Pharmacon Schladming

Stabilisierung der Proteinhomöostase – das Rezept gegen Alzheimer?

Schladming - 15.01.2018, 12:30 Uhr

Professor Christian Behl vom Institut für Physiologische Chemie der Universität Mainz auf dem Pharmacon in Schladming. (Foto: jb / daz.online)

Professor Christian Behl vom Institut für Physiologische Chemie der Universität Mainz auf dem Pharmacon in Schladming. (Foto: jb / daz.online)


Die Suche nach einem Wirkstoff gegen Alzheimer ist bislang von Misserfolgen geprägt. Professor Christian Behl vom Institut für Physiologische Chemie der Universität Mainz wundert das nicht. Er hält es bei einer so komplexen Erkrankung wie Alzheimer nicht für erfolgsversprechend, sich nur auf einen biochemischen Mechanismus zu konzentrieren, wie er beim Pharmacon in Schladming erklärte.

Vergangene Woche erklärte der US-Pharmagigant Pfizer, sich aus der Alzheimer-Forschung zurückzuziehen. Man wolle sich lieber auf erfolgversprechendere Therapiegebiete konzentrieren, so die Begründung. Auch Eli Lilly musste im Jahr 2016 einen kapitalen Rückschlag bei der Suche nach einen Heilmittel für Alzheimer hinnehmen. Die Liste der Misserfolge in der Alzheimer-Forschung lässt sich fortsetzen.

„Man hat sich zu sehr auf einen Prozess eingeschossen“

Doch woran liegt das? Nach Ansicht von Professor Christian Behl hat man sich bei allen Versuchen, einen Wirkstoff zu entwickeln, zu sehr auf einen Prozess eingeschossen. „Bei einer komplexen Erkrankung wie Alzheimer reiche es nicht aus, einen biochemischen Mechanismus zu durchbrechen“, erklärt er. So werde man die Erkrankung seiner Meinung nach nicht lindern. Behl sieht daher die Zukunft der Alzheimertherapie in der Prävention und nicht wie bei den bisherigen Forschungsansätzen in der Intervention. Zur Erklärung: Bei neurodegenerativen Krankheiten funktionieren die Entsorgungsmechanismen der Zellen, also der Abbau fehlgefalteter und somit nicht funktioneller Proteine, die sogenannte Autophagie, nicht mehr, somit reichert sich der „Proteinmüll“ in der Zelle an und stört deren Funktion. 

Die Zellen fitter machen

Einen möglichen Ansatz sieht Behl darin, die Proteinhomöostase zu stabilisieren, die Nervenzellen also fitter zu machen, zum Beispiel indem man die Autophagie stärke. Hier sieht Behl auch einen Ansatzpunkt für eine Pharmakotherapie. So ganz einfach ist das allerdings auch nicht. Behl erklärt: „Diese Mechanismen sind ubiquitär. Eine Hochregulation der Autophagie in anderen Zellen als Neuronen kann beispielsweise Tumorwachstum begünstigen, weil der Prozess den Krebszellen zur Energiegewinnung dient.“ Die Herausforderung liege also darin, entsprechend selektive Wirkstoffe zu entwickeln, die allein der Neurodegeneration vorbeugen, ohne anderswo Tumorwachstum zu begünstigen.   


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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