2017

OTC-Markt: Apotheken stagnieren, Versandhandel boomt

Berlin - 23.01.2018, 14:30 Uhr

Der OTC-Markt hat sich aus Sicht der Vor-Ort-Apotheken im vergangenen Jahr negativ entwickelt. (Foto: Schelbert)

Der OTC-Markt hat sich aus Sicht der Vor-Ort-Apotheken im vergangenen Jahr negativ entwickelt. (Foto: Schelbert)


Insbesondere im Geschäft mit OTC-Produkten ist der Arzneimittel-Versandhandel im vergangenen Jahr stark angewachsen. Zahlen des Marktforschungsunternehmens Insight Health zufolge ist die Zahl der verkauften OTC-Packungen in den Vor-Ort-Apotheken im vergangenen Jahr um knapp 3 Prozentpunkte zurückgegangen. Der Versandhandel hingegen konnte fast in allen Bereichen zweistellig zulegen.

Erst am gestrigen Montag hatte der Bundesverband für E-Commerce und Versandhandel eine Marktstudie veröffentlicht, die vielen Vor-Ort-Apothekern so gar nicht schmecken dürfte: Dem bevh zufolge sind die Versandapotheken bezogen auf den Umsatz im vergangenen Jahr überdurchschnittlich schnell gewachsen, sogar schneller als der Rest der Versandhandels-Branche. Einziger Lichtblick für die Apotheker in der Studie: Die Behauptung, dass der Versandhandel insbesondere von der Landbevölkerung genutzt werde, wird durch die bevh-Zahlen nicht gestützt.

Zahlen zum genauen Marktgeschehen im Arzneimittelbereich enthält die bevh-Studie allerdings nicht. Dafür hat das Marktforschungsunternehmen Insight Health nun für den OTC-Markt Zahlen zum vergangenen Jahr vorgelegt. Und auch hier bestätigt sich der Trend: Die Versandapotheken wachsen kräftig, die Vor-Ort-Apotheken stagnieren insgesamt im OTC-Bereich. In einigen Bereichen sind die Zahlen der Offizin-Apotheken sogar rückläufig.

Laut Insight Health hatte der OTC-Markt im vergangenen Jahr ein Gesamtvolumen von rund 10,4 Milliarden Euro, im Vergleich zum Vorjahr ist der Markt somit also um etwa 240 Millionen Euro gewachsen. Schaut man auf die Umsätze in den Apotheken und bei den Versendern, wird aber schnell deutlich, dass fast allein die Versandapotheken dieses Wachstum verursacht haben. Denn die Vor-Ort-Apotheken haben ihren OTC-Umsatz demnach nur um, 0,1 Prozent steigern können, während die Versandhändler um 14,7 Prozent beim Umsatz wuchsen. Insgesamt wurden in stationären Apotheken 2017 rund 8,6 Milliarden Euro mit OTC umgesetzt, im Versandhandel waren es knapp 1,8 Milliarden Euro. Somit kontrolliert der Versandhandel nunmehr rund 17,3 Prozent des OTC-Marktes.

Apotheken verlieren bei nicht-apothekenpflichtigen Arzneimitteln

Besonders bitter sieht es für die Apotheker bei den Absatzzahlen aus. Laut Insight Health wurden 2017 insgesamt 1,06 Milliarden OTC-Einheiten abgegeben. Die Absatzzahl der Offizin-Apotheker sank dabei um 2,9 Prozent auf 894 Millionen Einheiten, die der Versender konnte um 12,6 Prozent zulegen und liegt nunmehr bei 168 Millionen OTC-Einheiten.

Insight Health hat auch untersucht, in welchen Bereichen die Apotheken und die Versandhändler stark beziehungsweise schwach waren. Die Apotheken verloren insbesondere im Bereich der nicht-apothekenpflichtigen OTC-Produkte: Dort sanken die Abverkaufszahlen um 4,8 Prozent. Leicht zulegen (2,3 Prozent) konnten die Apotheker im Bereich der Nichtarzneimittel. Bei den apothekenpflichtigen OTC-Produkten sanken die Zahlen der Apotheken nur leicht um 0,4 Prozent. Die Versandhändler konnten in allen drei Bereichen zulegen. Umsatztreiber waren insbesondere die Nichtarzneimittel (plus 18,9 Prozent). Aber auch die apothekenpflichtigen Waren stiegen um 14 Prozent.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

das wären

von Karl Friedrich Müller am 23.01.2018 um 14:50 Uhr

gäbe es den Versand nicht, pro Apotheke ein Umsatz von 90.000€ mehr. Wahrscheinlich noch erheblich mehr, weil der Versandhandel eine sehr geringe Marge bei OTC hat.
Durchschnittlich ein Gewinnverlust von (?) 30.ooo € pro Apotheke? (eher mehr)
War das so klug, den Versand zuzulassen?
Dieses Geld fehlt den Apotheken hinten und vorne.
Der Versand wächst überhaupt sehr stark. Und macht die Innenstädte kaputt.

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