Bürgermeisterwahl in Hüffenhardt

„Verbände und Experten haben vor DocMorris gewarnt“

Berlin - 12.01.2018, 13:45 Uhr

Streit um den Abgabeautomaten von DocMorris: In Hüffenhardt sind die beiden Bürgermeisterkandidaten Walter Neff und Armin Hagendorn unterschiedlicher Meinung was den Arzneimittel-Automaten betrifft. (Foto: diz)

Streit um den Abgabeautomaten von DocMorris: In Hüffenhardt sind die beiden Bürgermeisterkandidaten Walter Neff und Armin Hagendorn unterschiedlicher Meinung was den Arzneimittel-Automaten betrifft. (Foto: diz)


Normalerweise haben Bürgermeisterwahlen in 2000-Einwohner-Gemeinden keine größeren Auswirkungen auf die Gesundheitspolitik. Anders aber in Hüffenhardt: Denn dort muss sich Amtsinhaber und DocMorris-Befürworter Walter Neff am Wochenende gegen seinen Herausforderer Armin Hagendorn verteidigen. Dieser erklärt nun in einem Interview, dass die Zusammenarbeit mit DocMorris aus seiner Sicht ein Fehler war. Der Amtsinhaber hingegen steht zu der Kooperation mit den Niederländern.

Es gibt wohl keinen Ort in Deutschland, an dem die beiden Fronten im Apothekenmarkt so direkt aufeinander treffen, wie im baden-württembergischen Hüffenhardt. Auf der einen Seite sind da die Apotheker: Nach der Schließung der einzigen Apotheke im Ort gestaltete sich die Nachfolgersuche schwierig, die Kammer ließ eine Rezeptsammelstelle zu und meint bis heute, damit sei die Versorgung im Ort gesichert. Auf der anderen Seite steht die niederländische Versandapotheke DocMorris, die in den Geschäftsräumen der alten Apotheke einen Abgabe-Automaten errichten ließ, an dem sich die Hüffenhardter per Video-Schalte von Holland aus beraten lassen konnten. Doch der Automat hatte nur eine kurze Halbwertszeit: Erst von der Überwachungsbehörde geschlossen, ist er nun auch erst einmal gerichtlich untersagt.

Wie es in Hüffenhardt mit der Arzneimittelversorgung weitergeht, entscheiden aber nicht nur die Gerichte, sondern auch die Politik. Denn es war Bürgermeister Walter Neff, der die Kooperation mit DocMorris überhaupt erst an Land zog. Auch in einem Interview mit DAZ.online äußerte er die Hoffnung, dass die Versorgung nach dem Wegfall der Apotheke durch die Niederländer gesichert werden könnte. Wörtlich sagte er: „Ob ein Apotheker vor Ihnen steht oder ob er über Video zugeschaltet ist und er die Abgabe des Arzneimittels freischaltet, ist im Prinzip dasselbe.“ Auch der Hüffenhardter Gemeinderat war voll im DocMorris-Fieber: Von der Versandapotheke eingeladen, reiste das gesamte Gremium im vergangenen Jahr nach Holland, um sich die Unternehmenszentrale anzuschauen.

Neff und Hagendorn streiten über DocMorris

Doch nun stehen in Hüffenhardt am kommenden Sonntag Bürgermeisterwahlen an. Neff tritt gegen den parteilosen Herausforderer Armin Hagendorn an. Hagendorn ist gebürtiger Berliner und arbeitet im Kultusministerium Baden-Württemberg. Im Wahlkampf der vergangenen Wochen stritten die beiden Kontrahenten zuletzt über die Themen Windkraft, Busverkehr, Straßenbeleuchtung, die Parkplatzsituation – und die Arzneimittelversorgung.

Auf Nachfrage von DAZ.online wollte sich Hagendorn kurz vor der Wahl am Sonntag nicht mehr zu dem Thema äußern. Mit der lokalen Rhein-Neckar-Zeitung führten beide Kandidaten allerdings ein Interview, in dem auch die Causa DocMorris thematisiert wurde. In diesem Interview liefert Hagendorn eine spannende Neuigkeit. Denn offenbar habe es einen Apotheker gegeben, der sich für eine Übernahme der leerstehenden Apotheke ins Spiel gebracht hatte. Wörtlich sagt Hagendorn in dem Interview: „Obwohl ein ortsansässiger Interessent in der ehemaligen Brunnen-Apotheke eine klassische Apotheke betreiben wollte, ließ sich unser Bürgermeister auf DocMorris und deren umstrittenes, internetbasiertes Geschäftsmodell ein - mit dem Ergebnis, dass Hüffenhardt nun ohne Apotheke dasteht. Nachdem Apothekerverbände und Gesundheitsexperten seit Jahren vor DocMorris warnen, war diese Pleite für jeden absehbar.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

Strobl

von florian becker am 13.01.2018 um 9:54 Uhr

Bevor "Digitalisierungs"minister Strobl einer schlechten Lösung das Wort redet, weil halt das "Digital"-Label dran klebt, sollte er sich erst mal um die drängenden Probleme seines Ressorts kümmern, als da wären kilometerlange Funklöcher entlang der Bundesstraßen in BaWü, von den Gemeinden auf eigene Kosten gelegte Glasfaserkabel für die sich kein Betreiber findet und vieles mehr.
Da wäre die Energie des Ministers sicherlich gewinnbringender untergebracht..

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Neff

von Frank Ebert am 12.01.2018 um 16:29 Uhr

Neff hat aus seiner Sicht alles richtig gemacht, wer kennt sonst einen 2000 Einwohner Dorfbürgermeister. Das er nur benutzt wird, ist ihm wahrscheinlich egal, einmal im Rampenlicht stehen. Vielleicht auch noch eine kleine Zuwendung und gut ist.

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