Stress lass nach!

Unruhig? Erschöpft? Schlaflos?

Hamburg - 10.04.2018, 17:00 Uhr

(Illus.: studiostoks / stock.adobe.com)

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Haushalt, Kinder, Job – viele sind mehrfach belastet. In vielen Fällen sind das immer noch die Frauen, aber auch Männer sind natürlich betroffen. Nimmt der Stress überhand, können nervöse Unruhe und Schlafstörungen die Folge sein. Rat und Hilfe gibt es aus der Apotheke. Wie immer gilt: Nicht jeder Fall ist etwas für die Selbstmedikation. 

Die nervöse Unruhe ist durch eine innere Anspannung gekennzeichnet, bei der die Gelassenheit und Ausgeglichenheit fehlt. Betroffene sind dann z.B. unkonzentriert und häufiger gereizt, überempfindlich oder aggressiv. Gleichzeitig fühlen sich viele antriebslos, müde und weniger belastbar. Das ist der Erschöpfung zuzuschreiben, die oft in Kombination auftritt. Schlafstörungen können sich beim Ein- oder Durchschlafen zeigen.

Hauptursache Stress

Die Ursache für Unruhe, Erschöpfung und Schlafstörungen liegt oftmals an einem Übermaß an Stress. Die möglichen Auslöser sind individuell unterschiedlich. Neben physischen Reizen (z.B. Schmerzen) und Umwelteinflüssen (z.B. Lärm) können auch berufliche und private Belastungen wie Termindruck, Mobbing, Beziehungsprobleme, sowie die eigene Einstellung (z.B. übertriebener Perfektionismus) in die Stressfalle führen. Hat sich die Stressreaktion festgesetzt, kommen Betroffene auch in Phasen ohne akute Belastung nicht mehr zur Ruhe. Die weiteren möglichen Auswirkungen von Stress auf den Körper sind vielfältig; Neben Kopfschmerzen, Händezittern, Herzklopfen und vermehrtem Schwitzen können auch gastrointestinale Beschwerden auftreten. 

Selbstmedikation möglich, wenn ...

Treten die Beschwerden akut auf (Nervosität und innerer Unruhe: über 2 Wochen, Ein- oder Durchschlafstörungen: über 3 bis 4 Wochen) und haben eine bekannte Ursache (z.B. Stress, Prüfungsangst, Aufregung, unregelmäßiger Schlafrhythmus z.B. bei Schichtarbeit) kann grundsätzlich eine Behandlung im Rahmen der Selbstmedikation erfolgen. Zuvor sollten natürlich weitere Beschwerden, Erkrankungen oder die Einnahme von Arzneimitteln abgefragt werden. Denn Unruhe und/oder Schlafstörungen können z. B. auch auf psychiatrische oder organische Erkrankungen hindeuten, oder die Folge einer unerwünschten Arzneimittelwirkung sein. Dann ist ein Arztbesuch anzuraten (siehe Kasten). Manchmal sind auch die Lebensgewohnheiten Schuld, etwa ein langer Mittagsschlaf bzw. fehlende Schlaf- und Ruhezeiten, oder ein übermäßiger Kaffeekonsum. Nicht nur in solchen Fällen sind Empfehlungen zu nicht-medikamentösen Maßnahmen ratsam.

Wann zum Arzt ... 


... bei Unruhe

Die Kundin sollte an einen Arzt verwiesen werden, wenn Nervosität und innere Unruhe bereits mehr als zwei Wochen andauern oder sich unter einer entsprechenden Selbstmedikationstherapie in dieser Zeit nicht bessern. Ist bei akuten Beschwerden kein konkreter Auslöser erkennbar, treten problematische Begleiterscheinungen auf, besteht eine entsprechende Grunderkrankung bzw. der Verdacht darauf, ist ebenfalls der Arzt gefragt. Gleiches gilt bei möglichen arzneimittelbedingten Beschwerden. Krankheitsbilder, die mit Unruhe und Erschöpfung einhergehen können, sind Depressionen, Schizophrenie, Schilddrüsenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus bzw. Hypoglykämie, Alzheimer oder Parkinson. Zudem können hormonelle Schwankungen, etwa in den Wechseljahren oder der Schwangerschaft, entsprechende Beschwerden nach sich ziehen. Zu den Arzneimitteln mit Unruhe als mögliche Nebenwirkung gehören u.a. Antidepressiva, z.B. Sertralin, Fluoxetin, Citalopram und Venlafaxin, einige Neuroleptika (z.B. Haloperidol), sowie Coffein (Schmerz- und Erkältungskombis!) und Theopyllin. Auch Beta-Sympathomimetika (z.B. Salbutamol), L-Thyroxin oder Glucocorticoide können unter bestimmten Umständen Unruhezustände hervorrufen.

... bei Schlafstörungen

Schlafstörungen sind oftmals ein Fall für den Arzt, etwa wenn die Patientin tagsüber über Antriebslosigkeit und Abgeschlagenheit leidet, oder der Verdacht einer Depression besteht. Sind beispielsweise Hustenreiz, Schmerzen, Atemnot, Juckreiz oder ständiger Harndrang für die Schlafstörungen verantwortlich, sollte die zugrundeliegende Ursache angegangen werden. Auch bei Verdacht auf eine unerwünschte Arzneimittelwirkung (z.B. von Coffein, Theophyllin, Diuretika, einigen Antidepressiva), wenn keine klare Ursache (z.B. Stress, Schichtarbeit) erkennbar ist oder die Ein- oder Durchschlafstörung bereits länger als drei bis vier Wochen besteht, sind die Grenzen der Selbstmedikation überschritten. Gleiches gilt, wenn die Beschwerden unter einer Selbstmedikationsbehandlung länger als zwei Wochen anhalten. 

Zu den organischen Erkrankungen, die eine Schlafstörung hervorrufen können, zählen u.a. chronische Schmerzerkrankungen, Hyperthyreose, (chronisch-obstruktive) Atemwegserkrankungen, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Hauterkrankungen mit Juckreiz oder eine Prostatahyperplasie mit nächtlichem Harndrang. Psychiatrische Erkrankungen die mit Schlafproblemen einhergehen können sind z.B. Depressionen, Angststörungen oder Schizophrenie.

Pflanzliche Sedativa

Bei Unruhezuständen und nervös bedingten (Ein-)Schlafstörungen kommen vornehmlich Phytopharmaka zum Einsatz, die Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Melissenblätter oder Passionsblumenkraut enthalten – entweder als Monopräparat oder in verschiedenen Kombination (siehe Tabelle 1 und 2). Ob eine beruhigende oder eine schlaffördernde Wirkung im Vordergrund steht, ist abhängig von der Dosis und dem Einnahmezeitpunkt. Die Präparate-Empfehlung sollte sich an den vorherrschenden Beschwerden und den persönlichen Bedürfnissen der Kundin orientieren. Bestehen begleitend gastrointestinale Beschwerden, kann zu einer Kombination mit Melisse gegriffen werden.

Bei Unruhe mit ängstlicher Verstimmung ist beispielsweise ein Präparat mit Lavendelöl eine Option. Kombinationen mit Johanniskraut sind empfehlenswert, wenn zusätzlich eine leichte vorübergehende depressive Verstimmung vorliegt. 

Tab.1: Pflanzliche Sedativa, Monopräparate (Beispiele)

Präparat Wirkstoff Dosierung (Erw.) Indikation
Baldrian
Baldriparan® Stark für die Nacht überzogene Tabletten Baldrianwurzel-Trockenextrakt 441,35mg abends 1x1 Tablette* bei nervös bedingten Einschlafstörungen
Euvegal® Balance 500 mg FilmtablettenBaldrianwurzel-Trockenextrakt 500mg

1-3x1 Tablette


abends 1x1 Tablette*

bei leichter nervöser Anspannung 

bei Schlafstörungen

Luvased® mono überzogene TablettenBaldrianwurzel-Trockenextrakt 450mg

bis zu 3x1 Tablette


abends 1x1 Tablette*

bei leichter nervöser Anspannung

bei Schlafstörungen

Moradorm® Beruhigung Baldrian überzogene TablettenBaldrianwurzel-Trockenextrakt 300mg

3x2 Tabletten

abends 1x2 Tabletten*

bei Unruhezuständen

bei nervös bedingten Einschlafstörungen

Passionsblume
Kytta® Sedativum für den Tag überzogene Tabletten Passionsblumen-kraut-Trockenextrakt 425mg 2-3x1 Tablette bei nervösen Unruhezuständen
Lioran® Hartkapseln Passionsblumen-kraut-Trockenextrakt 260mg 3x1-2 Kapseln, max. 5/d bei nervösen Unruhezuständen
Pascoflair® überzogene Tabletten Passionsblumen-kraut-Trockenextrakt 425mg 2-3x1 Tablette bei nervösen Unruhezuständen
Passio® balance überzogenen Tabletten Passionsblumen-kraut-Trockenextrakt 425mg 2-3x1 Tablette bei nervösen Unruhezuständen
Lavendel
Lasea® Weichkapseln Lavendelöl 80mg 1x1 Kapsel Unruhezustände bei ängstlicher Verstimmung

* Einnahme 30-60 Minuten vor dem Schlafengehen, falls notwendig eine zusätzliche Dosis am früheren Abend


Tab.2: Pflanzliche Sedativa, Kombipräparate (Beispiele)

Präparat Wirkstoffe Dosierung (Erwachsene) Indikation
Baldrian + Hopfen
Allunapret® Filmtabletten

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 187mg

Hopfenzapfen-Trockenextrakt 41,88mg

bis zu 3x1 Tablette

abends 1x 1 Tablette*

bei Unruhezuständen

bei nervös bedingten Einschlafstörungen

Ardeysedon® überzogene Tabletten

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 100mg

Hopfenzapfen-Trockenextrakt 24mg

bis zu 3x2 Tabletten bei Unruhezuständen
Ardeysedon® Nacht überzogene Tabletten

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 200mg

Hopfenzapfen-Trockenextrakt 68mg

abends 1x1 Tablette* bei nervös bedingten Einschlafstörungen
Luvased® Nacht überzogene Tabletten

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 160mg

Hopfenzapfen-Trockenextrakt 40mg

bis zu 3x2 Tabletten

abends 1x2 Tabletten*

bei Unruhezuständen

bei nervös bedingten Einschlafstörungen

Vivinox® Night Einschlafdragees

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 187,5mg

Hopfenzapfen-Trockenextrakt 45mg

1x1 Tablette


abends 1x1 Tablette**

bei Unruhezuständen

bei nervös bedingten Einschlafstörungen

Baldrian + Melisse      
Euvegal® 320/160mg Filmtabletten

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 320mg

Melissenblätter-Trockenextrakt 160mg

2x1 Tablette


abends 1x1 Tablette*

bei Unruhezuständen

bei nervös bedingten Einschlafstörungen

Sedariston® Tropfen für die Nacht

Baldrian-Tinktur


Melissenblätter-Fluidextrakt, enthält 65 Vol.-% Alk.

bis zu 3x42 Tropfen

abends: 1x42 Tropfen*

bei Unruhezuständen

bei nervös bedingten Einschlafstörungen 

Baldrian + Hopfen + Melisse
Sedacur® forte Beruhigungs-dragees

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 75mg

Hopfenzapfen-Trockenextrakt 23mg

Melissenblätter-Trockenextrakt 45mg

2-3x2 Tabletten

abends 1x2 Tabletten**

bei Unruhezuständen

bei nervös bedingten Einschlafstörungen

Baldriparan® Zur Beruhigung überzogene Tabletten

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 95mg

Hopfenzapfen-Trockenextrakt 15mg

Melissenblätter-Trockenextrakt 85mg

bis zu 3x2 Tabletten

abends 1x2 Tabletten*

bei Unruhezuständen

bei nervös bedingten Einschlafstörungen

Baldrian + Hopfen + Passionsblume
Biosedon® überzogene Tabletten

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 56,25mg

Hopfenzapfen-Trockenextrakt 13,5mg

Passionsblumen-kraut-Pulver 200mg

bis zu 3x3 Tabletten

abends 1x3 Tabletten**

bei Unruhezuständen

bei nervös bedingten Einschlafstörungen

Kytta® Sedativum Dragees

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 150mg

Hopfenzapfen-Trockenextrakt 30mg

Passionsblumen-kraut-Trockenextrakt 80mg

bis zu 3x1 Tablette

abends 1x1 Tablette*

bei Unruhezuständen

bei nervös bedingten Einschlafstörungen

Baldrian + Melisse + Passionsblume
Vivinox® Day Beruhigungs-dragees

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 125mg

Melissenblätter-Trockenextrakt 112,5mg

Passionsblumen-kraut-Trockenextrakt 80mg

bis zu 3x2 Tabletten

abends 1x2 Tabletten*

bei Unruhezuständen

bei nervös bedingten Einschlafstörungen

Valeriana Hevert® Beruhigungs-dragees

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 125mg

Melissenblätter-Trockenextrakt 112,5mg

Passionsblumen-kraut-Trockenextrakt 80mg

bis zu 3x2 Tabletten

abends 1x2 Tabletten*

bei Unruhezuständen

bei nervös bedingten Einschlafstörungen

Schlafsterne® BMP überzogene Tabletten

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 150mg

Melissenblätter-Trockenextrakt 125mg

Passionsblumen-kraut-Trockenextrakt 110mg

bis zu 3x1-2 Tabletten

abends  1x2 Tabletten*

bei Unruhezuständen

bei nervös bedingten Einschlafstörungen

Kombinationen mit Johanniskraut
Sedariston® Konzentrat Hartkapseln

Johanniskraut-Trockenextrakt 100mg

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 50mg

4x1 oder 2x2 Kapseln

bei leichten vorübergehenden depressiven Störungen mit nervöser Unruhe und nervös bedingten Einschlafstörungen,

insb. Johanniskraut-WW und Fototoxizität beachten

Sedariston® Tropfen

Baldrianwurzel-Extrakt

Johanniskraut-Extrakt

Melissenblätter-Extrakt

enthält 53 Vol.-% Alk.

3x20 Tropfen

bei nervlicher Belastung und zur Unterstützung des Schlafs

insb. Johanniskraut-WW und Fototoxizität beachten

Neurapas® Balance Filmtabletten

Johanniskraut-Trockenextrakt 60mg

Baldrianwurzel-Trockenextrakt 28mg

Passionsblumen-kraut-Trockenextrakt 32mg

3x2 Tabletten

bei leichten depressiven Episoden mit nervöser Unruhe,

insb. Johanniskraut-WW und Fototoxizität beachten

* Einnahme 30-60 Minuten vor dem Schlafengehen, falls notwendig eine zusätzliche Dosis am früheren Abend
** Einnahme 30-60 Minuten vor dem Schlafengehen



Annette Lüdecke (lue), Apothekerin, Autorin DAZ.online
redaktion@daz.online


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