Inspiriert von der natur

Milliroboter als Arzneimittelbote

Stuttgart - 25.01.2018, 10:00 Uhr

Quallen standen unter anderen Modell für den Milliroboter, der einmal Arzneistoffe an den Wirkort transportieren soll. (Foto: bobmachee / stock.adobe.com). 

Quallen standen unter anderen Modell für den Milliroboter, der einmal Arzneistoffe an den Wirkort transportieren soll. (Foto: bobmachee / stock.adobe.com). 


Er kann durch unwegsames Terrain laufen, krabbeln und rollen, kleine Lasten tragen sowie auf und in Flüssigkeit schwimmen. Die Rede ist von einem Milliroboter, den Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme entwickelt haben. Eines Tages, so hoffen die Entwickler, könnte der er minimalinvasiv gezielt Arzneistoffe an den Wirkort transportieren. 

Inspiration holen sich die Forscher aus der Natur: Käferlarven, Raupen und sogar Quallen standen Modell für den magnetisch gesteuerten, vier Millimeter kleinen biegbaren Roboter, der am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart entwickelt wurde. Das Forschungsprojekt wird nun in der aktuellen Ausgabe von Nature veröffentlicht.

Es ist die Beweglichkeit, die den Roboter auszeichnet. Mit Leichtigkeit bewegt er sich in seiner komplexen Umwelt – ob auf einer Oberfläche oder in einer Flüssigkeit – fort. Vier Millimeter ist er klein, flach wie ein rechteckiges Blatt Papier und aus weichem, elastischem Polymer geformt. Während bisherige Kleinstroboter nur eingeschränkt von der Stelle kommen, und vor allem auf unwegsamem Terrain an ihre Grenzen stoßen, kann dieser Roboter ganz leicht von einem Fortbewegungsmodus zum anderen wechseln. Zudem ist er in der Lage, kleine Lasten aufzuheben, zu transportieren und anderswo abzulegen. „Wir schauen uns beim Bau von Robotern die Mechanik beim Bewegungsablauf zum Beispiel von Insekten an und lassen uns davon inspirieren. Das Ergebnis bei unserem Milliroboter ist eine Mischung aus mehreren weichen Lebewesen wie Käferlarven und Raupen, aber auch ein Spermatozoid und eine Qualle standen Modell“, sagt Metin Sitti, Direktor der Abteilung für Physische Intelligenz am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart.

Steuerung per Magnetfeld

Um den Roboter zu steuern, verwenden die Wissenschaftler ein externes Magnetfeld. In der Polymerschicht des Roboters wiederum sind magnetische Partikel eingebettet, ähnlich wie Rosinen in einen Kuchenteig. So können die Forscher die Form des Roboters von außen verändern und er sich fortbewegen: er kann auf Oberflächen laufen oder rollen, über Hindernisse springen, durch enge Röhren krabbeln und auf oder in einer Flüssigkeit schwimmen. Zudem kann er Objekte greifen, transportieren und zielgerichtet ablegen. „Uns schwebt vor, dass unser Milliroboter eines Tages Medikamente dorthin transportiert, wo sie gebraucht werden – ähnlich einer Paketlieferung an die Haustür“, hofft Metin Sitti. „Wir wollen ihn bei minimalinvasiven Eingriffen am Patienten einsetzen: entweder, indem der Patient den Roboter schluckt oder wir ihn durch eine kleine Öffnung in der Haut in den Körper einführen. Von dort kann sich der Roboter dann durch den Verdauungstrakt bewegen oder durch die Blase, oder bis zum Herz – uns schweben viele Möglichkeiten vor.“



jb / DAZ.online
redaktion@daz.online


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