Verblisterung

Warum spielt die Heimversorgung keine Rolle im Honorar-Gutachten?

Berlin - 15.01.2018, 15:10 Uhr

Das BMWi hat die Heimbelieferung durch Apotheken nicht im Honorar-Gutachten berücksichtigt. Warum nicht? (Foto: Picture Alliance)

Das BMWi hat die Heimbelieferung durch Apotheken nicht im Honorar-Gutachten berücksichtigt. Warum nicht? (Foto: Picture Alliance)


Notdienste, Rezepturen, BtM-Abgaben – die vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragten Gutachter haben viele Arbeitsprozesse in der Apotheke beleuchtet, um die eigenen Vergütungs-Empfehlungen zu erarbeiten. Ein Arbeitsbereich bleibt aber komplett unerwähnt: die Heimbelieferung. Der Bundesverband der Patientenindividuellen Arzneimittelverblisterer beschwert sich nun über diese Lücke. Das Ministerium antwortet prompt.

Um zu errechnen, ob die Vergütung einzelner Leistungen der Apotheker, wie etwa die Rezepturherstellung oder die BtM-Abgabe, aus ihrer Sicht gerecht ist oder nicht, sind die Honorar-Gutachter in Kontakt mit den Apothekern getreten: Die Mitarbeiter der Agentur 2HM wollten von den Pharmazeuten in einer Umfrage wissen, wie viel Zeit pro Arbeitsschritt benötigt wird. Und so kommt es, dass die Gutachter in der Endversion der Studie nun teilweise minutengenau vorrechnen, welcher Leistungsbereich aus ihrer Sicht im Preis-Leistungs-Verhältnis unterbezahlt ist und in welchem Bereich sie zu viel Geld erhalten.

Mehr zum Thema

Das komplette Honorargutachten

45.000 Euro weniger pro Apotheke

Dass die Berechnung der Leistungen von Pflegeheim-beliefernden Apotheken ganz fehlt, darüber beschwert sich nun der Bundesverband der Patientenindividuellen Arzneimittelverblisterer (BPAV) in einer Pressemitteilung. Dort heißt es: „Im Gutachten (…) bleibt ein wichtiger Bestandteil der Arzneimittelversorgung unbelichtet: Die Versorgung von Alten- und Pflegeheimen mit Arzneimitteln. Die Versorgung mehrerer hunderttausend Patienten mit individueller Medikation nicht zu erfassen, ist für den BPAV eine Schwachstelle dieses Gutachtens, da es nicht die Marktgegebenheiten und Notwendigkeiten einer zeitgemäßen pharmazeutischen Versorgung widerspiegelt.“

Aus Sicht des Verbandes ist die Bedeutung der Heimbelieferung gar nicht groß genug einzuschätzen. Die patientenindividuelle Arzneimittelverblisterung (PAV) sei der „wesentliche Beitrag zur fehlerfreien und therapietreuen Medikamentenversorgung von älteren und damit oft multimorbiden Patienten“. Und weiter: „Die Überprüfung und permanente Pflege des Medikationsplanes vor der Abgabe der Arzneimittel auf Verschreibungsfehler und die extrem aufwändige Organisation der rechtzeitigen Rezeptausstellung durch die Ärzte, eine praktisch fehlerfreie Portionierung und die daraus entstehende Transparenz für alle am Medikationsprozess Beteiligten werden schon heute zum Vorteil hunderttausender Patienten von Apotheken vorgenommen. Blisterzentren benutzen dafür seit Jahren elektronische Medikationspläne, um die Patientenversorgung zu managen und sehen sich hier als Innovationstreiber.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

E-Health-Gesetz und Medikationsplan

Blister-Apotheker fordern Honorar

Verbands-Porträt BPAV

Kämpfer für das Verblistern

Neue Verbände vertreten die Interessen spezialisierter Apotheken

Die Spezialisten

E-Health-Gesetz passiert Bundesrat im ersten Durchgang

Schmidt setzt auf Länder

1 Kommentar

Verblisterung

von Frank Ebert am 15.01.2018 um 19:31 Uhr

Solange es noch manche Blindfuchskollegen unsonst machen , kann ja alles nicht so schlimm sein !

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.