Pharmakonzerne

Sanofi übernimmt Ablynx

Stuttgart - 29.01.2018, 14:32 Uhr

Mit Bioverativ und Ablynx hat Sanofi innerhalb kurzer Zeit zwei Spezialisten auf dem Gebiet seltene Blutkrankheiten übernommen (Foto: picture alliance)

Mit Bioverativ und Ablynx hat Sanofi innerhalb kurzer Zeit zwei Spezialisten auf dem Gebiet seltene Blutkrankheiten übernommen (Foto: picture alliance)


Im Ringen um das belgische Biotechnunternehmen Ablynx konnte sich Sanofi gegenüber Novo Nordisk durchsetzen. Diese hatten zuletzt ihr Angebot noch einmal aufgestockt, wurden jedoch von dem französischen Pharmaunternehmen überboten. Mit der Übernahme stärkt Sanofi sein Angebot im Bereich seltene Blutkrankheiten.

Der Pharmakonzern Sanofi schnappt sich Ablynx für rund 3,9 Milliarden Euro, wie das französischen Pharmaunternehmen am Montag mitteilt. Das Nachsehen hat der dänische Insulinhersteller Novo Nordisk, der den Belgiern bereits seit einigen Wochen Avancen gemacht hatte - beim Ablynx-Management aber mit seinem deutlich niedrigeren Angebot auf taube Ohren gestoßen war. Sanofi zahlt nun 45 Euro je Ablynx-Aktie und toppt damit die Offerte der Dänen um etwa die Hälfte.

An der Brüsseler Börse wurde der Handel mit Ablynx-Papieren am Morgen zunächst ausgesetzt, nach der Wiederaufnahme kletterten sie zuletzt um ein Fünftel auf fast 45 Euro. In Paris notierte die Sanofi-Aktie nahezu unverändert, die Papiere von Novo Nordisk gaben in Kopenhagen um ein gutes halbes Prozent nach.

Zwei Mal war Novo Nordisk bereits bei Ablynx abgeblitzt. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg zuletzt unter Berufung auf mit der Sache vertraute Kreise berichtet hatte, wollten die Dänen ihr etwa 2,6 Milliarden Euro schweres Angebot noch einmal aufstocken. Das Ablynx-Management aber hatte bereits selbst Kontakt zu anderen Branchenvertretern aufgenommen und dort für seine Übernahme geworben. Neben Sanofi soll Ablynx auch den Schweizer Pharmakonzern Roche und den US-Konzern Merck, Sharp & Dohme angesprochen haben.

Know-how im Bereich seltene Bluterkrankungen

Sanofi hofft auf einen Abschluss der Übernahme Ende des zweiten Quartals 2018 ­ knüpft diese aber an die Bedingung, dass mindestens 75 Prozent der Anteile angedient werden. Auch müssen noch die Regulierungsbehörden zustimmen.

Sanofi und auch Novo Nordisk leiden derzeit unter Problemen in ihrem wichtigen Inuslin-Geschäft, vor allem wegen des Preisdrucks in den USA. Beide Konzerne versuchen daher ihr Wachstum anderweitig anzuschieben: Mit Ablynx kauft sich das Sanofi-Management binnen eines Monats nun das zweite Mal ergänzendes Know-how im Bereich seltener Bluterkrankungen ein - und stärkt damit das eigene Angebot in dem Bereich. Erst in der vergangenen Woche hatten die Franzosen hierfür die milliardenschwere Übernahme des US-Konzerns Bioverativ bekannt gegeben. Sanofi und Ablynx sind bereits seit dem Sommer des vergangenen Jahres über eine Forschungskooperation miteinander verbunden. Ablynx ist auf eine neue Antikörpergeneration, die Nanoantikörper, spezialisiert, die für eine Vielzahl weiterer Krankheiten auch im Bereich Krebs oder Atemwege eingesetzt werden können.

Sanofi bekommt mit dem Kauf Zugriff auf den Nanoantikörper Caplacizumab, der zur Therapie der Thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (TTP) eingesetzt werden soll. In der EU wurde der Zulassungsantrag bereits hierfür gestellt, in den USA soll er im ersten Halbjahr erfolgen. Auf einen künftigen Durchbruch hofft Sanofi auch bei einem Ablynx-Antikörper gegen bislang kaum behandelbare Atemwegsinfektionen mit dem sogenannten Respiratorischen Synzytial-Virus.


dpa-AFX / DAZ.online
redaktion@daz.online


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