßliche Schmiergeldzahlungen an Ärzte und Beamte vorwarfen.

Laut dem „Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)“ beziehen sich die Untersuchungen auf den Zeitraum von 2006 bis 2015. Bei den Ermittlungen würden die griechischen Behörden vom FBI untertützt. Mit den illegalen Zahlungen habe Novartis Einfluss auf die Preise genommen und seinen Zugriff auf den griechischen Markt erweitert, so der Vorwurf. Nach Aussage des griechischen Justizministers Stavros Kontonis habe dies dazu geführt, dass „die jährlichen Staatsausgaben für Medikamente explodierten“. Es handele sich um „den größten Skandal seit der Entstehung des modernen Griechenlands". Nun seien auch Beweise gegen Novartis vorgelegt worden.

Politiker wehrt sich gegen die Vorwürfe

Zu den beschuldigten Politikern gehören nach Angaben des SRF auch Mitglieder der ehemaligen Regierung – darunter der frühere Premierminister Antonis Samaras und Yannis Stournaras, der ehemalige Finanzminister. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa sind insgesamt zehn Politiker und tausende Ärzte betroffen. Samaras streitet die Verbindung zu Novartis ab und wehrt sich gegen den Vorwurf. „Es handelt sich um eine Verleumdung“, erklärte ein ehemaliger Regierungssprecher.

Da die beschuldigten Politiker Parlamentarier sind und Immunität haben, musste die griechische Justiz den Fall nun dem Parlament weiterleiten. „Die Justiz übermittelt uns heute die Akten“, sagte Stavros Kontonis nach Angaben der dpa am heutigen Dienstag im griechischen Fernsehen. Nun muss das Parlament nach einem Verfahren, das mehrere Monate dauern wird, entscheiden, ob und wie die Justiz weiter ermitteln darf. Novartis in Griechenland erklärte, das Unternehmen kooperiere mit der griechischen Justiz.


dpa-AFX / DAZ.online
redaktion@daz.online


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