Apothekenvergütung

Hanke kritisiert „pseudowissenschaftliches“ Honorar-Gutachten

Berlin - 04.01.2018, 15:30 Uhr

Günther Hanke stellt einige Zahlen zum Apothekenhonorar und anderen Ausgaben im Gesundheitswesen in Relation zueinander. (Foto: LAK Ba-Wü)

Günther Hanke stellt einige Zahlen zum Apothekenhonorar und anderen Ausgaben im Gesundheitswesen in Relation zueinander. (Foto: LAK Ba-Wü)


Das im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellte Gutachten zum Apothekenhonorar „übersieht völlig die Realität und setzt unrealistische Akzente“. Dieser Meinung ist der Präsident der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, Dr. Günther Hanke.

Das kurz vor Weihnachten vom Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichte Gutachten des Beratungsunternehmens 2HM & Associates zur Arzneimittelpreisverordnung und damit auch zum Apothekenhonorar ruft in der Apothekerschaft nach wie vor großes Unverständnis hervor. Nun meldet sich auch die Landesapothekerkammer Baden-Württemberg (LAK) zu Wort. Hier spricht man von einem „pseudowissenschaftlichen“ Gutachten, das die Realität völlig übersehe und „unrealistische Akzente“ setze.

Kammerpräsident Dr. Günther Hanke gibt den potenziellen Lesern der Studie einige relativierende Zahlen mit auf den Weg: „Bevor man sich durch das 250 Seiten starke und mit Zahlen gespickte ‚Gutachten‘ kämpft, sollte man folgendes wissen: Die Ausgaben für Apotheken machen 2,3 Prozent der Kassen-Ausgaben aus. Selbst wenn diese komplett entfallen würden, hätte dies keine umwälzenden Auswirkungen auf die Finanzen des GKV-Systems.“

Arzneimittel-Mehrwertsteuer übersteigt Apothekenvergütung

Die LAK weist zudem darauf hin, dass die Apotheken die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2016 knapp 5 Milliarden Euro kosteten. Mit diesem Geld hätten über 150.000 Mitarbeiter in 20.000 Apotheken täglich 3,6 Millionen Patienten versorgt. Ebenso viel zahlten die Krankenkassen für Fahrtkosten der Versicherten. Mehr als 5 Milliarden Euro mache zudem die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel aus. Damit verdient der Staat mehr an Arzneimitteln als die Apotheken. Last not least: Die Verwaltungsausgaben der Krankenkassen beliefen sich auf 13,5 Milliarden Euro – dabei seien hier wesentlich weniger Mitarbeitern als in den Apotheken beschäftigt.

Hanke: „Die Autoren des Gutachtens glauben doch tatsächlich, die Abläufe in Apotheken minutengenau beurteilen und berechnen zu können. Wir arbeiten aber nicht im Akkord. Wir Apotheken gehen individuell auf jeden Patienten ein. Wir sind Heilberufler. Wer das in Frage stellt, nimmt kranken Menschen eine niedrigschwellige und unabhängige Anlaufstelle vor Ort. Apotheken sind die erste Anlaufstelle in Gesundheitsfragen und beantworten diese auch ohne dafür extra honoriert zu werden. Arzneimittelversorgung bedeutet nicht einfach Schachteln zu verkaufen. Jede Apothekenschließung bedeutet den Wegfall einer Anlaufstelle. Dass diese Patienten dann beim Arzt aufschlagen und damit höhere Kosten verursachen, muss der Politik bei ihren weiteren Überlegungen klar sein.“ 


LAK BaWü / DAZ.online
redaktion@daz.online


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