Eine Frage des Alters

Hilfe, Wechseljahresbeschwerden!

Hamburg - 07.03.2018, 10:15 Uhr

Die häufigsten Wechseljahresbeschwerden sind Hitzewallungen, Trockenheit der Schleimhäute, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen (Foto: RFBSIP / stock.adobe.com)

Die häufigsten Wechseljahresbeschwerden sind Hitzewallungen, Trockenheit der Schleimhäute, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen (Foto: RFBSIP / stock.adobe.com)


Nicht wenige Frauen haben mit den Wechseljahren zu kämpfen. Häufige Symptome sind Hitzewallungen, Schlafstörungen, trockene Schleimhäute und Stimmungsschwankungen. Eine Hormonersatztherapie kommt meist nur zum Einsatz, wenn der Leidensdruck sehr hoch ist. Alternative Hilfe – meist pflanzlicher Natur – gibt es aus der Apotheke.

Als Wechseljahre bezeichnet man die Zeitspanne vor der letzten Regelblutung, die durch zunehmend unregelmäßiger werdende Blutungen gekennzeichnet ist. Bei den meisten Frauen tritt die Menopause (letzte Regelblutung) zwischen Mitte 40 und Mitte 50 ein. Die davor liegende Umbruchphase dauert im Schnitt ein bis fünf Jahre. In dieser Zeit nimmt die Produktion der weiblichen Sexualhormone deutlich ab. Zunächst wird weniger Gestagen gebildet, in der Folge dann auch immer weniger Estrogen. 

Typische Symptome

Eine sinkende Estrogenproduktion kann sich auf vielfältige Weise bemerkbar machen. Zu den häufigen Wechseljahresbeschwerden zählen Hitzewallungen, Trockenheit der Schleimhäute (Scheidentrockenheit, trockene Augen), Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Ob und wie stark eine Frau unter Beschwerden leidet, ist individuell unterschiedlich. Gleiches gilt für den Beginn und die Dauer der Wechseljahre.

Mithilfe der sogenannten Menopause Rating Scale II (MRS-II) lassen sich die Stärke von elf Wechseljahresbeschwerden durch eine Punkteskala einordnen (0 für „keine Beschwerden“, 4 für „sehr starke Beschwerden“). Zu den abgefragten Beschwerdebildern gehören Herzbeschwerden, Schlafstörungen, depressive Verstimmung, Reizbarkeit, Ängstlichkeit, körperliche und geistige Erschöpfung, Sexualprobleme, Harnwegsbeschwerden, Trockenheit der Scheide, Gelenk- und Muskelbeschwerden sowie Hitzewallungen.

Wann zum Arzt?

Ein Arztbesuch ist angezeigt, wenn die Kundin über erstmalig auftretende Beschwerden klagt. Der Arzt stellt die gynäkologische Diagnose und überprüft, ob eine Indikation zur Hormonersatztherapie besteht. Diese wird mittlerweile nur noch in Ausnahmefällen und unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung verordnet, da das Risiko u.a. für Schlaganfall, Thromboembolien sowie Mama- und Endometriumkarzinome erhöht ist.

Ist die Hormongabe keine Option, stehen bei ausgeprägten Beschwerden selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) sowie Gabapentin, Pregabalin oder Clonidin zur Verfügung. Bei mittleren bis schwachen Wechseljahresbeschwerden wird vor allem auf pflanzliche Präparate gesetzt.

Steht eine Frau mit chronischen und ihr bekannten Wechseljahresbeschwerden vor dem HV-Tisch, die mindestens einmal im Jahr zum Frauenarzt geht, ist eine Behandlung im Rahmen der Selbstmedikation i.d.R. möglich.

Genau hinhören!

Frauen mit erstmalig auftretenden Beschwerden sind an einen Arzt zu verweisen. Denn hinter den geschilderten Beschwerden können sich  – teilweise zusammen mit weiteren Symptomen – auch andere Erkrankungen verbergen.

Klagt eine Kundin beispielsweise unter anderem über Schweißausbrüche, ist ggf. an Hyperthyreose, Hypoglykämie oder an unerwünschte Arzneimittelwirkungen (z.B. von trizyklischen Antidepressiva, Opioiden, Parasympathomimetika) zu denken. Auch eine depressive Verstimmung muss nicht zwangsläufig mit den Wechseljahren zusammenhängen. Spätestens bei länger anhaltenden oder mittelschweren bis schweren Verläufen sollte die Kundin an einen Arzt verwiesen werden.



Annette Lüdecke (lue), Apothekerin, Autorin DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.