USA

Experten wollen Fentanyl in Todesspritzen verhindern

Berlin - 16.01.2018, 10:30 Uhr

In den USA wehren sich Mediziner und Juristen gegen die Verwendung von Fentanyl bei der Todesstrafe. (Foto: Picture Alliance)

In den USA wehren sich Mediziner und Juristen gegen die Verwendung von Fentanyl bei der Todesstrafe. (Foto: Picture Alliance)


Auf der Suche nach neuen „Methoden“ für die Todesstrafe haben die Bundesstaaten Nevada und Nebraska nun eine neue Idee: Sie wollen künftig auch Fentanyl für die Todesspritze nutzen. Kritiker und Ärzte argumentieren dagegen, zwei Exekutionen wurden von Gerichten nun erstmal verschoben. Und erneut steht die Frage im Raum: Gibt es einen humanen Weg zu töten?

Es klingt zynisch: Die Opioid-Epidemie bringt derzeit viele Menschen in den USA um ihr Leben. Und trotzdem soll Fentanyl jetzt auch für die Vollstreckung der Todesstrafe genutzt werden. Die „Washington Post“ hatte bereits Mitte Dezember berichtet, dass die beiden US-Bundesstaaten Nevada und Nebraska auf die erste Hinrichtung mithilfe von Fentanyl setzen wollen. In Nevada sollte Fentanyl bereits vergangenen November zum Einsatz kommen; ein Gericht verhinderte das – zunächst.

Experten laufen Sturm gegen das Vorgehen der beiden Bundesstaaten: „Es ist eine grausame Ironie, dass die Regierungen dieser Bundesstaaten zur selben Zeit verhindern wollen, dass dermaßen viele Menschen durch Opioide sterben, und nun zu ihnen greifen, um andere umzubringen“, beklagt Rechts-Professor Austin Sarat vom Amherst College in einem Bericht der „Washington Post“. Derzeit grassiert in den USA eine verheerende Opioid-Epidemie, die jährlich zehntausende Menschen das Leben kostet.

In den 31 US-Bundesstaaten mit Todesstrafe ist die Todesspritze seit Jahrzehnten die Exekutions-Methode der Wahl. Ebenso bei Todesurteilen, die im Namen der US-Regierung vollstreckt werden. Bei den insgesamt 1465 Hinrichtungen seit 1976, die das Informationszentrum zur Todesstrafe US-weit auflistet, starben 1290 Menschen durch Giftspritzen. Lange Zeit wurden dabei jedem Todeskandidaten drei Medikamente injiziert: Zunächst ein Narkotikum, zumeist wurden Barbiturate verwendet, um die Gefangenen bewusstlos zu machen. Die zweite Komponente der letalen Injektion, wie die Giftspritze offiziell heißt, ist ein Muskelrelaxans. Zum Einsatz kommen hier nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien wie Pancuronium, Vecuronium und Tubocurarin sowie Suxamethonium, das zu den depolarisierenden Substanzen zählt. Bestandteil Nummer drei ist Kaliumchlorid. Hohe Dosen führen zum Herzstillstand, da extrazelluläre Kaliumspiegel ab 10 mmol/l das Membranpotential umkehren.

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Doch die Todesstrafe ist in den USA zunehmend umstritten. 19 US-Staaten haben sie komplett abgeschafft, andere setzen sie seit Jahren aus. Und seit 2010 verschärft sich die Diskussion durch die zunehmende Medikamenten-Knappheit. Denn die Suche nach Alternativen, eine davon ist das Betäubungsmittel Midazolam, endete nicht selten in grausamen, langen Todeskämpfen. Und selbst die Midazolam-Bestände gehen nun zur Neige. Ein Grund dafür: Die Pharmakonzern weigern sich, diese Medikamente an die Gefängnisse auszuliefern.



bro / dpa
brohrer@daz.online


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