Zeitungsbericht

Ärzte-Lobbyist Lindemann arbeitet in FDP-Abgeordnetenbüro

Berlin - 29.01.2018, 12:45 Uhr

Der FDP-Politiker Lars Friedrich Lindemann arbeitet laut Bild am Sonntag derzeit als Mitarbeiter für einen FDP-Bundestagsabgeordneten. (Foto: Picture Alliance)

Der FDP-Politiker Lars Friedrich Lindemann arbeitet laut Bild am Sonntag derzeit als Mitarbeiter für einen FDP-Bundestagsabgeordneten. (Foto: Picture Alliance)


Erst kürzlich sorgte der FDP-Politiker und Ärzte-Lobbyist Lars Friedrich Lindemann für Schlagzeilen, weil er Unabhängiger im Gemeinsamen Bundesausschuss werden wollte. Nachdem ihm dies nicht gelang, sorgt Lindemann nun erneut für Aufsehen: Laut einem Bericht der „Bild am Sonntag“ steht er auf der Gehaltsliste eines FDP-Bundestagsabgeordneten.

Lars Friedrich Lindemann ist einer der bekanntesten Lobbyisten im Gesundheitswesen. Der Jurist zog über die Landesliste der FDP Berlin 2009 in den Bundestag ein, dort war er Mitglied im Gesundheitsausschuss. Nach dem Scheitern der FDP bei der Bundestagswahl 2013 wurde Lindemann Vorsitzender von einem der größten Ärzte-Verbände, dem Spitzenverband der Fachärzte (SpiFa). Bis heute setzt sich Lindemann dort für die Interessen der Fachärzte ein. Vor seiner Funktionärstätigkeit für die Ärzte war Lindemann an mehreren Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und Krankenhäusern tätig. Außerdem arbeitete er etwa vier Jahre lang als Rechtsanwalt für die auf Gesundheit spezialisierte Kanzlei Ehlers & Ehlers.

Zuletzt gab es Diskussionen rund um die Personalie Lindemann, weil er bei der Neubesetzung der unabhängigen Spitze des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) als einer der Unabhängigen vorgeschlagen wurde. Der Gesundheitsausschuss machte dem FDP-Politiker aber einen Strich durch die Rechnung und lehnte den Personalvorschlag des G-BA ab. Dem Vernehmen nach hatten einige Abgeordnete große Bedenken, was die Unabhängigkeit und eine mögliche Befangenheit Lindemanns betrifft.

Nun aber ist der Berliner FDP-Politiker wieder in Erscheinung getreten. Laut „Bild am Sonntag“ steht Lindemann auf einer internen Telefonliste der FDP-Bundestagsfraktion. Dort soll er als Mitarbeiter vom Berliner FDP-Abgeordneten Christoph Meyer aufgeführt sein. Dem Zeitungsbericht zufolge kennen sich die beiden FDP-Politiker gut. Meyer erklärte laut „Bild am Sonntag“: „Ich habe mir über seine Verbandstätigkeit bislang keine Gedanken gemacht. Ich bin neu im Bundestag, und er berät mich. Ich habe mit Gesundheitspolitik auch nichts zu tun.“ Lindemann sei nur geringfügig beschäftigt und arbeite weniger als zehn Stunden für ihn.

Offenbar überlegt der FDP-Bundestagsabgeordnete inzwischen aber, seinem neuen Mitarbeiter wieder zu kündigen. In dem Bild-Artikel wird Meyer zu einer möglichen Weiterbeschäftigung Lindemanns wie folgt zitiert: „Vielleicht hat die Sache einen Geschmack, den ich bisher nicht gesehen habe. Mein persönlicher Eindruck ist jetzt, dass wir den Vertrag auflösen werden.“


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

Kapierens einfach nicht - FDP

von Ratatosk am 29.01.2018 um 18:54 Uhr

Nee is klar, der Mann hat nichts mit Gesundheitspolitik zu tun oder am Hut, aber er beschäftigt einen ausgewiesenen Fachmann dafür . Solche Tätigkeiten sind normalerweise sehr teuer, da sind 10 Stunden schon viel.
Wenn ich in den Bundestag kommen sollte und nichts mit Atomkraft zu tun habe, würde ich einen Kernphysiker als Berater engagieren ?
Die geneigten Leser sollten sich über solche Aussagen mal eigene Gedanken machen - und nicht vergessen, die FDP ist aus unerfindlichen Gründen einer der heftigsten Apothekenfeind.

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