Datenklau-Affäre

Prozess gegen Ex-ABDA-Sprecher Bellartz startet mit Verzögerung

Berlin - 04.01.2018, 11:10 Uhr

Der Prozessauftakt gegen Ex-ABDA-Sprecher Thomas Bellartz (links, mit seinem Anwalt) wurde vertagt. (Foto: DAZ.online)

Der Prozessauftakt gegen Ex-ABDA-Sprecher Thomas Bellartz (links, mit seinem Anwalt) wurde vertagt. (Foto: DAZ.online)


Der Prozess gegen den ehemaligen ABDA-Pressesprecher Thomas Bellartz und einen IT-Techniker wurde unterbrochen. Bei der heutigen Prozesseröffnung hätte eigentlich die Anklageschrift verlesen werden sollen – doch dazu kam es nicht, weil die Verteidigung die Besetzung des Gerichtes gerügt hat. Die Staatsanwaltschaft sieht das allerdings nicht so. 

Am heutigen Donnerstagmorgen hätte es vor dem Landgericht Berlin-Moabit eigentlich zum Prozessauftakt in der sogenannten Datenklau-Affäre kommen sollen. Angeklagt sind Ex-ABDA-Sprecher Thomas Bellartz und ein IT-Spezialist. Ihnen wird vorgeworfen, in 40 Fällen vertrauliche Dokumente aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) ausgetauscht zu haben. Bellartz soll den IT-Spezialisten, der damals im BMG arbeitete, für diese brisanten Dokumente bezahlt haben.

Doch bereits nach Aufnahme der Angaben zur Person und vor der Verlesung der Anklageschrift wurde der Prozess unterbrochen. Der Grund: Die Verteidigung stellte einen Antrag, in dem sie die Besetzung des Gerichtes rügte. Diesen Antrag kannte das Gericht bereits. Er war schon Teil der Akte, wurde also nicht spontan vorgebracht. Konkret beschwerte sich Bellartz' Anwalt Prof. Dr. Carsten Wegner, dass das Verfahren wieder an die 1. Strafkammer des Landgerichts verwiesen wurde, nachdem es zwischenzeitlich bei 20. Strafkammer anhängig war. Dabei, so Wegener, seien formelle Anforderungen missachtet worden.

Kritische Zuständigkeitsverschiebungen?

Hinter dem Vorgang steckt die Überlastung des Berliner Strafgerichts. Da Haftsachen, also Verfahren, bei denen die Angeschuldigten in Haft sind, schneller zu bearbeiten sind als solche, bei denen sich die Angeschuldigten auf freiem Fuß befinden, sollte die 20. Strafkammer ältere Nicht-Haftsachen aufarbeiten. Auch die 1. Strafkammer wollte daher 2016 das Verfahren dieser 20. Kammer zuteilen. Doch das Bundesverfassungsgericht befand ein solches Vorgehen für verfassungswidrig, weil es gegen das Recht auf den gesetzlichen Richter vetstößt. Daraufhin ging das Verfahren 2017 an die 1. Kammer zurück. Doch diese, so Wegners Kritik, habe es ja wegen Überlastung abgegeben. Das Präsidium hätte nach den Anforderungen der Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs Überlegungen anstellen müssen, ob durch die Umverteilung geeignet ist, die Effizienz des Geschäftsablaufs zu erhalten oder wiederherzustellen. Und daran zweifelt der Anwalt. Zumindest hätte geprüft werden müssen, wie die Belastungssituation der anderen Kammern aussieht. Dies sei nach Aktenlage aber nicht geschehen.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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